Kritik an Energiewende

Cartellverband fordert mehr Umsicht bei der Energieversorgung

München (DT/WB) Für mehr Umsicht bei der Energieversorgung spricht sich der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) aus. Anlässlich seiner Cartellversammlung in Aachen informierte sich der Verband zu dieser Frage in einer Podiumsdiskussion mit Experten. „Die Energiewende war eine Hauruck-Aktion ohne konzeptionelle Planung, deren vor allem finanzielle Folgen noch immer unberechenbar sind und schon jetzt den Bürger erheblich belasten“, zog der CV-Vorsitzende, der Münchner Rechtsanwalt Heiner Emrich, eine Bilanz.

Überaus kritisch beleuchtete Paul Laufs, Honorarprofessor für Umweltingenieurwesen an der Universität Stuttgart, langjähriger Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, die abrupte Abkehr der schwarz-gelben Koalition von der Kernenergie. Das Unglück von Fukushima könne dafür, so Laufs, nicht als Rechtfertigung herhalten. Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans hätten die Sicherheitseinrichtungen der drei in Betrieb befindlichen Blöcke des Atomkraftwerks Fukushima I völlig intakt überstanden. Eine Stunde lang habe die Notversorgung mit Strom und Kühlwasser bestimmungsgemäß funktioniert. Erst die Überflutung durch den später eintreffenden gewaltigen Tsunami habe die Notstromdiesel und Pumpen außer Betrieb gesetzt und das Unglück ausgelöst. Betreiber und Aufsichtsbehörde hätten grob fahrlässig die Tsunami-Gefahr trotz vieler Beispiele in der japanischen Geschichte unterschätzt. Die Schutzmauern gegen die Flutwellen seien mit nur sechs Metern zu niedrig gewesen. In Deutschland, so Paul Laufs, hätte das nicht passieren können. In Deutschland sei die Energiepolitik aber inzwischen so etwas wie eine Religion: „Atomkraft ist der Inbegriff des Bösen und regenerative Energien gelten als himmlisches Heil.“ Den grünen Mythen habe sich die Politik gebeugt.

Kritisch sahen auch Ralf Bartels von der IG Bergbau, Chemie, Energie und RWE-Kraftwerksdirektor Eberhard Uhlig die Abschaltung der Atomkraftwerke. Die finanzielle Belastung dieser politischen Entscheidung könne für Industrieunternehmen zu deren Abwanderung und damit zum Verlust von Arbeitsplätzen führen. Professor Rik De Doncker vom E.ON Energieforschungszentrum an der RWTH Aachen zeigte zwar technische Entwicklungsmöglichkeiten für die Energieversorgung der Zukunft auf, diese würden aber erst später greifen und könnten die Kostenfrage nicht verdrängen. Die Diskussion, so CV-Vorsitzender Heiner Emrich, habe gezeigt, dass die Politik mehr Gewicht auf die zukunftsorientierte Konzeptionierung politischer Entscheidungen legen müsse, als dies derzeit geschehe. Die häufig von Opportunismus getragenen Entscheidungen, mit denen Einzelprobleme eher kaschiert als gelöst würden, hätten langfristig manchmal eher schädliche Auswirkungen.

Themen & Autoren

Kirche