Begeisterte Mitarbeiter schaffen begeisterte Kunden

Warum langfristiger unternehmerischer Erfolg ohne ethisches Verhalten nicht zu haben ist – Professor Wassenberg spricht bei der Kurt-Malangré-Stiftung

„Die Gier ist gut. Die Gier ist richtig. Die Gier funktioniert. Die Gier klärt die Dinge, durchdringt sie und ist der Kern jedes fortschrittlichen Geistes“, predigt der von Michael Douglas furios gespielte Börsenhai Gordon Gekko in „Wall Street“. Mit dem Hollywood-Film brachte Regisseur Oliver Stone 1987 eine fundamentale Kritik am Turbokapitalismus und der Chicagoer Schule in die Kinos. In „Wall Street“, der nun eine Fortsetzung erfahren soll, wird die Finanzwirtschaft als ein einziges großes Schlachtfeld dargestellt, auf dem rücksichtslos und unbarmherzig jeder gegen jeden kämpft. Nicht ohne Grund sind Gekkos wichtigste Ratgeber denn auch die Weisheiten, die der chinesische General und Philosoph Sun Zi – rund 500 Jahre vor Christi Geburt – in seinem Buch „Die Kunst des Krieges“ dargelegt hat. Dort lautet eine seiner Maximen: „Wenn Du einen Freund brauchst, kauf' Dir einen Hund.“ So wie Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nahezu jedes unethische Verhalten mit dem Turbokapitalismus entschuldigt worden sei, so werde heute beinah jegliches Fehlverhalten mit der Globalisierung entschuldigt, kritisierte Professor Gerd Wassenberg bei einem auf Einladung der Kurt-Malangré-Stiftung erfolgten Vortragsveranstaltung im Aachener Bildungszentrum Erk.

Dabei betonte der Geschäftsführende Vorstand des Instituts für Entrepreneurship und Innovation der Fachhochschule Gelsenkirchen, dass es ihm keineswegs um eine „Manager-Schelte“ gehe. Auch wenn das Vertrauen in Führungskräfte aus der Wirtschaft früher größer gewesen sei als heute, so handelten dennoch „95 Prozent der Manager“ auch heute noch „nach ethischen Kriterien“. 25 Prozent der mittelständischen Unternehmen gingen sogar davon aus, dass sie mit ethischem Verhalten gegenüber Kunden und Lieferanten langfristig ihren Erfolg mehren könnten, zitierte Wassenberg in der von Mitgliedern der katholischen Personalprälatur Opus Dei getragenen Einrichtung eine Studie der Universität Sankt Gallen. Seinen Vortrag, der unter der Überschrift „Gibt es eine Ethik des Erfolgs? Wie moralische Werte Unternehmen wert-voller machen“ stand, wollte Wassenberg denn auch als eine Darbietung von „Anregungen“ verstanden wissen.

Dabei wurde jedoch schnell klar, dass es Wassenberg um viel mehr, als nur um ein paar handliche Tipps ging, die sich aus einem derart reichen Erfahrungsschatz nahezu mühelos zum Besten geben lassen.

Weil die Quellen jedes unternehmerischen Erfolges immer immateriell seien und wesentlich auf den Leistungen der als „Humankapital“ bezeichneten Mitarbeiter beruhe, dürfte die Beschäftigung mit ethischen Fragen für ein Unternehmen kein „Modethema“ sein, dem man sich zeitweilig widme, sondern müsse vielmehr als Grundlage des zukünftigen wirtschaftlichen Erfolges eines Unternehmens betrachtet werden.

Die entscheidende Frage sei, ob es einem Unternehmen gelänge, das für den Erfolg erforderliche „Humankapital“ langfristig an sich zu binden. Dabei gebe – anders als vielfach vermutet – die Frage des Gehalts keineswegs den Ausschlag, sondern gehöre nur zu den „basics“. Entscheidend für eine langfristige Bindung von Mitarbeitern an ein Unternehmen sei vielmehr, ob es diesem gelänge, den Beschäftigten ein „Identifikationsangebot“ zu machen, bei dem es sich für diese lohne, erstklassige Leistungen für das Unternehmen zu erbringen. Dies sei immer dann am ehesten zu erreichen, wenn Werte wie Vertrauen, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit in einem Unternehmen zunächst gegenüber den eigenen Mitarbeitern gelebt würden. Denn man dürfe bei allem Gerede über Werte nie vergessen, dass „wenn wir über Werte reden, wir eigentlich über Menschen reden“. Und Menschen seien wir, so Wassenberg weiter, „nicht nur zu Hause. Menschen bleiben wir auch im Unternehmen.“ Und da Werte sich nicht verordnen ließen, müssten sie innerhalb eines Unternehmens „authentisch“, „erkennbar“ und „kontinuierlich“ vorgelebt werden. Wobei Wassenberg keinen Zweifel daran ließ, dass die ersten Impulse „von oben kommen“ und „Unternehmensethik“ daher auch „Chefsache“ sein müsse. „Wenn es nach außen funkeln soll, muss es nach innen glänzen“ und „begeisterte Mitarbeiter schaffen begeisterte Kunden“, lauteten zwei der griffigen Formeln, auf die Wassenberg einen gelungenen Umgang mit Mitarbeitern zu bringen wusste. Ein Manager des Schaltschränke-Herstellers „Rittal“ habe ihm gegenüber einmal gesagt, eigentlich reiche es aus, sich auf die zehn Gebote zu beschränken, um ein Unternehmen erfolgreich führen zu können. „Dem kann ich mich anschließen“, so Wassenberg.

Kritisch sah der Gelehrte die in den USA übliche, in Deutschland jedoch fehlende persönliche Haftung von Managern. Verantwortlich dafür machte Wassenberg die Politiker, die in Aufsichtsgremien säßen und deshalb gar kein Interesse daran hätten, entsprechende Gesetze zu verabschieden.

Auch dass die Leistung von Managern oft einzig und allein an der Entwicklung des Börsenkurses gemessen werde, war Wassenberg kritische Bemerkungen wert. Die Börse goutierte ausschließlich steigende schwarze Zahlen am Quartalsende. Das sei aber kein realistischer Maßstab zur Messung von Erfolgen. „Man kann nicht alle drei Monate einen neuen Erfolg haben“, so Wassenberg. Am Schluss empfahl Wassenberg den Unternehmern die Maxime, die Thomas Mann in seinem Roman die „Buddenbrooks“ dem Kaufmann Jean Buddenbrook in den Mund legte: „Sei mit Lust bei den Geschäften, aber mache nur solche, die dich des Nachts ruhig schlafen lassen.“

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