Tausende Stellen unbesetzt

Kues: Wohlfahrtsverbände für Freiwilligendienst verantwortlich

Osnabrück (DT/KNA) Das Bundesfamilienministerium nimmt die Wohlfahrtsverbände bei der Vergabe von Bundesfreiwilligenstellen mit in die Pflicht. Der parlamentarische Staatssekretär Hermann Kues (CDU) sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitag): „Wer sich hinsetzt und wartet, dass ein Freiwilliger kommt, der hat die Diskussion seit Herbst 2010 verschlafen.“ Das Interesse für die deutschlandweit 35 000 zu besetzenden Stellen sei da. Kues berief sich dabei auf Zahlen, die der Bundesarbeitskreis „Freiwilliges Soziales Jahr“ veröffentlicht hat. Demnach sollen für das im September beginnende Freiwilligenjahr bereits 60 000 Bewerbungen vorliegen. „Das zeigt: Junge Leute sind sehr wohl bereit, sich zu engagieren. Auch ältere Menschen wollen aktiv werden. Jetzt geht es darum, aktiv auf sie zuzugehen“, sagte Kues. Bis 2013 habe der Bund 3,5 Millionen Euro für die Informationskampagne über den neuen Dienst veranschlagt, das sei ausreichend. „Selbstverständlich müssen jetzt auch die Einsatzstellen selbst die Werbetrommel rühren.“ Kues reagierte damit auf die Kritik einiger Wohlfahrtsverbände, die über teils tausende freie Stellen geklagt hatten.

Nach Angaben des Parlamentarischen Staatssekretärs gibt es derzeit 17 300 Freiwillige. Davon seien 14 300 ehemalige Zivildienstleistende, die ihren Dienst freiwillig verlängert hätten. Kues zeigte sich optimistisch, dass die 35 000 Stellen bis 2012 besetzt werden können. Einen ersten Anstieg der Nachfrage erhofft er sich für diesen Herbst.

SPD-Innenexperte Gerold Reichenbach sprach sich unterdessen für eine bessere Bezahlung des neuen Bundesfreiwilligendienstes (Bufdi) aus. „Bufdis müssen so viel verdienen wie Soldaten“, sagte Reichenbach der „Bild“-Zeitung (Freitag). Seiner Ansicht nach ist die „schlechte Bezahlung“ der Hauptgrund dafür, dass sich bisher nur etwa 3 000 Freiwillige dafür gemeldet hätten. Diese bekommen für ihre Arbeit zurzeit ein „Taschengeld“ von maximal 330 Euro pro Monat. Soldaten, die freiwillig Wehrdienst leisten, erhalten dagegen einen Sold von rund 1 000 Euro pro Monat.