Kolumne: Klimagipfel Paris: Letzte Chance?

Von Julia Seeberg

„Ich glaube, dass der Klimawandel noch zu stoppen ist. Diesen Kampf dürfen wir nicht aufgeben, weil wir sonst niemals sehen können, ob wir eine Chance gehabt hätten.“ Dieses Zitat eines Filipinos macht die Dringlichkeit eines engagierteren Klimaschutzes sehr deutlich. Die Menschen in den ärmsten Regionen der Welt sind von den Auswirkungen des Klimawandels besonders stark betroffen. Sie erleben die dramatischen Veränderungen in der Natur und in ihren Lebensräumen, die für viele Europäerinnen und Europäer weiterhin abstrakt und unwirklich erscheinen. Der Klimawandel ist jedoch kein Szenario der Zukunft mehr – er findet bereits heute in vielen Teilen der Welt statt.

2015 ist ein zentrales Jahr für den Klimaschutz und für die Zukunft unseres Planeten. Auf der Weltklimakonferenz Ende des Jahres in Paris soll endlich ein weltweites verbindliches Klimaabkommen geschlossen werden. Das 1997 abgeschlossene Kyoto-Protokoll zur Umsetzung der UN-Klimarahmenkonvention war ein Meilenstein für den internationalen Klimaschutz, jedoch auf die Reduktion der Treibhausgasemissionen in den Industrieländern begrenzt. Und dessen praktische Umsetzung gestaltete sich divers. Einige Länder wie die USA oder Kanada ratifizierten das Protokoll erst gar nicht oder erklärten zwischenzeitlich ihren Ausstieg.

Im Vorfeld des Klimagipfels in Paris mehren sich jedoch die Anzeichen für einen bevorstehenden Wandel. Nie zuvor gab es ein so breites Bündnis aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaftsvertretern, die sich für ein ambitioniertes Klimaschutzabkommen einsetzen. Diese letzte Chance gilt es zu nutzen! Denn das neue weltweite Klimaabkommen muss jetzt vereinbart werden und sich an alle Staaten richten, wenn das 2-Grad-Limit der Erderwärmung noch erreicht werden soll. Die Industrieländer müssen dabei als Hauptverursacher der Treibhausgasemissionen weiterhin mit gutem Beispiel vorangehen. Ein starkes politisches Signal ging vom G7-Gipfel in Elmau letzte Woche aus. Dort haben sich die G7-Staaten erneut zum 2-Grad-Limit bekannt und sich erstmals klar für einen langfristigen Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung und zum Übergang in eine kohlenstoffarme Weltwirtschaft im Laufe dieses Jahrhunderts ausgesprochen.

Dennoch ist der Weg zum Abschluss eines weltweiten Klimaabkommens noch weit: mangelnde Kompromissbereitschaft, fehlende Sanktionsmöglichkeiten, die bisher unzureichend geklärte Frage der Klimafinanzierung sowie die Sorge um die eigene wirtschaftliche Wettbe-werbsfähigkeit stellen bedeutsame Hindernisse dar.

Zudem ist zu beobachten, dass sich in vielen Ländern ausgerechnet konservative Kräfte einem verbindlichen und ambitionierten Abkommen in den Weg stellen. Dabei sollte gerade der Klimaschutz aufgrund seines langfristigen und bewahrenden Charakters ein genuin konserva-tiv-christliches Anliegen sei.

Wenn Papst Franziskus in Kürze seine Umwelt-Enzyklika veröffentlichen wird, dann sendet er eine klare politische Botschaft an die Staatengemeinschaft im Vorfeld der Weltklimakonferenz. Zugleich wird er die Kirche selbst noch stärker in die Verantwortung nehmen, in ihren eigenen Strukturen vorbildlich zu handeln und ihre Schöpfungsverantwortung konkret wahrzunehmen. Die derzeitige Aktion „Geht Doch! Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ der beiden großen Kirchen in Deutschland, an dem auch das ZdK beteiligt ist, zeigt ex-emplarisch: Als Christinnen und Christen haben wir eine besondere Verantwortung für den Klimaschutz und wir gehen mit gutem Beispiel voran.

Denn zur Rettung des Klimas sind alle aufgerufen. Nicht nur die internationale Staatengemeinschaft muss Resultate liefern – jeder Mensch kann und sollte sich mit einem nachhaltigeren Lebensstil an einem aktiven Klimaschutz beteiligen. Denn die Bekämpfung des Klimawandels ist längst nicht mehr nur ein Thema für diejenigen, die „ein bisschen die Welt verbessern“ möchten. Der Klimawandel betrifft uns alle – konkret und jetzt. Und genau daran muss sich das Handeln jedes Individuums, jeder Institution und aller Staaten ausrichten.

Die Autorin ist Geschäftsführerin der Sachbereiche „Wirtschaft und Soziales“ und „Nachhaltige Entwicklung und globale Verantwortung“ des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

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