KIrchenbank

Richard Böger: Ein anderer Banker

Christen in der Wirtschaft – Teil 4: Richard Böger, Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Caritas. Er lehnt die „Schwarze Null“ ab und fordert eine Erhöhung der Unternehmenssteuer.
Die Zentrale der Bank für Kirche und Caritas in Paderborn.
Foto: BKC | Die Zentrale der Bank für Kirche und Caritas in Paderborn.

Durch höhere Unternehmenssteuern und die Einführung einer Vermögenssteuer können wir es schaffen, dass die Reichen, die Superreichen und auch die Unternehmer einen höheren Beitrag zur gerechteren Verteilung des gesellschaftlichen Wohlstands beitragen.“ Auf den ersten Blick Forderungen, die man von einem Bankvorstand so nicht erwarten würde. Doch Richard Böger, der Vorstandsvorsitzende der von Paderborn aus bundesweit agierenden Bank für Kirche und Caritas (BKC) hat klare Erwartungen an die Politik. Der 62-Jährige wünscht sich mehr Gerechtigkeit und beklagt eine zunehmende ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen in Deutschland: „Dieser Trend, dass die großen Vermögen immer weiter wachsen, ist nach wie vor ungebrochen. Hier brauchen wir ein Korrektiv.“

Der promovierte Volkswirt versteht nicht, dass die CDU als christliche Partei die Forderung nach einer stärkeren Umverteilung nicht auf ihrer Agenda hat. Den permanenten Ruf nach der „Schwarzen Null“ und deren Festschreibung im Grundgesetz hält Böger „makroökonomisch für einen großen Unsinn, der abgeschafft gehört“. Die vielen Aufgaben, die der Staat zu bewältigen habe, ließen sich nur durch hohe Neuverschuldung für Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Forschung lösen.

Ungenutzte Ersparnisse auf Bankkonten

Die hierfür erforderlichen Ersparnisse lägen aktuell ungenutzt auf den Bankkonten der Bürger. Der Bankchef hält dabei eine Neuverschuldung in Höhe von zwei bis drei Prozent des Sozialprodukts für sinnvoll und problemlos tragbar.

Auch den Ruf nach einer steuerlichen Entlastung für Unternehmen kann Böger nicht nachvollziehen. „Dort, wo die Gewinne höher sind als die Investitionen, ist sogar noch Spielraum, die Steuerlast zu erhöhen. Wenn die Unternehmenssteuern wieder auf 50 Prozent angehoben werden, bei gleichzeitiger Erhöhung der degressiven Abschreibung, lässt sich das Investitionsklima verbessern.“ Dazu sei es zunächst erforderlich, weltweit die Steuerschlupflöcher zu stopfen. Der Vorstoß von US-Präsident Biden zur Erhebung einer Mindeststeuer sei hier sicherlich ein guter erster Schritt.

Böger ist inzwischen seit mehr als 23 Jahren in Leitungsfunktionen bei der BKC tätig. „In dieser Zeit hat sich im Bankwesen beinahe alles verändert“, beschreibt er. Das gilt auf der einen Seite für die Struktur der Bank, die, als er dort startete, 45 Mitarbeiter hatte. Jetzt sind es 140. Das sei ein Beleg für das steile Wachstum, das die Bank in den letzten Jahrzehnten hingelegt habe. „Uns ist es gelungen, innerhalb unserer Nische, der kirchlich-caritativen Einrichtungen, der Bistümer und des gesamten katholischen Sektors bundesweit viele neue Kunden zu gewinnen“, freut sich Böger.

Bundesweit agierende Kirchenbank

Die Zentrale der Bank für Kirche und Caritas in Paderborn.

Die starke Zunahme der Aufgaben der Caritas habe dabei eine Rolle gespielt. Zusätzlich wachse das Vermögen der Kirche, obgleich die Anzahl der Gläubigen abnehme. Insoweit befinde man sich weiterhin in einer guten Marktsituation. „Als ich hierher kam, waren wir im Wesentlichen eine Paderborner Bank, die das Erzbistum und deren Kirchengemeinden betreut hat, heute sind wir eine überregionale, bundesweit tätige Kirchenbank.“ Zu dieser positiven Entwicklung hat beigetragen, dass die BKC immer eine Direktbank, ohne eigenes Filialsystem war. Das führt dazu, dass der Personalaufwand einer solchen Bank erheblich geringer ist.

