Alles Bio und die bösen Folgen

Anhörung im Bundestag – Misereor warnt vor falschen Öko-Eifer

Berlin (DT) Schätzungen zufolge wird die Weltbevölkerung bis 2050 um drei Milliarden wachsen. Dies stellt die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft vor enorme Herausforderungen – sowohl im Hinblick auf die Ernährungssicherung als auch die Energieversorgung. Gleichzeitig hat die aktuelle Debatte um den Klimawandel verstärkt die Frage nach CO2-armen und deshalb „umweltfreundlichen“ Energieformen ins Blickfeld gerückt.

„Biomasse“ als Träger zur Energiegewinnung stand am Mittwoch auf der Tagesordnung einer öffentlichen Anhörung im Deutschen Bundestag, in der sich die Fachausschüsse für Entwicklungszusammenarbeit, Landwirtschaft und Umwelt mit dem Thema befassten. Anlass war die geplante gesetzliche Festschreibung zur Beimischung von „Bio-Sprit“: Bis 2012 soll sein Anteil auf mindestens 12,5 Prozent, bis 2020 sogar auf 20 Prozent steigen.

Entwicklungsorganisationen und kirchliche Hilfswerke wie das Bischöfliche Werk Misereor fordern seit langem, dass die Klimadebatte nicht zu Lasten der Ernährungssicherung der Ärmsten geführt werden darf. Bernd Bernhorst, Leiter der Abteilung Entwicklungspolitik bei Misereor, erinnerte in einer Stellungnahme im Vorfeld der Anhörung daran, dass „in Ländern wie Brasilien, Indonesien oder Malaysia schon jetzt zehntausende bäuerliche Familien ihre Existenzgrundlage verlieren, weil das Land, dass sie mitunter seit Generationen bewirtschaften, in kommerzielle Palmöl- oder Zuckerrohrplantagen zur Herstellung von Biotreibstoff umgewandelt wird.“

Ulrike Bickel, Misereor-Referentin für Energierohstoffe, die am Mittwoch im Bundestag zugegen war, zeigte sich anschließend angenehm überrascht vom „kritischen Tenor“ der Debatte. Und tatsächlich gab es viele mahnende Stimmen gerade unter Umweltexperten: Uwe Fritsche etwa vom Institut für angewandte Ökologie forderte international verpflichtende Standards bei der Produktion von Bioenergien, damit die ökologischen Kosten nicht den Nutzen bei weitem überschreiten.

Insgesamt, so Misereor-Referentin Ulrike Bickel, habe sie aus der Diskussion im Bundestag den Eindruck gewonnen, dass in der Politik ein Nachdenken eingesetzt habe über die negativen Folgen von Biotreibstoff. Misereor hoffe, dass die gesetzlich verbindliche Beimischungsquote doch noch fallengelassen werde und man dafür stärker in andere erneuerbare Energien investiere. „Vor allem aber müssen wir in den westlichen Industriestaaten neue Techniken und Konzepte entwickeln, um unseren Energieverbrauch zu reduzieren. Dazu braucht es politische Strategien, um diese durchzusetzen, aber natürlich auch einen allgemeinen Bewusstseinswandel“, so Bickel.

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