Digitalisierung

Klaus Molzberger: Der Kirchenkenner mit Digital-Know-How

Christen in der Wirtschaft Teil 2: Klaus Molzberger ist Unternehmenberater und Diakon. Der promovierte Physiker hat unter anderem das Erzbistum Freiburg in Fragen der Digitalisierung beraten.
Klaus Molzberger
Foto: Privat | Klaus Molzberger betreibt auch eine eigene Homepage: www.dr-molzberger.com.

Bistümer, Orden und kirchliche Einrichtungen der Wohlfahrtspflege haben einen hohen Professionalisierungsdruck, insbesondere in Hinsicht auf Digitalisierung. Unternehmensberatungen aus der freien Wirtschaft versprechen zwar Knowhow – zugleich muss man ihnen häufig lange und breit die Kirche erklären, um dann doch nicht verstanden zu werden. Klaus Molzberger bringt beides mit: Ein Mann, der in der freien Wirtschaft seine Meriten verdient hat und dennoch die Kirche aus dem „ff“ kennt, weil er ihr nicht nur loyal verbunden ist, sondern ihr qua Amt angehört. Molzberger ist nämlich im Nebenberuf Diakon. Er ist der wirtschaftlich erfahrene Brückenbauer, der auch in den geistlichen Traditionen und institutionellen Abläufen der Kirche zuhause ist, um Änderungsprozesse und Projekte in Bistümern, Orden und anderen Einrichtungen empathisch und professionell zu begleiten.

Molzberger, der als studierter Physiker bei der Düsseldorfer Ergo-Gruppe ins Management einstieg und danach langjährig in der Beratung tätig war, legt großen Wert darauf, kirchliche Strukturen nicht mit einem kalten strukturellen Netz zu überziehen, das auf mittlere Sicht nur die Frustration der Beteiligten bewirkt. „Die Kunst ist doch“, sagt Molzberger, „jeweils die wirtschaftliche, emotionale und geistige Dimension in kirchlichen Häusern zusammenbringen. Und da hat es mir immer wieder geholfen, dass mir als Diakon Laien und Klerikern mit einem gewissen Grundvertrauen entgegenkommen. Sie wissen, dass ich weiß, wovon sie reden.“

Strategien entwickeln

Worum geht es strategisch? Gesamtwirtschaftlich artikulieren sich die Herausforderungen der Zukunft in Stichworten wie Deglobalisierung, Demographie und die Nachhaltigkeit. Die demographische Entwicklung stellt die Kirche vor die Notwendigkeit der Digitalisierung, will man nicht von der Hand in den Mund leben, sondern das Verwaltungshandeln zukunftssicher gestalten. Molzberger berät und leitet solche Digitalisierungsprojekte, wie zuletzt im Erzbistum Freiburg.

Derzeit machen in den Bistümern vor allem vier Themen die größten Probleme: die Elektronische Akte, die Verwaltungsstrukturen der größer werdenden Seelsorgeeinheiten, der Aufbau von vollständigen Adressdatenbanken und die Modernisierung der IT-Systeme in Finanzen, Personal und Verwaltung. Zugleich fragt man sich: Sind die IT-Systeme zu beherrschen? Wie sind sie zu kontrollieren? Was geben wir aus der Hand bzw. dem Aktenschrank in die digitale Verarbeitung? Hier ist Molzberger in seinem Element. Er hat jahrelange Erfahrung, wenn es darum geht, Mitarbeitern auf allen Ebenen (und gegebenenfalls auch einem Bischof) die Notwendigkeit und Vorteile von digitalisierten Vorgängen, wie eine digitalisierte Aktenführung oder ein synchronisierter Emailverkehr, aufzuzeigen. Ein weiteres Feld seiner Beratertätigkeit sind die Umstrukturierungen der Seelsorgeräume in den Pfarreien.

Entscheidungsträger unterstützen

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Molzberger sieht seine Aufgabe hier in der Unterstützung der Entscheidungsträger, die sich fragen, wie Veränderungen angegangen werden können, ohne die Leute dabei zu verbrennen. „Der Wandel kann nicht aufgehalten werden; man kann ihn höchstens aufschieben“, so Molzberger. Der Weg zu einer neuen „schlankeren“ Kirche sollte nicht in einem Bruch, sondern in einem gleitenden Übergang vollzogen werden. Im Gespräch mit der „Tagespost“ weist Molzberger darauf hin, dass die Kirchensteuereinnahmen nur noch für wenige Jahre einigermaßen berechenbar sind. „Die Dynamik ist dramatisch. Was in zehn, ja in fünf Jahren ist, wissen wir nicht“, meint Molzberger, „und das Zeitfenster wird nicht größer“.

Molzberger favorisiert überschaubare Veränderungsprozesse mit schnellen Resultaten, zum Beispiel beim Thema Nachhaltigkeit. Hier kann der Verbrauch von Ressourcen und Energie gesenkt werden – auch kurzfristig. Es sei möglich, in vielen Bereichen eines Bistums innerhalb von drei Jahren etwa 80 Prozent des Verbrauchs einzusparen – dazu brauche es keine Vision einer „Klimaneutralität 2050“. Auf diesem Weg könne auch die Regionalisierung und Dezentralisierung gestärkt werden, so dass möglichst vieles vor Ort entschieden wird und örtliche Anbieter und Lieferanten einbezogen werden.

Volkskirche vor dem Aus

Herausfordernd würden die kommenden Jahre, in der die Seelsorge neue Perspektiven entwickeln müsse. Zwar stehe (mindestens in einigen Bistümern) die Volkskirche vor dem Abschied, aber Neues sei bereits im Entstehen. Um Zeit für dafür zu haben, müssen die Seelsorger durch moderne Verwaltungsinstrumente und Digitalisierung von zu vielen Managementaufgaben entlastet werden. Die Digitalisierung der Organisationen ermöglicht Freiräume für Bistümer und Pfarreien, für Institutionen der Wohlfahrtspflege und Orden. Das wird dringend nötig sein, um mit knapperen Ressourcen die Zukunft des christlichen Glaubens in Deutschland zu gestalten. Molzberger stellt dafür seine Expertise der Kirche in Deutschland zur Verfügung.

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