„Dennoch sind unsere Berater natürlich ständig mit unseren Kunden im Gespräch, egal, ob sie sie direkt, in München, Stuttgart oder Freiburg aufsuchen, oder in Pandemiezeiten eben viele Kontakte über Videokonferenzen laufen“, ergänzt Böger. Das kostenintensive Privatkundengeschäft macht bei der BKC im Vergleich mit anderen Banken nur einen geringen Teil aus. Der überwiegende Kundenstamm rekrutiert sich aus Unternehmen und Einrichtungen aus dem kirchlichen oder caritativen Sektor. Auch das ist ein Vorteil auf der Kostenseite.

Welttanschauliche Nähe

Lesen Sie auch:

Ein zentraler Grund für den Erfolg ist nach der Auffassung von Richard Böger der Umstand, dass Bank und Kunden aus dem gleichen weltanschaulichen Umfeld kämen und das zu einer wirklichen Nähe im Umgang miteinander führe. Für ihn ist wichtig, dass sich wesentliche Elemente der Christlichen Soziallehre im Alltag seiner Bank und im Umgang mit den Kunden widerspiegeln. Ein großes Thema ist dabei die Nachhaltigkeit. „Wir können unser Geld nicht überall anlegen, sondern berücksichtigen ethische Prinzipien. Dieses Denken setzt sich im Finanzwesen inzwischen in vielen Bereichen durch. Wir haben allerdings aus unserer christlichen Verantwortung heraus schon vor 20 Jahren damit begonnen.“ Darüber hinaus ist es ihm wichtig, dass Bank und Kunde nicht als Gegensatz betrachtet werden, sondern dass ein Zusammenwirken zwischen beiden im Mittelpunkt steht.

Viele der Kunden sind gleichzeitig Mitglieder und damit Eigentümer der Genossenschaftsbank, so dass gemeinsame Interessen bestehen. Böger freut sich, dass das gemeinsame Denken und Handeln in der Praxis gut funktioniert. Wichtig sei dabei, dass seine Mitarbeiter keine Zielvorgaben dahingehend hätten, bestimmte Wertpapiere oder Kredite zu verkaufen. Diese Herangehensweise habe sich hervorragend bewährt. „Und am Ende fühlen sich die Kunden bei uns gut beraten, weil sie wissen, dass wir einen hohen Wert darauf legen, dass sie am Ende wirtschaftlich gut dastehen, ohne eigene Verkaufsinteressen in den Vordergrund zu stellen. Ohne Vertrauen läuft im Bankgeschäft gar nichts.“

Guter Umgang mit Mitarbeitern

Ebenso ist der Umgang mit den Mitarbeitern für Böger in einem christlich geprägten Unternehmen etwas ganz Besonderes. „Wir sind in einem Umfeld tätig, in dem ein gutes Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Dienstgebern immer schon prägend war. Und wir als Bank handeln selbstverständlich auch nach dem Personalitätsprinzip der Christlichen Soziallehre.“ Das zeige sich in sicheren Arbeitsplätzen, vernünftigen Sozialleistungen und einem nicht so hohen Arbeitsdruck. Wichtig ist für den Bankchef, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerade bei Unternehmen mit einem christlichen Wertekanon sichergestellt wird. Ob sich eine solche „heile Welt“ auf Dauer werde halten lassen, weiß Böger natürlich nicht. Das hänge von der Ertragslage in der Zukunft ab. Ihm sei es wichtig, die Mitarbeiter respektvoll und nicht von oben herab zu behandeln, und sie bei Entscheidungen mitzunehmen.

„Es gibt kein Recht auf positive Zinsen.“ Richard Böger

Auch in der aktuelle Diskussion um die Negativzinsen vertritt Böger eine eigenwillige Position: „Es gibt in unserer Verfassung nun einmal kein Recht auf positive Zinsen. Und wenn Kapital im Überfluss angeboten ist, weil in Deutschland zu viel gespart und zu wenig Kredit aufgenommen wird, dann ist nun mal der Preis für Kapital gleich Null oder sogar negativ.“ Die EZB sei nicht die Treiberin dieser Politik, sondern eher die Getriebene, die versuchen würde, mit dieser weltweiten Ersparnisschwemme umzugehen und die Wirtschaft dennoch am Laufen zu halten. Wenn der Staat spart, die Unternehmen sparen und die privaten Haushalte, wie dies in Deutschland bis 2019 der Fall war, sei dies schädlich für die Volkswirtschaft. Deutschland habe sich letztlich durch seinen Exportüberschuss ein wenig retten können und habe die Arbeitslosigkeit nach Spanien und Italien exportiert.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Heinrich Wullhorst Abschreibungen Bankgeschäfte Bankkonten Bankvorstände CDU Caritas Europäische Zentralbank Kunden Löhne und Einkommen Negativzinsen Personalitätsprinzip Steuern und staatliche Abgaben Unternehmenssteuern Vermögende Vermögenssteuer Volkswirte Wohlstand

Kirche