EZB: Kein Deflation, aber wir machen uns Gedanken

Frankfurt/Main (DT/dpa) Europas Währungshüter wollen sich notfalls mit allen Mitteln gegen eine anhaltend niedrige Inflation stemmen. „Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen“, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Donnerstag in Frankfurt. Draghi betonte, der EZB-Rat sehe trotz der zuletzt extrem niedrigen Teuerungsrate im Euroraum von 0,5 Prozent im März derzeit weiterhin nicht die Gefahr einer Deflation – also einem Preisverfall auf breiter Front, der die Konjunktur abwürgen könnte. „Das heißt nicht, dass sich der EZB-Rat keine Gedanken machen muss“, sagte Draghi. Je länger die Phase niedriger Preissteigerung anhalte, umso größer sei die Gefahr, dass Unternehmen und Verbraucher in Erwartung noch weiter sinkender Preise Anschaffungen aufschöben (siehe DT vom 3. April). „Wenn nötig, können wir schnell handeln“, betonte Draghi. Unmittelbar bevor steht ein Schritt der Notenbank offensichtlich aber nicht. Noch sind die Inflationsrisiken aus Sicht der EZB ausgewogen. Allerdings dürfte sich die Inflation erst Ende 2016 wieder an ihre Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent annähern. Sollte der Preisauftrieb sich nicht bald beschleunigen, könnte die Notenbank zum Beispiel mit einem großangelegten Kauf von Anleihen aller Eurostaaten reagieren. Unter anderem über ein solches Programm wurde nach Draghis Angaben im EZB-Rat intensiv diskutiert.

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