Köln

Erfolg durch Werte

Die Kölner Strategieberatung „Valoress“ begleitet Unternehmen bei der Analyse und der Lösung von unternehmerischen Herausforderungen.

Valoress
Die Strategieberatung Valoress stellt Unternehmenskultur ins Zentrum. Geschäftsführer Benedikt Conin (r.), Maximilian Sigl (l.), Junior Consultant, machen die Erfahrung, dass ganz unterschiedliche Branchen eine solche Beratung in Anspruch nehmen wollen. Foto: Valoress

Was ist der Sinn einer Unternehmung? Das klärt die Strategieberatung „Valoress“ seit 15 Jahren mit Unternehmen: „Was ist dein Kern, für welche Werte trittst du ein, auf deren Basis du dich neu positionieren möchtest“, führt Mitbegründer Benedikt Conin gegenüber der „Tagespost“ aus. Der Betriebswirtschaftler war mit dem Theologen Hubertus Zilkens und Dieter Zeibik aus der Werbebranche ihrer Zeit voraus, als sie das Unternehmen gründeten. „Damals haben wir gespürt, dass Kultur und Werte verloren gingen“, erinnert sich Conin. „Es wurde alles immer größer, aber nicht gut genug. Am Ende musste man auf den Mond fliegen, um etwas Neues zu schaffen.“ Aber dadurch seien die Inhalte verlorengegangen. Conin, Zilkens und Zeibik wollten eine Beratungsdienstleistung schaffen, um Unternehmen zu helfen, aus ihrer Identität heraus ihre Ziele zu bestimmen.

Die Frage nach dem Gemeinwohl wird zentral

Heute ist die Frage nach dem Sinn einer Unternehmung, im Management-Sprachgebrauch „purpose“, in aller Munde. Die Welt ist immer kleiner, aber unübersichtlicher geworden, nicht zuletzt durch die zweischneidige Digitalisierung.

Heute wollen sich alle orientieren: Kunden, Unternehmen, Arbeitnehmer. Insofern erfordert schon der Markt von Unternehmen, die Frage nach dem Sinn einer Unternehmung auch im Hinblick auf das Gemeinwohl zu beantworten. Valoress erarbeitet mit Unternehmen und Konzernen daher zunächst die Frage: „Was ist dein Kern, für welche Werte stehst du ein“, so Geschäftsführer Conin; auf dieser Basis werde dann eine Neupositionierung möglich.

Schon der Name Valoress will das Profil der Strategieberatung ausdrücken: „valor“, der Wert, und „success“, Erfolg. Anfangs sei man damit auf Scheu gestoßen, aber Valoress ist keine Konzeptberatung, die Unternehmensethik „zur moraltheologischen Bekehrung“ verkaufen wolle, so Conin, sondern als Prozessberatung von der Marke eines Unternehmens die Frage nach dem Standort stellt. Die strategische Markenführung fragt somit zunächst: „Wofür steht ein Unternehmen, und was macht es wirklich aus? Wo wollt ihr euch positionieren?“, erklärt Conin. So hat Valoress in den letzten Jahren angefangen, vom Fussballclub 1. FC Köln über Peek&Cloppenburg bis hin zu BASF, Post und der Versicherungsbranche, Tranformationsprozesse zu begleiten.

Kultur frisst Strategie

Ansatzpunkt von Valoress sei es, das Verständnis der Mitarbeiter zu gewinnen. Es gehe dabei um Internalisierngsprozesse: „Kennen, Verstehen, Anwenden“. Denn die großen Strategien, die Vorstände von Unternehmungen entwürfen, scheiterten häufig schon an der Unternehmenskultur, so Conin. Peter Drucker, der Pionier der modernen Managementlehre habe erkannt: Kultur frisst die Strategie zum Frühstück.

Da die Welt klein geworden sei, könne man sich auch nicht mehr schlecht benehmen. Wahrhaftigkeit und Authentizität seien daher zentral und Tugenden wie Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß wieder gefragt: „Was außen dran-steht, muss nach innen gelebt werden, das ist die hohe Kunst. Das Selbstbild muss kongruent zur Außendarstellung passen.“

Conin berichtet, dass viele Marketingideen scheiterten, da Unternehmen Werbeagenturen ein Markenleitbild vorgäben, das aber nach Innen mitnichten gelebt werde. Da gelte der Satz: „Mehr Schein als Sein“.

