Stiften liegt im Trend

Noch nie gab es so viele gemeinnützige Neugründungen in Deutschland –

Doch nicht für jeden ist die selbstständige Stiftung das Richtige

Stiften liegt im Trend. Seit der Finanzminister 2007 mit einem neuen Gesetz den Sonderausgabenabzugsbetrag für „bürgerschaftliches Engagement“ auf eine Million Euro innerhalb eines Zehnjahreszeitraums erhöht hat und damit mehr Anreize zum Zustiften und Stiften geschaffen hat, hat das Stiften in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Von 15 449 Stiftungen des bürgerlichen Rechts wurden allein 2007 1 134 neue errichtet.

Aus diesem Anlass veranstaltet der Bunderverband Deutscher Stiftungen zurzeit eine Wanderausstellung, die gegenwärtig unter dem Namen „Stifterland Bayern“ in Würzburg zu sehen ist. In ihr präsentieren sich 97 bayerische Stiftungen, darunter so klingende Namen wie die Allianz-Kulturstiftung oder die Eberhard-von-Kuenheim-Stiftung von BMW.

Es gibt Alternativen zu einer rechtsfähigen Stiftung

Doch was ist eigentlich eine Stiftung? Zunächst ist Stiftung kein geschützter Begriff. Stiftung kann sich vieles nennen. Stiftung im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches aber ist nur die sogenannte rechtsfähige Stiftung. Gemeint ist damit ein vom Stifter geschaffene Körperschaft, die, mit einem von der Aufsichtsbehörde festgelegten Mindestbetrag von in der Regel 50 000 Euro versehen, einen vom Stifter bestimmten – gemeinnützigen – Zweck auf Dauer fördert. Die Festlegung dieses Zwecks bestimmt der Stifter, und nur er. Aber: Einmal festgelegt, kann der Stiftungszweck nicht mehr geändert werden. Auch nicht vom Stifter selbst. Die Stiftungsorgane haben für den Fall, dass der Stifter von der Satzung abweichen will, sogar das Recht und die Pflicht, bei den staatlichen Aufsichtsbehörden um Hilfe zu bitten. Angesiedelt ist die staatliche Aufsicht bei den Bezirksregierungen. Diese prüfen jährlich, ob die Maßgaben des Stiftungsrechts auch eingehalten wurden. Konkret heißt das: Wird das Stiftungsvermögen erhalten? Werden die Erträge dem Satzungszweck zugeführt? Mit der Stiftungserrichtung hat der Stifterwille eine Autonomie erlangt, über deren Einhaltung der Staat wacht. Ob die Stiftung die Voraussetzungen der Steuerbefreiung, also der Gemeinnützigkeit einhält, prüft das Finanzamt. Zu einer rechtsfähigen Stiftung gibt es auch Alternativen. „Denn“, so der für Stiftungsfragen zuständige Andreas Schröder von der LIGA-Bank in Regensburg, „wie kann ich bei einer rechtsfähigen, aber nur sehr kleinen Stiftung, die einen ehrenamtlich tätigen Stiftungsvorstand hat, garantieren, dass dieser auch noch in 50 Jahren zustande kommt?“ Schlimmstenfalls müsste „eine an sich auf Ewigkeit hin angelegte Stiftung aufgelöst werden“.

Alternativen sind die Treuhandstiftung und der Stiftungsfonds, mit denen in gleicher Weise die dauerhafte Vermögenswidmung für einen vom Stifter festgelegten Zweck erreicht werden. Die Steuerbefreiung und die Sonderausgabenabzüge werden auch hier im vollem Umfang gewährt. Treuhandstiftung und Stiftungsfonds eignen sich auch für größeres Vermögen.

