Wirtschaft

Dank Ratenzahlung zum Schnäppchen? – Das müssen Verbraucher beachten!

Eine Ratenzahlung ermöglicht es, größere Anschaffungen finanziell zu stemmen. Da immer mehr Verbraucher auf diese Art des Bezahlens zurückgreifen, haben viele Händler und Unternehmen entsprechend reagiert. Die berühmt-berüchtigte „Null-Prozent-Finanzierung“ lässt sich mittlerweile in vielen Möbelhäusern, Elektromärkten oder Autohändlern vorfinden. Das Versprechen: Ohne Zinsaufschlag kann die neue Couch oder der neue Fernseher monatlich abbezahlt werden. Das hat natürlich viele Vorteile, kann unter Umständen aber auch dafür sorgen, dass aus einem vermeintlichen Schnäppchen eine zu große Finanzbelastung wird.
Taschenrechner und Stift auf einem Rechnungspapier
Foto: stevepb / Pixabay | Eine Kalkulation der Kosten sowie ein Preisvergleich geben meist Aufschluss über die Vor- und Nachteile einer Ratenzahlung.

Eine Ratenzahlung per Null-Prozent-Finanzierung kann zuweilen den Kostenfaktor eines bestimmten Produkts unnötig in die Höhe schrauben, denn im Gegensatz zu anderen bekannten Marketingaktionen wie Gratisproben, Gutscheine und Co. steckt in diesem Fall der sprichwörtliche Teufel für Verbraucher im Detail. Oft tendieren Unternehmen vereinzelnd dazu, Hintertürchen wie Versicherungen oder Zusatzleistungen einzubauen, die die abzubezahlende Summe anwachsen lassen können. Daher müssen sich Verbraucher über einige Dinge im Klaren sein, bevor sie auf eine Ratenzahlung zurückgreifen. Das gilt besonders dann, wenn über die monatlichen Raten eigentlich gespart werden soll. 

Was ist eine Null-Prozent-Finanzierung?

Viele Konsumenten nehmen fälschlicherweise an, dass die Null-Prozent-Finanzierungsangebote von Möbelhäusern und Elektrofachhändlern immer vorteilhaft seien. Das stimmt jedoch nicht unbedingt. Allgemein lässt sich diese Angebotsart weder positiv noch negativ pauschalisieren. Klar ist jedoch, Verbrauchern wird durch eine Null-Prozent-Finanzierung nichts geschenkt. Was also steckt genau dahinter?

Wer ein Produkt, über die zinslose Ratenfinanzierung erwirbt, geht ganz nüchtern einen Kreditvertrag bei einem Kreditinstitut ein, mit dem der jeweilige Händler kooperiert – meist Banken. Beim entsprechenden Darlehen handelt es sich in der Regel um einen klassischen Ratenkredit mit fester Laufzeit und Ratenhöhe. Der vermeintliche Vorteil ist hier der Wegfall der Zinsen. Dadurch bezahlt man in der Theorie nur die tatsächliche Summe des erworbenen Produkts ab.

Vor- und Nachteile im Überblick

Eine Ratenzahlung per Null-Prozent-Finanzierung ist für viele Konsument durchaus verlockend, da sich auf dem ersten Blick viele Vorteile ergeben. Wer jedoch einen zweiten Blick wagt und sich mit der Materie etwas auseinandersetzt, wird auch einige negative Aspekte des zinslosen Ratenkredits entdecken. So wird aus einem vermeintlichen Schnäppchen schnell ein Verlustgeschäft. Die konkreten Vor- und Nachteile im Überblick:

Vorteile:

  • Größere Anschaffungen sind auch bei fehlendem Eigenkapital ohne jegliche Zusatzkosten möglich.
  • Selbst bei bestehendem Eigenkapital müssen finanzielle Reserven dank der Ratenzahlung nicht angegriffen werden, was die Auflösung der persönlichen Ersparnisse überflüssig macht.
  • Eine Ratenzahlung ist besonders bei finanziellen Engpässen äußerst dienlich, da diese ohne große Probleme überbrückt werden können.

Nachteile:

  • Eine Null-Prozent-Finanzierung ist keine Garantie dafür, dass das jeweilige Produkt günstiger erworben werden kann. Nicht selten sind diese sogar deutlich kostspieliger als bei der Konkurrenz.
  • Verhandlungen und etwaige Rabatte sind bei Ratenzahlungen meist nicht im Rahmen des Möglichen.
  • Finanzierungsangebote enthemmen oft das Konsumverhalten und verführen zu unüberlegten Käufen. Dadurch kann ein finanzieller Kontrollverlust entstehen.
    Null-Prozent-Finanzierungsangebote werden in der Regel aggressiv beworben, was Verbraucher in einem gewissen Rahmen manipulieren kann.

