Soziale Marktwirtschaft in den Hörsaal

Der Bund katholischer Unternehmer startet ein europaweites Trainingsprogramm. Von Stefan Rochow

Studenten im Hörsaal
Studenten europaweit für die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft begeistern: Dieses Ziel hat sich der BKU zusammen mit sieben weiteren europäischen Partnern gestellt. Den angehenden Führungskräften sollen so vor allem die Dimensionen der Wirtschaftsethik nahegebracht werden. Foto: dpa
Studenten im Hörsaal
Studenten europaweit für die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft begeistern: Dieses Ziel hat sich der BKU zusammen m... Foto: dpa

Die Soziale Marktwirtschaft ist das Erfolgsmodell, das seit 1948 Deutschland einen Neuaufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichte. Daher spielt der Begriff in der politischen Auseinandersetzung auch nach all den Jahren immer wieder eine wichtige Rolle. Mag Ludwig Erhard, der Vater des Wirtschaftswunders, schon viele Jahr tot sein – seine Gedanken haben bis heute überlebt. Gerade erst im Zusammenhang mit der Neuwahl der neuen CDU-Parteivorsitzenden spielte der Name Ludwig Erhard wieder eine wichtige Rolle. Auch bei der Neufindung der CDU als Volkspartei tauchte immer wieder die Frage auf, welche Antworten kann die Soziale Marktwirtschaft als ordnungspolitisches Modell im 21. Jahrhundert noch geben? Die Wirtschaftssysteme heute stehen weltweit vor großen Umbrüchen seit der Ära der Industrialisierung. Kann die Soziale Marktwirtschaft – sozialer Fortschritt durch freien Wettbewerb – im digitalen Zeitalter also noch funktionieren?

Die globale Dimension

Der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) ist fest davon überzeugt. Der Unternehmerverband feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen. Das Motto dieses Jubiläumsjahres lautet daher „Soziale Marktwirtschaft im 21. Jahrhundert – international, digital und ethisch“. Eine rein nationale Ausrichtung, das weiß der Verband, reicht längst nicht mehr aus. „Wir müssen die europäische und globale Ebene neu denken“, sagt der BKU- Bundesvorsitzende Ulrich Hemel. Die demokratisch und rechtsstaatlich verfasste Soziale Marktwirtschaft bildet eine Gesellschaftsordnung, die das christliche Menschenbild und die Prinzipien der christlichen Gesellschaftslehre – Personalität, Gemeinwohl, Solidarität, Subsidiarität und Nachhaltigkeit – auch unter den Bedingungen von Globalisierung und schnellem technologischen Fortschritt adäquat zur Geltung bringt“, so Hemel. „Angesichts der zahlreichen Umbrüche in Wirtschaft und Gesellschaft im Zeitalter der Globalisierung und der Informationstechnologie sind wir überzeugt, dass dieses Ziel auch heute unverändert weiter gilt, aber auch neu entdeckt und neu formuliert werden muss“, betont er.

Von zentraler Bedeutung in der Frage nach der Zukunftsfähigkeit der sozialen Marktwirtschaft ist für den BKU die Notwendigkeit, junge Menschen an die ethischen Dimensionen des Wirtschaftens heranzuführen. Der Bund Katholischer Unternehmer sieht es laut Eigenaussagen als wichtig an, jungen Menschen die Soziale Marktwirtschaft im Zusammenwirken mit den Prinzipien der Christlichen Soziallehre nahezubringen.

Zusammen mit sieben Partnern

Mit sieben europäischen Partnern haben die katholischen Unternehmer deshalb ein über drei Jahre konzipiertes Erasmus-Projekt „Youth for Entrepreneurship and Business Ethics“ aufgelegt. Das Programm soll ein anwendungsorientiertes Trainingsprogramm zur Förderung von Unternehmerfähigkeiten sein und ist entsprechend entwickelt worden. Zur Zielgruppe gehörten Studierende und junge Nachwuchsführungskräfte aus Deutschland, Italien, Ungarn, Slowenien und Belgien. In dem Projekt standen der persönliche Austausch der Teilnehmer aus den verschiedenen Ländern und die Begegnung mit Experten und „Sparringspartnern“ aus der unternehmerischen Praxis im Mittelpunkt. Zum Abschluss wurden nun die Ergebnisse des Projekts veröffentlicht. „Ein solches Projekt ist ein wichtiger Baustein, die unterschiedlichen Erfahrungen aus den verschiedenen europäischen Traditionen und Unternehmenskulturen zusammenzubringen und darauf aufbauend neue Lösungen für ethisches unternehmerisches Handeln im gemeinsamen europäischen Markt zu entwickeln“, resümiert Hemel.

Für ein Leben in Freiheit

So können sie ein Bewusstsein für die Bedeutung einer funktionierenden europäischen Wertegemeinschaft in einem lebendigen Europa entwickeln. Das ist wichtiger denn je: Vieles liegt im Verständnis der Sozialen Marktwirtschaft heute einem Missverständnis zugrunde. Freiheit ist das erste und wichtigste Versprechen der Marktwirtschaft, der soziale Ausgleich kommt danach. Leistung, Unternehmergeist, Kreativität und Ausdauer ermöglichen es den Menschen, in Freiheit zu leben. Diese Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft näherzubringen, ist daher eine wichtige Aufgabe, die sich der BKU hier gestellt hat.