Netzwerken, austauschen, den Glauben vertiefen

Job und Glaube: Wie geht das gut zusammen? Die Tagung „Christ und Beruf“ will Antworten geben. Ein Gespräch mit Initiatorin Gudrun Kugler. Von Markus Reder
Foto: dpa | QWE
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Frau Kugler, vom 24. bis 26. Oktober veranstalten Sie in Schwäbisch-Gmünd eine Tagung für „Young Professionals“, junge Berufstätige, zum Thema „Christ und Beruf 2014“. Brauchen junge Christen heute Nachhilfe, wenn es um Beruf und Berufswahl geht?

Christen vertrauen darauf, dass Gottes Geist sie ganz persönlich und „maßgeschneidert“ – auch aus Sackgassen – zu einem erfüllten Leben führt. Auf einen eingeschriebenen Brief Gottes zu warten, kann aber ein Zeichen von Unreife sein. Die Führung Gottes geschieht durch unsere ganz tiefen persönlichen Neigungen und Interessen. Und genau im Ernstnehmen der bedeutendsten persönlichen Anliegen klärt sich der Blick für das Wesentliche. Der Autor und ehemalige Karmelitenprovinzial Pater Paul Weingartner, der auch auf der Tagung referieren wird, sagt: „Nur wer lernt, wahr-zu-nehmen, was ihm entspricht, wird aufhören, Fremde für sich entscheiden zu lassen.“

An wen richtet sich der Kongress konkret und was erwartet die Teilnehmer?

Eingeladen ist jeder, der sein Christ-Sein stärker in die Art und Weise einbinden möchte, wie er seinen Beruf lebt. Nur wenn die Christen aufhören, ihren Glauben wie einen Hut an der Garderobe ihrer Büros abzugeben, wird das Christentum die Gesellschaft prägen. Der Begriff „Young Professionals“ ist weniger an ein Alter gebunden, als an eine Lebensweise: Der Beruf steht stark im Vordergrund, vom Einzelnen wird viel verlangt, dafür gestaltet er sein Umfeld aktiv mit. Familiär sind viele in dieser Zielgruppe ungebunden oder unter massivem Druck, Familie und Beruf gleichzeitig erfüllend leben zu können. Genau diese Fragen greifen wir auf: Beruf, Berufung, Identität; Work-Life-Balance von der Partnersuche bis hin zu Beruf und Familie; und in welcher Weise kann man legitim auch am Arbeitsplatz Christ bleiben.

Gerade für junge Familien besteht die größte Herausforderung oft darin, ein forderndes Berufsleben und ein ebenso forderndes Familienleben so unter einen Hut zu bekommen, dass zumindest die Kinder keinen Schaden nehmen. Haben Sie ein Geheimrezept, wie das gelingen kann?

Nein, denn das Geheimrezept ist die Entspannung der Rush Hour des Lebens. Wir haben eine lange Lebenserwartung – warum alles gleichzeitig machen? Erfüllte Lebensjahre, nicht Kalenderjahre, wollen wir sammeln. Gerade wir Frauen müssen versuchen, uns vom Diktat der veröffentlichten Meinung befreien: Wie sollen wir gleichzeitig Karriere machen, mehrere kleine Kinder aufziehen und die Familie zusammenhalten, ein aktives soziales Leben führen und auch noch gut aussehen? In Wahrheit müssen wir das gar nicht und haben ein Recht darauf, unser Leben in verschiedenen Phasen zu gestalten. Dafür müssen natürlich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden: eine Familie muss von einem Gehalt leben können, Familienarbeit muss gesellschaftlich wertgeschätzt werden, Unternehmen sollten verstehen, dass eine Frau nach der Kinderpause zwar vielleicht weniger Top-Jobs im Lebenslauf stehen hat, aber menschlich viel mehr mitbringt als ein Karriere-Yuppie.

Begriffe wie Mobbing, Burn-out, oder die Suche nach der Work-Life-Balance, von der Sie vorhin sprachen, kennzeichnen heute die Berufswelt ebenso wie die Jagd von „Headhuntern“ nach den besten Köpfen. Gibt es einen speziellen christlichen Umgang mit diesen Entwicklungen?

Katastrophale PISA-Ergebnisse stellen heute die Schulen in Frage. Lehrer kontern und sagen, dass die Kinder massiv weniger aus dem familiären Umfeld mitbringen. Einfachste Dinge des Miteinanders sowie die Grundtugenden scheinen zu Hause nicht mehr vermittelt zu werden. Man verlässt sich auf das Bildungssystem, man lagert die Erziehung sogar in die Krippe aus, die aber nicht im gleichen Maße das Erforderliche vermitteln kann. Das wirkt sich natürlich massiv auf den Arbeitsmarkt aus, denn auch ein Headhunter sucht zuerst Menschen, die sich selbst im Griff haben, also mit Tugenden ausgestattet sind. Der gute Umgang mit Kollegen oder auch mit Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und die richtige Prioritätensetzung im privaten Leben bleiben eine Herausforderung, der man am ehesten mit tugendhafter, man könnte sogar sagen, christlicher Grundhaltung gewachsen ist. Auch in dieser Frage ist klar: die Familie ist die wichtigste Schule des Lebens.

Im Idealfall findet ein Christ nicht einfach einen Beruf, sondern entdeckt seine Berufung. Oft ist das gar nicht so leicht. Wie kann da geholfen werden?

Die österreichischen Sozialdemokraten hatten bis 1975 das Ziel im Parteiprogramm, den Menschen „von der Last der Arbeit zu befreien“. Die christliche Sicht auf die Arbeit steht dazu im krassen Gegensatz: Papst Franziskus meinte kürzlich, dass die Arbeit eine Quelle der Würde sei. Manche tun sich schwer, in ihrem Beruf eine Berufung zu erkennen und haben auch keine Möglichkeit, sich beruflich zu verändern. Dann kann der Christ einen besonderen geistlichen Weg gehen: sich das Ungeliebte zu eigen machen durch doppelte Hingabe und Loyalität, in enger Verbundenheit mit Gott Widrigkeiten fruchtbar machen, sich bewusst machen, dass es immer einen Grund zur Dankbarkeit gibt und nach kleinen Dingen suchen, in denen man Gott und den Menschen dienen kann. Wer so lebt, wird ein Anziehungspunkt für sein Umfeld.

Eigentlich ist Ihr Unternehmen kathTreff.org ein Internetportal für Partnersuchende, die Glaube und Werte miteinander teilen möchten. Was hat Single-sein und Partnersuche denn bitte mit dem Thema Beruf zu tun?

kathTreff.org ist eine Heiratsbörse im Internet für jene, die einen gläubigen Partner suchen. Wir wollen mit unserer Tagung ein Thema aufgreifen, das für Alleinstehende besonders im Vordergrund steht. Christen sind Salz der Erde. Damit das Salz spürbar wird, muss man es verwenden. Unsere Gesellschaft braucht aktive Christen in allen Berufen. Darum sind alle eingeladen, die sich die Frage stellen, wie sie im Berufsleben als Christen gestalten können. In eigenen Arbeitsgruppen werden wir die unterschiedlichen Fragestellungen für Alleinstehende wie für Verheiratete aufgreifen. Neben den Inhalten stehen aber auch das Netzwerken, Austauschen und Kennenlernen im Vordergrund. Wir hoffen, dass auf dieser Veranstaltung Freundschaften entstehen, die die Teilnehmer auf ihrem Lebensweg ein Stück weit begleiten werden.

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