Nur wenig mehr Frauen

Ministerium übt Druck auf große Unternehmen aus – Ultimatum bis 2018. Von Robert Luchs

Symbolbild - Managerin
Sollen nach dem Willen der Bundesregierung mehr werden: Frauen in den Topetagen der Wirtschaft. Foto: dpa
Symbolbild - Managerin
Sollen nach dem Willen der Bundesregierung mehr werden: Frauen in den Topetagen der Wirtschaft. Foto: dpa

Benachteiligungen am Arbeitsmarkt betreffen nicht nur, aber vor allem Frauen. Klar ist zudem: Frauen sind so gut ausgebildet wie nie zuvor. Dennoch bekommen sie im Durchschnitt weniger Gehalt, sind in Führungsriegen deutlich unterrepräsentiert und gründen seltener eigene Unternehmen. Deshalb sollte Wirtschaftspolitik immer auch Politik für Frauen sein. Mehr als die Hälfte der Abiturienten, rund 50 Prozent der Hochschulabsolventen und 44 Prozent der Promovierenden sind weiblich. In Führungspositionen arbeiten trotzdem noch immer vor allem Männer.

Dass Frauen trotz hervorragender Qualifikationen viel seltener Führungspositionen innehaben, schlägt sich auch in den Gehältern nieder, so verdienen Managerinnen in 2014 in Deutschland im Schnitt 26,8 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Doch auch jenseits der Führungsetagen werden Frauen nach wie vor schlechter entlohnt. So beträgt der Lohnunterschied bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Erwerbsbiografie immer noch sechs Prozent. Auch wenn das Gebot, Frauen und Männer für gleiche und gleichwertige Arbeit auch gleich zu vergüten, seit über 50 Jahren geltendes Recht ist, so gehört doch die sogenannte Lohnlücke nach wie vor zum Alltag in Deutschland.

Einen kleinen Lichtblick gibt es bei den großen Unternehmen. Denn rund zwei Jahre nach Einführung einer gesetzlichen Frauenquote für die Privatwirtschaft ist die Zahl weiblicher Aufsichtsräte leicht gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Ministerien für Familie und Justiz, der vom Bundeskabinett gebilligt wurde. Demnach nahm der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten großer Unternehmen von 25 auf 27,3 Prozent zu. Allerdings sind nur fünf der 160 Aufsichtsratsvorsitzenden weiblich. Das Gesetz verpflichtet rund 100 börsennotierte Konzerne zu einer festen Quote von 30 Prozent. Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) stellte der Wirtschaft ein Ultimatum für eine stärkere Beteiligung von Frauen auch in Unternehmensvorständen. Die SPD-Politikerin sagte, sie gebe den Konzernen noch ein Jahr Zeit, „die Sache selbst zu regeln“. Wenn sich bis dahin nichts tue, werde man gesetzlich eingreifen. Man konnte jahrzehntelang beobachten, dass Selbstverpflichtungen nicht funktionierten, so Barley.

Vor diesem Hintergrund sind im Koalitionsvertrag Maßnahmen zur Beseitigung der Lohnlücke vereinbart. Neben dem Mindestlohn, dem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung, dem Elterngeld Plus und dem Gesetz zur Familienpflegezeit, die sich indirekt auf Entgeltgleichheit auswirken, hat die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode zwei richtungsweisende Gesetze auf den Weg gebracht: Das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ („Frauenquote“) verpflichtet große Unternehmen dazu, den Anteil von Frauen in den Führungsriegen zu erhöhen. Und im Januar 2017 hat das Bundeskabinett mit dem „Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen“ den Weg für mehr Transparenz bei den Gehältern freigemacht. Mit gezielten Initiativen für Gründerinnen folgt das Wirtschaftsministerium seinem Leitbild der sozialen Marktwirtschaft, das soziale Gerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe als Grundstein für die Teilhabe aller am Wohlstand begreift. Ob mit der Initiative „Frauen unternehmen“, dem Gründerinnenfrühstück oder bei den Gesprächen mit Unternehmen und Politik im In- und Ausland oder beim jährlichen „Girls $?? Day“ – das Thema Gleichstellung ist fester Bestandteil der Politik geworden. Dazu Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD): „Frauen sind als Angestellte oder Unternehmerinnen in der Wirtschaft sehr erfolgreich, jeden Tag! Das möchte ich sichtbarer machen, bei meinen Unternehmensbesuchen genauso wie bei meinen Gesprächen mit Start-ups.“

Um Frauen in der Wirtschaft nach vorne zu bringen und ihre Leistung öffentlich sichtbarer zu machen, kann Wirtschaftspolitik einiges bewegen. Darüber diskutierten über 300 erfolgreiche Frauen – junge und etablierte Unternehmerinnen, Entscheiderinnen, Start-up-Gründerinnen und Studentinnen – beim Forum „starke Frauen, starke Wirtschaft“. Die Teilnehmerinnen formulierten auch Handlungsempfehlungen für die Politik. Eingangs betonte Zypries: „Wer eine neue Gründerkultur will, muss in den Schulen anfangen. Selbstständigkeit ist eine tolle berufliche Option für Mädchen und Frauen.“

Doch der Weg ist noch lang; nur jedes dritte Unternehmen wird von einer Frau gegründet. Bei technologieorientierten Start-ups sind es noch weniger. Das zeigt: Die Gründungslandschaft muss für Frauen attraktiver werden. Obwohl die Zahl beruflich selbstständiger Frauen in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, ist das Bild des „Unternehmers“ in Deutschland nach wie vor männlich geprägt. Aber mehr Frauen, die Unternehmen gründen, bedeuten auch: Mehr Ideen, mehr Arbeitsplätze und stärkeres Wachstum. Eine hohe Diversität von Geschäftsmodellen und Unternehmenskulturen kann zudem entscheidende Wettbewerbsvorteile bringen.

Um Frauen mit maßgeschneiderten Informationen bei ihrem Vorhaben zu unterstützen, hat das Zypries-Ministerium das Existenzgründerinnen-Portal ins Leben gerufen. Dieses stellt nicht nur lokale Ansprechpartnerinnen und -partner sowie Netzwerke vor, sondern bietet über die Gründerinnen-Hotline auch direkte Kontakte und stellt gemeinsam mit der bundesweiten Gründerinnen-Agentur (bga) Frauen vor, die erfolgreich eigene Unternehmen auf die Beine gestellt haben. Auch wenn Frauen deutlich seltener ein Unternehmen in technologieorientierten Bereichen gründen, gibt es auch dort erfolgreiche Unternehmerinnen. Einen Überblick gibt die Initiative „Women in digital“, deren Ziel es ist, die Vernetzung untereinander zu unterstützen. Die Initiative bietet Managerinnen aus Firmen, Politik, Medien, Organisationen und Verbänden eine Plattform für Kooperationen und Austausch.