Kolumne: Ethische Geldanlage: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Von Jutta Hinrichs
Foto: KNA | Jutta Hinrichs.
Foto: KNA | Jutta Hinrichs.

Geld nach ethischen Kriterien anlegen – für die einen selbstverständlich, für andere noch nicht im Blickfeld. Doch spätestens seit der Finanzmarktkrise ist jeder von uns aufgerufen, sich über ethische Geldanlagen zu informieren – schließlich sind wir als Konsumenten, Sparer, Arbeitnehmer oder Arbeitgeber alle Teilnehmer des Wirtschaftsgeschehens und damit mitverantwortlich für das, was mit unserem Geld passiert. Dem Thema der ethischen Geldanlage wurde bis vor wenigen Jahren kaum Beachtung geschenkt. Es war auf dem Finanzmarkt ein Nischenthema, eine Anlageform für „Gutmenschen“. Viele private wie auch institutionelle Geldanleger (hierzu zählen neben Fonds auch kirchliche Anleger: Pfarrgemeinden, Diözesen, Verbände, Orden, Werke) hegten – und pflegten – gegenüber diesen ethischen Anlageformen gewisse Vorbehalte: „Mein kleiner Anlagebetrag kann doch eh nichts verändern!“ oder „Ethik und Rendite schließen sich gegenseitig aus!“. Zum Glück sind wir heute in der Diskussion um ethische Geldanlagen weiter und diese Vorbehalte haben keinen Bestand mehr.

Menschen fragen heute immer eindringlicher nach den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen ihrer Geldanlage. Gerade für Christinnen und Christen bietet eine ethische Geldanlage die Chance, Geld „sauber“ anzulegen und somit Gutes zu bewirken und Schlechtes zu vermeiden. Jeder Einzelne kann auch mit kleinen Summen etwas bewirken. Gebündelt (zum Beispiel in einem Fonds) ergeben sie ein großes Potenzial. In Zeiten der Finanzmarktkrise bekam das Thema eine neue Aktualität. Ethische Geldanlagen sind bei privaten Anlegern gefragter denn je. Die Kirche als institutioneller Anleger mit „doppeltem Gewicht“ – finanziell und moralisch – sollte sich nicht die Chance entgehen lassen, hier noch stärker eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Inzwischen ist es eindeutig nachgewiesen: Ethik und Rendite schließen sich nicht gegenseitig aus. Im Gegenteil: Ethik als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie kann zu höheren Unternehmenswerten und damit zu einer höheren Rendite führen. Die Unternehmen bemühen sich zunehmend darum, den Ansprüchen sozialverantwortlicher Investoren und Konsumenten zu genügen. Doch Vorsicht: Nicht jedes „Lockvogelangebot“ erfüllt anspruchsvolle ethische Standards. Zur Überprüfung hilft eine Orientierung an den drei Oberzielen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, konkretisiert anhand von sogenannten Positiv- und Negativkriterien. Nachzulesen sind diese Kriterien zum Beispiel in einer Handreichung des ZdK.

Besondere Möglichkeiten zur Einflussnahme auf die Unternehmenspolitik bietet der „aktive Wertpapierbesitz“. Private wie auch kirchliche Anleger können hier Verantwortung für das übernehmen, was mit ihrem investierten Wertpapiervermögen – also beispielsweise Aktienanteile an einem Unternehmen – geschieht. „Aktive“ Aktionäre bringen ihre ethischen Anliegen im direkten Gespräch mit der Unternehmensleitung oder bei der Hauptversammlung ein und wirken somit auf Veränderungen hin. Auch eine Studie der Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ der Deutschen Bischofskonferenz bestätigt dies: Ein Einfluss auf Unternehmen ist nur möglich, wenn das Investment mit „Engagement“ kombiniert wird.

Für kirchliche Anleger ist die Kombination aus ethischer Geldanlage und aktivem Engagement besonders interessant. Um aber genau in diesem Bereich noch wirkungsvoller agieren zu können, sollte die Idee einer Bündelung der Stimmrechte kirchlicher Anleger nochmals bedacht werden. Die katholische Kirche in Deutschland hätte hier die Chance, den Kapitalmarkt nach ethischen Kriterien mitzugestalten. Ethische Geldanlage und Kräftebündelung – wenn nicht jetzt, wann dann?

Jutta Hinrichs, Referat Wirtschaft und Soziales, Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Bonn.

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