Gemeinsam den Teig kneten

Valoress setzt daher in der Beratung sehr grundsätzlich an: „Wir kneten gemeinsam den Teig“, wie Benedikt Conin den Ansatz ins Bild setzt. So frage er Unternehmer beispielsweise: „,Stell Dir vor, Du sitzt in Deiner Dorfkneipe, und die Leute unterhalten sich über dich: Was glaubst du, was erzählen sie über dich?‘ ,Der ist immer so brummelig, der bezahlt seine Mitarbeiter schlecht‘.“

Es gehe um einen Transfer und die Frage, „ … aber wer bist du selbst, wo willst du hin, da brechen wir schon viel auf. Wir definieren mit den Unternehmern dann Werte: Was bedeutet das für dich, dein Team, deine Unternehmung.“ Interventionen müssten entwickelt werden, indem man sich selbst hinterfrage.

Dabei kämen dann auch die Kardinaltugenden ins Spiel, die sich als aktueller denn je bewiesen, zumal sie – zusammen mit den theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe – den sieben Todsünden gegenüberstünden, die sich natürlich auch in der Wirtschaft überall aufspüren ließen, wie Neid, Gier oder Wollust. Conin beobachtet aber auch, dass Tugenden wie die Belehrbarkeit eine immer stärkere Rolle spielten, beispielsweise im Herangehen von Start-ups. Conin erinnert sich auch an einen Vorstand eines Versicherungskonzerns, der sich den Freitag zur Weiterbildung freihalte. Er nannte es „Off topic Friday“. Das habe zwar vordergründig nichts mit seiner Versicherung zu tun, aber es träfe im Kern die Notwendigkeit ,docilitas‘, die der Klugheit beigeordnet wird, um Führen zu können.

Digitalisierung wird zunehmend als Problem erkannt

Maximilian Sigl, seit September 2019 Junior Consultant bei „Valoress“, merkt im Gespräch an, dass das Implementieren eines klaren Wertfundaments auch angesichts der Herausforderungen der Digitalisierung in den Fokus rücke: „Nicht nur technische Umsetzung von Prozessen ist heute in Unternehmen wichtig, sondern auch die menschliche Dimension.“ Auch für Conin hat die Digitalisierung neben vielen positiven auch negative Facetten, die zunehmend Unternehmen Sorge bereiteten. „Von den Kindern angefangen, das sehen wir heute schon, bringt das große Probleme mit sich.“

„Nicht nur technische Umsetzung von Prozessen ist heute in Unternehmen wichtig, sondern auch die menschliche Dimension.“ Maximilian Sigl

Unternehmen beschäftigen sich also nicht mehr nur mit sich selbst. Die Frage, welche Rolle habe ich in der Gesellschaft und was kann ich tun, gewänne an Bedeutung. Vor allem Nachhaltigkeit würde zu einem großen Thema, berichtet Conin. Das Thema treibe die Leute um, da es von außen herangetragen werde, es beispielsweise auch Arbeitnehmer einfordern.

Back up der Tugendethik

Bei einer Versicherung bedeutete das zum Beispiel, den eigenen Zweck wieder zu ergründen: Was tun wir und warum. Hier sei es der Schutz von Werten. Man ist eine Gemeinschaft, die sich zusammentut, um zusammenzustehen, wenn einer Schaden nimmt, führt Conin aus. Das sei ein Gemeinschaftsgedanke, der vielleicht auch der Nächstenliebe entspringt. Mit dem „Back up der Tugendethik“ soll in der Strategieberatung von Valoress wieder das vom Evangelium durchsäuerte christliche Fundament der Sozialen Marktwirtschaft auftauchen.

Sigl ist sich sicher, dass angesichts der einzigen Konstante in der Geschichte, der Veränderung, es dieses Orientierungsinstrument brauche, besonders in wilden Zeiten wie diesen.

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