Versteckte Kostenfallen

Früher waren Null-Prozent-Finanzierungen ein temporäres Angebot, um neue Kunden zu gewinnen. Nicht selten sind die jeweiligen Unternehmen mit dieser Marketingstrategie ein Verlustgeschäft eingegangen. Mittlerweile gibt es die zinslosen Ratenzahlungen jedoch fast 365 Tage im Jahr. Wo bleibt also die wirtschaftliche Tragbarkeit aus Sicht der Händler? 

Vielfach wird nach Abschluss des Kreditvertrags noch mit verschiedenen Zusatzangeboten gelockt, die unter der Strich jedoch allesamt als versteckte Kostenfallen zu verstehen sind. Aus diesem Grund sollten Konsumenten bei Begrifflichkeiten wie Restschuldversicherung, Kreditausfallversicherung oder Ratenschutzversicherung hellhörig werden. Hier wird ein vermeintlicher Schutz verkauft, der potenzielle Problematiken bei der Ratenzahlung absichern soll. Der versprochene Leistungsumfang steht jedoch meist in keinem Verhältnis zum Preisaufschlag und bläht den Kredit nur unnötig auf. Daher empfiehlt es sich, einen Vertrag ohne solcher Zusatzoptionen abzuschließen.

Zusatzkosten trotz Zinswegfall?

Eine zinslose Ratenzahlung verspricht keinerlei Zusatzkosten. Nur die Summe für das entsprechende Produkte muss beglichen werden. Die Realität sind jedoch oftmals anders aus. Auch bei fehlendem Zins können sich in einigen Fällen zusätzliche Entgelte auftun, die sich z.B. in der Kontoführung versteckt halten. So entwickelt sich das vermeintliche Schnäppchen plötzlich zu einem Verlustgeschäft. Um solch einem Szenario vorzubeugen, muss bei Unterzeichnung des Kreditvertrags unbedingt das Kleingedruckte gelesen werden. 

Nicht zu unterschätzen ist auch die persönliche Kontosituation. Wer den Ratenkredit für den neuen Fernseher oder für die neue Couch über den eigenen Dispokredit laufen lässt, wird vom Zinswegfall der Null-Prozent-Finanzierung nicht profitieren können. Schließlich fallen auf das Dispo ebenso Zinsen an, die in der Regel sogar wesentlich höher sind als bei einem klassischen Darlehen. Im schlimmsten Fall findet man sich so in einer Schuldenfalle wieder. Daher sollte selbst bei einer vergleichsweise geringen Ratenverpflichtung darauf geachtet werden, ob eine solche finanzielle Bürde überhaupt stemmbar ist. 

Vorsicht vor Ballonrate

Ratenzahlung ohne Zinsen und kurzer Laufzeit? Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Ist es in der Realität auch oft. Gerade in der Automobilbranche ist es gang und gäbe, entsprechende Finanzierungen mit vergleichsweise kurzen Laufzeiten, niedrigen Raten und ohne Zinsen zu versehen. Aus Sicht der Konsumenten ergibt sich auf den ersten Blick so ein vermeintliches Schnäppchenangebot. Doch der Schein kann trügen. Denn wenn die vereinbarte zinsfreie Laufzeit ihr Ende findet, steht eine sehr hohe Abschlussrate an. Wer diese sogenannte Ballonrate bei Vertragsabschluss nicht einkalkuliert hat, wird die plötzliche Finanzlast nur über einen weiteren Kredit stemmen können.

Fazit – Schnäppchen mit Risiko

Eine Null-Prozent-Finanzierung oder allgemein eine Ratenzahlung birgt sowohl Vor- als auch Nachteile. Das Produkt selbst, die Konditionen und die Vertragsstrukturen geben Aufschluss darüber, ob es sich beim jeweiligen Angebot um ein Schnäppchen oder um eine Kostenfalle handelt. Nur wer sich über alle Einzelheiten des Ratenkredits im Klaren ist, kann sich entsprechend ein fundiertes Urteil erlauben.

Wer sich bei den Vertragsmodalitäten unsicher ist oder prinzipiell in puncto Finanzen nicht genügend Sicherheit mitbringt, sollte bei einer Ratenzahlung nicht ohne Expertise zu Werke gehen. Falls sich Familie oder Freunde mit der Materie auskennen, lohnt es sich, sich mit Verstärkung zu umgeben. Aber auch externe Hilfe kann hier der richtige Weg sein. Ein Rechtsanwalt mag zwar Zusatzkosten verursachen, diese sind im Gegensatz zu den letztendlichen Ersparnissen mehr als überschaubar.

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