Abgewrackt

Die Abwrackprämie hat Erfolg – nun auch bei Autoschiebern und ihren Kunden in Afrika und Osteuropa. Kein Wunder. Diese Prämie war eine Versuchung der Extraklasse, Geiz und Gier verbündeten sich: Geiz bei den Bürgern. Zweieinhalbtausend Euro verleiteten sie zu Käufen, die sie sonst kaum getätigt hätten. Gier bei den Händlern: Neben schrottreifen Rostlauben drängten sich auf ihren Höfen gepflegte deutsche Gebrauchtwagen, die auf dem schwarzen Markt einiges mehr als die Abwrackprämie, drei-, viertausend Euro gebracht hätten. Da scheinen es manche Verschrotter nicht übers Herz gebracht zu haben, diese glitzernden Wertgegenstände in schnöde Blechpakete zu pressen. Sie sorgten für ihr Weiterleben nach dem behördlichen Autotod und am meisten erstaunt, dass von den abzuwrackenden Autos nur fünfzigtausend illegal weiterverkauft worden sein sollen. Denn den Markt hebeln auch staatliche Prämien nicht aus und den illegalen Markt bedient ein professioneller Autoschieber leicht. Zumal die Ämter zunächst völlig überfordert waren. Und wenn Schieberbanden Tag für Tag Limousinen der Ulla-Schmidt-Dienstwagen-Klasse nach Moldawien, Ghana oder Tadschikistan schmuggeln, dürfte ein gebrauchter Golf noch die leichteste Übung gewesen sein. Die Abwrackprämie hat die Autobranche hierzulande durchs erste Tal der Krise geführt und den Autobestand modernisiert. Und die Schieber haben dafür gesorgt, dass die weniger entwickelten Länder ihren Fuhrpark zu erschwinglichen Kosten erneuern können. Also kein Grund, sich aufzuregen? Im Gegenteil: Spätestens im kommenden Jahr zeigt sich, dass die Abwrackprämie die Krise der Autobranche nur um ein Jahr verzögert hat. Dann zeigt sich, dass man das viele Geld sinnvoller hätte verwenden können – für die Familien, für die Förderung von Kindern und Jugendlichen, für ein sinnvolles Zusammenleben der Generationen. Solche Investitionen würden sich noch in Jahrzehnten lohnen. Die Regierung hat lieber kurzfristig spekuliert – in Investitionen, die in wenigen Jahren in der Schrottpresse landen werden. Kein Nutzen für das Gemeinwohl. R.N.

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