Kolumne: Beste Waffe gegen Armut

Von Professor Friederike Welter

Papst Franziskus hat mit seinem 184 Seiten starken Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ Ende November vergangenen Jahres in der Wirtschaftswelt für Aufregung gesorgt: Darin hatte er nicht nur zum Ausdruck gebracht, dass er „Ideologien, die die absolute Autonomie der Märkte und Finanzspekulation verteidigen“ verabscheut, sondern auch, dass er „Theorien, die davon ausgehen, dass jedes vom freien Markt begünstigte Wirtschaftswachstum von sich aus eine größere Gleichheit und soziale Einbindung in der Welt hervorruft“, für falsch hält. Sein Blick ist dabei stets auf die Bekämpfung der Armut gerichtet.

In Deutschland wird Unternehmertum explizit als die „Triebfeder einer dynamischen Wirtschaftsentwicklung“ angesehen. Den Grund hierfür hat bereits Mitte der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts der ehemalige Wirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler Ludwig Erhart formuliert: „Ich kann den Mittelstand nicht anders verstehen – und nur auf dieser Grundlage bekenne ich mich zum Mittelstand –, als dass er diejenige Schicht von Menschen umfasst und umfassen will, die aus eigener Verantwortung und jeder für sich selbst kraft eigener Leistung seine Existenz sicherzustellen bereit ist.“ Dies ist einer der Gründe, warum hierzulande sowohl der mittelständischen Wirtschaft als auch Existenzgründern seitens der Politik große Aufmerksamkeit zukommt.

Doch auch international ist inzwischen anerkannt, dass die beste Waffe gegen Armut ein nachhaltiges Umfeld für Existenzgründer ist. Aus diesem Grund widmete sich im vergangenen Juni in New York erstmals eine UN-Debatte der Frage, wie das Unternehmertum nicht nur weltweit, sondern besonders in den Staaten der sogenannten „Dritten Welt“ gefördert werden kann.

Konsens bestand über den Ansatzpunkt, schon früh in Schule und Elternhaus bestimmte Kompetenzen zu fördern, die auch verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln auszeichnen. Dabei geht es nicht explizit darum, die Schüler für die Gründungen eigener Existenzen zu sensibilisieren. Vielmehr geht es um Fähigkeiten und Eigenschaften, die per se für jeden Menschen wichtig sind – wie zum Beispiel, sich selbst Ziele zu setzen sowie durch eigenes Handeln und aus Fehlern zu lernen.

Dieses Ziel kann zum einen durch mehrdimensionales Lernen und Denken in komplexen Zusammenhängen gefördert werden. Zum anderen ist es aber auch wichtig, dass die Kreativität in allen Bildungsabschnitten gewollt und eingefordert wird. Ein wesentliches Merkmal des Unternehmertums ist schließlich, dass die Entrepreneur – wie sie gerne auch genannt werden – zu allen Zeiten gerade durch ihre Unangepasstheit die Gesellschaft vorangebracht haben.

Nachhaltiges Unternehmertum bedeutet, sich die Zukunft zu eigen zu machen – und mitzugestalten. Nachhaltiges Unternehmertum bedeutet aber auch, Verantwortung für die Folgen des eigenen unternehmerischen Handelns zu übernehmen. Wer dies als Kind gelernt hat und durch sein soziales Umfeld immer wieder auch dazu ermutigt wurde, der wird für sich selbst – und im besten Fall gleichfalls für andere – Neues schaffen. Und genau das dürfte letztlich auch im Sinne von Papst Franziskus sein.

Die Autorin ist Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. Zugleich hat sie den Lehrstuhl für BWL, insbesondere Management von kleinen und mittleren Unternehmen und Entrepreneurship, an der Universität Siegen inne.

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