„Ein großes Geschenk an alle Menschen guten Willens“

Weiter viel Lob für neue Sozialenzyklika – Vertreter aus Politik und Kirche würdigen das Lehrschreiben des Pontifex

Würzburg (DT/KNA) Das positive Echo auf die erste Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. hält an. Im Lauf der Woche gab es in Deutschland aus Politik und Wirtschaft weiter viel Zustimmung zu dem Schreiben „Caritas in veritate“, das am Dienstag im Vatikan vorgestellt worden war. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) würdigte das Sozialschreiben des Papstes als Orientierungshilfe für die Politik. „Diese Enzyklika ist eine Unterstützung für alle, die sich weltweit um eine soziale Marktwirtschaft bemühen“, sagte Scholz. Der Papst verwerfe marktradikale Tendenzen „mit großer moralischer Verve“ und spreche sich für umfassende soziale Regeln aus. Die Botschaft des Papstes sei klar, so Scholz: „Wir brauchen einen echten Neustart unserer sozialen Marktwirtschaft.“ Als besonders wichtig bezeichnete der Minister, dass sich der Papst mit Nachdruck „für gerechte Entlohnung, für würdevolle Arbeit, für starke Gewerkschaften und für umfassenden sozialen Schutz“ ausspreche.

Die Grünen erklärten, der Papst verdiene für die Enzyklika grundsätzlich Beifall. Die Forderungen nach sozialverträglicher Entwicklung, Klimaschutz und der UN-Entwicklungsziele seien positiv zu bewerten, erklärten der kirchenpolitische Sprecher Josef Winkler und der Entwicklungsexperte Thilo Hoppe. Dies gelte auch vor dem Hintergrund, dass die Grünen angesichts Aids und steigender Weltbevölkerung die Haltung des Papstes zur Empfängnisverhütung nicht teilten. Bereits am Dienstagabend hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Schreiben als Ermutigung bezeichnet, für eine sozial verantwortliche Welt einzutreten. Die Enzyklika bestärke zudem die Notwendigkeit der Entwicklungshilfe für die Ärmsten in der Welt.

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sagte, der Aufbau weise den Text als „entwicklungspolitische Enzyklika“ aus, die entscheidend zur Globalisierungs- und Gerechtigkeitsdebatte beitrage. Der Papst rede vor allem denen ins Gewissen, die meinten, die Solidarität mit den Armen vernachlässigen zu können. Auch für die Arbeit kirchlicher Hilfswerke in Deutschland seien die Aussagen des Papstes wertvoll, betonte der Präsident von missio München, Eric Englert. Mit dem ganzheitlichen Verständnis von menschlicher Entwicklung zeige das Schreiben, dass Evangelisierung und Entwicklung untrennbar miteinander verbunden seien. Nach Ansicht des Dachverbands katholischer Entwicklungsorganisationen CIDSE sendet die Enzyklika ein starkes Signal, dass Wirtschaft nicht frei sein sollte von Moral und politischen Rahmenbedingungen. Als weitsichtigen Maßstab für die Zukunft bezeichnete das Kolpingwerk Deutschland das Dokument. Der katholische Sozialverband hob vor allem die Verbindung von sozialethischen und bioethischen Herausforderungen hervor. Der katholische Sozialethiker Friedhelm Hengsbach hingegen hält die Forderung des Papstes nach einer weltweiten Steuerungsinstanz für überholt. „Das trifft nicht mehr den aktuellen Stand der internationalen Debatte“, sagte Hengsbach. Der Papst biete keine konkreten Lösungen für die aktuellen Schwierigkeiten der Finanzmärkte.

Auch zahlreiche Bischöfe würdigten das Lehrschreiben des Papstes. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sieht die kirchlichen Hilfswerke durch die Sozialenzyklika des Papstes gestärkt. Benedikt XVI. betrachte die Globalisierung positiv, erklärte Schick. Sie müsse aber von Wahrheit und Liebe durchdrungen sein. Kirchliche Hilfswerke, aber auch Eine-Welt-Gruppen in den Pfarreien, leisteten seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag gegen Hunger, Armut und Krankheit in der Welt. Mit ihrem Einsatz für ganzheitliche Bildung, Gesundheitsfürsorge und die Bewahrung kultureller Identität setzten sie wichtige Anliegen des Papstes um. Schick leitet die Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. „Die Enzyklika prangert aber auch Fehlentwicklungen an, die die Kommission Weltkirche mit großer Besorgnis sieht“, so der Erzbischof weiter. Dazu zähle vor allem der religiöse Fundamentalismus.

Als ein „großes Geschenk an alle Menschen guten Willens“ würdigte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen die Sozialenzyklika Papst Benedikts. Sie analysiere von einer tief fundierten Werteorientierung her die Warnsignale der Zeit und schenke Kriterien, um global die Bedingung der Möglichkeit zu Gerechtigkeit und Frieden zu finden, so der Bischof. In seiner Stellungnahme zu der Enzyklika betont Algermissen, wie bald die Menschen an die Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit stießen, wenn sie nur noch den Interessen des Marktes folgten, erkenne man in diesen Tagen im Kontext der Weltwirtschaftskrise, „die uns mit Wucht getroffen hat und weiter treffen wird“. Das System des Brutalkapitalismus stehe vor dem Kollaps. Die Einsicht wachse, dass bald am Ende sei, wer seinen Lebenssinn allein auf Geld, Profitmaximierung und Genießen setze.

Nach Ansicht des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst kam die Enzyklika genau zum richtigen Zeitpunkt. Auch am Finanzmarkt in Frankfurt sei die Gefahr spürbar, im Vertrauen auf die Selbstregulierungskräfte der Märkte bereits das Ende der Krise auszurufen und „zur Tagesordnung überzugehen“, sagte Tebartz-van Elst. Dagegen liefere das Lehrschreiben des Papstes entscheidende Anregungen für eine gerechtere Gestaltung der Wirtschaftssysteme und der internationalen Zusammenarbeit.

Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann nannte die Enzyklika „hochaktuell.“ Sie lenke den Blick auf die Zeichen der Zeit. Der Papst trete als Anwalt einer ganzheitlichen Entwicklung der Menschheit auf, die von Gerechtigkeit und dem Blick auf das Gemeinwohl geleitet werde. Nur mit Gott als Grundlage sei eine echte ganzheitliche Humanität möglich. Das Schreiben des Papstes sei eine herausragende Wegweisung in die Zukunft der Menschheit und ein flammender Appell an die Weltgemeinschaft.

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