Auch Manager brauchen Apostel

Der Sozialethiker Manfred Spieker zur jüngsten Vatikan-Tagung über Ethik in der Wirtschaft Von Guido Horst
Foto: Archiv | Professor Manfred Spieker.
Foto: Archiv | Professor Manfred Spieker.

Mit der Ethik in der Wirtschafts- und Finanzwelt hat sich vor einer Woche in Rom ein internationaler Kongress des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden beschäftigt. Eröffnet wurde die dreitägige Veranstaltung am Sitz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften in den Vatikanischen Gärten von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone sowie dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Peter Turkson. Mitveranstalter dieses „Executive Summit on Ethics for the Business World“ war auch das „Fidelis International Institute“ der Legionäre Christi. Zu den Teilnehmern, zu denen außer Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern sowie Theologen Vertreter großer Bankhäuser wie der der HSBC und Goldman Sachs zählten, gehörte auch der deutsche Sozialethiker Manfred Spieker, bis vor kurzem Professor für Christlichen Sozialwissenschaft an der Universität Osnabrück. Im Folgenden schildert Spieker seine Eindrücke von dieser vatikanischen Tagung in Zeiten der internationalen Finanzkrise.

Herr Professor Spieker, Bischöfe und Banker haben im Vatikan beraten. Was kann man sich darunter vorstellen?

Es waren nicht Bischöfe und Banker, sondern Manager aus der Welt der Wirtschaft und der Banken, die untereinander ihre Ansichten über Wirtschaft, Ethik und die Enzyklika „Caritas in Veritate“ von Benedikt XVI. austauschten. Unter den rund acht Teilnehmern befanden sich nur sechs Professoren. Ein kostbares Element des Austausches war die Präsentation von Beispielen einer konkreten Anwendung ethischer Prinzipien im Alltag der Unternehmen und Banken. Besonderen Beifall erhielt eine deutsche Managerin, Ines Kolmsee, die Vorstandsvorsitzende der SKW Stahl-Metallurgie in München, eines Unternehmens, das weltweit Chemikalien für die Stahlindustrie produziert. Sie berichtete von ihren Mühen bei der Durchsetzung deutscher Sicherheitsstandards zum Schutz von Arbeitern beim Bau neuer Produktionsanlagen in Indien.

„Wirtschaft und Ethik“ ist natürlich immer ein Thema für schöne Sonntagsreden. Kam letzte Woche in den Vatikanischen Gärten mehr heraus?

Schon die Struktur der Konferenz mit sehr kurzen Vorträgen von zahlreichen Praktikern ließ keinen Platz für „schöne Sonntagsreden“. Die Beispiele für ethisch begründetes Handeln im Alltag ermutigten die Teilnehmer zu einem ökonomischen Handeln, das sich nicht an kurzfristigem Gewinn, sondern an Nachhaltigkeit und langfristiger Rentabilität orientiert. Das Symposion entsprach dem, was Papst Pius XI. schon 1931 in der Enzyklika „Quadragesima Anno“ feststellte: Die ersten und nächsten Apostel für die Welt der Industrie und des Handels müssten aus dieser selbst hervorgehen.

Viele kennen den neuen Kardinal Turkson, den neuen Präsidenten von „Iustitia et Pax“, des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, noch nicht. Was war seine „Botschaft“?

Inhalt der Botschaft von Kardinal Turkson war, dass die Ethik nicht erst dann zum Zuge kommen kann, wenn das ökonomische Handeln abgeschlossen ist, sondern Teil „rationaler“ Unternehmensführung und -planung sein muss. Sie muss, wozu schon „Caritas in Veritate“ auffordert, das wirtschaftliche Handeln von Anfang an durchdringen.

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