Thomas Middelhoff: „Von der Hölle in den Himmel“

Kongress christlicher Führungskräfte: Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff berichtet von seinem absoluten Scheitern und seinem Weg zu Gott. Von Sebastian Sasse

Thomas Middelhoff
Thomas Middelhoff will über seine Erfahrungen Bücher schreiben. Foto: dpa

Ich habe 40 Jahre lang ein Leben als Apparatschik geführt.“ Thomas Middelhoff gehörte zu den Top-Managern der Republik, ja der Welt. Er war Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, dann von Arcandor. Im November 2014 der große Bruch: Middelhoff wird vom Landgericht Essen wegen Steuerhinterziehung und Untreue zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

„Ich bin heute Gott dafür dankbar, dass ich ins Gefängnis gekommen bin“, erklärte er beim Kongress christlicher Führungskräfte. Denn ohne diesen Bruch hätte er nicht zu Gott gefunden. „Mein Weg war von der Hölle in den Himmel.“ Dabei habe er sich immer als praktizierender Katholik verstanden. „Ich bin jeden Sonntag in die Messe gegangen. Auch in New York. Das war aber alles formalisiert. Mit 17 war ich zum letzten Mal in der Beichte. Ich hatte den Bezug zu Gott verloren.“

Er gibt heute zu: „Wenn man mich gefragt hätte, hätte ich damals auch gesagt, dass ich mich als christlich geprägter Manager verstehe. Schon auch aus Marketing-Gründen. In Wirklichkeit habe ich aber nicht als Christ gelebt.“ Er sagt aber auch: „Mir ging es nie um das Einkommen, sondern um öffentliche Anerkennung. Ich hatte keine Demut, sondern war arrogant.“

Die Wende im Leben von Thomas Middelhoff 

Wie setzte die Wende ein? Im Gefängnis begann Middelhoff in der Bibel zu lesen, er betete. „Manchmal vermisse ich heute diese Zeit tatsächlich. Endlich hatte ich die Ruhe, in der Bibel zu lesen.“ Später arbeitete er in den Bodelschwingschen Stiftungen in Bethel mit. Die Arbeit mit Behinderten dort hat Middelhoff stark beeindruckt. „So eine Erfahrung hätte ich als junger Mann machen müssen“, sagt er. Dann hätte er sich, so glaubt er, vielleicht anders entwickelt.

Welche Konsequenzen zieht Middelhoff aus seinen Erfahrungen mit Blick auf die Wirtschaft? „Die sogenannte Deutschland AG müsste einmal richtig auf den Kopf gestellt werden.“ Vor allem die Frage einer gerechten Entlohnung treibt ihn um. „Wenn eine Rentnerin einen Nebenjob annehmen muss, um über die Runden zu kommen, ist das nicht in Ordnung.“

Im Moment schreibt Middelhoff an einem Buch, in dem er ausgehend von seinem Fall darstellen will, wie Manager ausgebildet werden müssten, damit sie nicht die gleichen Fehler machen wie er. Genaueres will er noch nicht verraten. Der 65-Jährige sagt nur so viel: „Weniger sich wichtig nehmen als ich mich wichtig genommen habe.“ Das sei eine Devise, die leicht klinge, aber gar nicht so einfach umzusetzen sei.

Wirkt der Wandel des ehemaligen Top-Managers glaubhaft?

Wie sind Middelhoffs Erfahrungen mit den Reaktionen auf seine Reue? Nimmt man ihm den Wandel ab? Natürlich habe es Kommentare gegeben, das Ganze sei nur eine große PR-Aktion, sagt Middelhoff. Aber solche Reaktionen seien ihm „schnurzegal“. Seine Schlussfolgerung sieht anders aus: „Ich bin sowieso stigmatisiert.“

Er könne die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihm zuteil werde, aber nun nutzen, um für die Positionen einzutreten, die ihm wichtig seien. Etwa der Einsatz für Strafgefangene. Middelhoff findet wichtig, dass ein Gefangener, wenn er seine Schuld abgesessen hat, eine zweite Chance bekommt, um ein neues Leben zu starten.

 

Der Kongress

Der Kongress christlicher Führungskräfte fand bereits zum 19. Mal statt. Mittlerweile ist er die größte Veranstaltung dieser Art in Europa. In diesem Jahr nahmen rund 3 100 Besucher teil. Auf dem Programm stehen zahlreiche Vorträge und Seminare, in denen Unternehmer und Manager Impulse bekommen, ihren Glauben im Beruf umzusetzen. In einer Ausstellung präsentierten sich zudem verschiedene christliche Organisationen.