In Amerika ist fast alles zu haben

Produkte mit religiösen Bezügen sind jenseits des Atlantiks sehr gefragt, bis hin zum „Ave Maria“

Miami (DT) Rettung kommt in vielen Formen – manchmal abgepackt in eine Plastikflasche. Das jedenfalls wollen mehrere geschäftstüchtige Unternehmer in den Vereinigten Staaten ihren Kunden weißmachen. Das ausgehende Jahr rückte das Thema Religion nicht nur wegen religionsgetränkter Werbebotschaften der Kandidaten für die US-Präsidentschaft ins Rampenlicht der amerikanischen Medien. Im kommerziellen Land der unbegrenzten Möglichkeiten versprechen auch Produkte mit religiösen Bildern und die Seele massierenden Slogans gute Gewinne.

„Geistiges Wasser“ findet reißenden Absatz

„Spiritual Water“, geistiges Wasser, fand jüngst auf der Lebensmittelmesse in Miami reißenden Absatz. 10 000 Flaschen verteilte das Mutterunternehmen Spiritual Brands. Die Plastikflaschen mit religiösen Abbildungen und Gebeten waren nach Einschätzung von Experten der Lebensmittelindustrie „die beste Idee der ganzen Messe“. Einige Besucher lobten den findigen Unternehmer gar als „das Genie des Jahrhunderts“.

„Wir hatten Leute, die Abfülllizenzen für andere Länder und andere Religionen wollten“, verrät der Gründer von Spiritual Brands, Elicko Taieb. Mit seinem Produkt will er „positives Denken“ in der Gesellschaft fördern. Angesichts der Nachfrage überlegt der geniale Erfinder, weitere Produktlinien für Muslime, Juden, Buddhisten, Hindus und andere Glaubensrichtungen auf den Markt zu bringen.

Der Erfolg von Spiritual Water erklärt sich auch aus dem Umstand, dass Religion und vor allem Evangelikale im Aufwind sind. Gerade in Regionen mit hohem Latinoanteil in der Bevölkerung wie Florida oder Kalifornien lassen sich religiöse Motive, vor allem die Jungfrau von Guadalupe, gut vermarkten. Das Abbild Mariens und das „Gegrüßet seist du Maria“ in Englisch und Spanisch kommt bei gläubigen Latinos gut an.

Heiliges Wasser, das der hektischen Generation der Erfolgsmenschen von heute Beruhigung und neue Energien verspricht, füllt eine Marktlücke. Wayne Enterprises vertreibt seit neun Monaten im Bundesstaat Kalifornien erfolgreich „Holy Drinking Water“. Das abgefüllte Trinkwasser ist nicht nur gesund, sondern es macht den Konsumenten auch zu einem „guten Menschen“. Wie der Rosenkranz oder ein Kreuz erinnere die Wasserflasche täglich daran, gute Werke zu vollbringen, argumentiert das Unternehmen. Wie die Konkurrentin in Florida verspricht die Firma, einen Teil des Gewinns für karitative Zwecke abzuführen.

Ungeachtet der Wellen, die die Wasserabfüller in der Industrie schlugen, herrscht nicht eitel Wonne. Die Franziskanerschwester Mary Zibres aus Little Falls in Minnesota hat eine Gegenkampagne gestartet. Sie kritisiert, das Trinkwasser mit seinen religiösen Motiven sei weder ethisch verantwortlich noch umweltfreundlich. „Wasser ist Leben und sollte nicht ein verkäufliches Gut sein“, so die Franziskanerin.

Unerwartete Schützenhilfe bekommen die Ordensfrauen von der Nationalen Evangelikalenvereinigung. Abgefülltes Wasser sei zwar keine Sünde, doch geben die Evangelikalen zu bedenken, dass angesichts von Milliarden von Menschen weltweit, die keinen Zugang zu Trinkwasser hätten, Wasserflaschen ein Luxus seien. Elicko Taieb kontert kühl: Für manche bedeute Wasser Leben, für andere dagegen Lebensunterhalt, meint er.

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