Die Treuhandstiftung entsteht dadurch, dass einem Träger – etwa eine schon bestehende, rechtsfähige Stiftung – Vermögen treuhänderisch überlassen wird. „Bei dieser Form“, so Andreas Schröder, „kann sich der Stifter zurücklehnen und sich auf seine Kompetenzen, zum Beispiel die Einwerbung von Zuwendungen oder die Verwirklichung des Stiftungszwecks konzentrieren“. Die Verwaltung werde gegen eine dem Aufwand angemessene Vergütung vom Träger übernommen. „Dazu gehören insbesondere die Erstellung des Rechenschaftsbericht und der Steuererklärung für das Finanzamt.“ Sorgen aber, dass der Stifter keinen Einfluss mehr hätte auf die Entscheidungen in den Angelegenheiten der Stiftung seien unbegründet, so Schröder. „Wir sind explizit an die Anweisungen des Stiftungsrates gebunden.“

Noch einfacher und damit günstiger in der Verwaltung ist die Errichtung eines Stiftungsfonds. Der Stifter überträgt Vermögen auf eine bestehende Stiftung und macht zur Auflage, dieses Vermögen wie bei der Treuhandstiftung getrennt zu verwalten. Er legt auch fest, die Stiftungsmittel daraus für den vom Stifter bestimmten Zweck und vielleicht auch für eine bestimmte Einrichung zu verwenden. Dazu Schröder: „Auch der Stiftungsfonds ist für kleineres und größeres Vermögen geeignet. Die dauerhafte Vermögenswidmung ist wie mit der rechtsfähigen Stiftung und der Treuhandstiftung zu erreichen.“ Vor der Änderung des Sonderausgabenabzugs durch das „Gesetz zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements“ im Herbst letzten Jahres wurde nur die Errichtung einer Stiftung und die Zustiftung an eine neu errichtete Stiftung besonders hoch gefördert. „Seitdem der Sonderausgabenabzug für ursprünglich nur Stiftungserrichtungen auch für Zustiftungen, also Zuwendungen in das Vermögen, gilt“, so Schröder, „ist der Stiftungsfonds in vielen Fällen ein geeigneter Weg, die Ziele einer Stiftungserrichtung zu erreichen. Ebenfalls kann der Stifter bei der Verwirklichung seines Stiftungszwecks mitwirken.“ Die LIGA Bank-Stiftung, deren Vorstandsvorsitzender Schröder ebenfalls ist, hat in ihrer Trägerschaft zahlreiche Treuhandstiftungen und Stiftungsfonds, die unterschiedliche Werke christlicher Nächstenliebe verfolgen.

Doch wie wird man eigentlich Stifter? Im wesentlichen dadurch, dass man drei Aufgaben erledigt hat: Welchem Zweck will ich dienen? Wieviel bin ich bereit zu geben? In welcher Form möchte ich an der Stiftungsarbeit mitwirken? Technisch vollzieht sich die Errichtung einer rechtsfähigen Stiftung in einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten. Nach der Erstellung der Stiftungsurkunde und der Satzung sind diese bei der Stiftungsaufsicht und beim Finanzamt vorzulegen. Mit der Einzahlung der Stifungssumme ist das Stiftungsgeschäft erfolgt: Eine neue Stiftung ist entstanden. Es ist aber auch möglich, eine Stiftung testamentarisch zu begründen. Einfacher und schneller dagegen ist die Errichtung einer Treuhandstiftung oder eines Stiftungsfonds.

Das häufigste Motiv ist Dankbarkeit

Wie aber sieht eigentlich der typische Stifter von heute aus? „Das sind Männer wie Frauen gleichermaßen.“ Schröder weiß: „Große Millionenbeträge sind eher die Ausnahme. Die Mehrzahl der Stifter gibt zwischen 50 000 und 500 000 Euro.“ Hauptmotiv ist vor allem Dankbarkeit. Gerade bei runden Geburtstagen oder aus Freude über im Leben Erreichtes wollen Stifter etwas vom Empfangenen mitteilen und einem guten Zweck dienen. So wie Dieter Salch etwa. Auf dem Symposium, das die Initiative „Stifterland Bayern“ kürzlich in Würzburg veranstaltete, berichtete er von seiner Motivation als Stifter. Der Experte für Steuerrecht wollte aus Anlass eines runden Geburtstages dem Deutschen Orden etwas Gutes tun. Deshalb gründete er 1999 die Stiftung „Pro Ordine Teutonico“. Die Unterstützung eines Klosters in Tschechien und der Priesterausbildung in Slowenien etwa zählen zu ihren Früchten. Danach gefragt, was er künftigen Stiftern rate, meinte Salch: „Eine Idee fassen und professionelle Beratung suchen. Vor allem aber Vision und Realität abgleichen. Dann kann nichts schief gehen.“