„Nachhaltigkeit schützt vor Krise“

Ein Gespräch mit Jürgen Reineke, Vorstandsmitglied der Bank für Kirche und Caritas im Erzbistum Paderborn

Düstere Prognosen für die Wirtschaft: eine

vorausgesagte Schrumpfung des gesamten Wirtschaftsvolumens um bis zu sechs Prozent, Angst vor Massenentlassungen und sozialen Unruhen. Anja Kordik sprach mit Jürgen Reineke, Mitglied im Vorstand der Bank für Kirche und Caritas im Erzbistum Paderborn, über die Krise und das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Wie würden Sie Nachhaltigkeit in der Wirtschaft definieren?

Nachhaltigkeit bezieht sich auf verschiedene Aspekte – wirtschaftliche, soziale und ökologische. Wir versuchen als Kirchenbank, Nachhaltigkeit zu praktizieren. Aber natürlich ist es unmöglich, ein gesamtes Wertpapier-Portfolio unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zusammenzustellen, auch deshalb, weil sich Einschätzungen ändern, und wir unseren Filter immer wieder neu anpassen müssen. Wir haben in unserem Haus einen Nachhaltigkeitsbeirat, der uns als Bank begleitet, der immer wieder Neues nach vorne bringt und Nuancen auch verändert.

Welche Rolle spielt der Aspekt Rendite im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit?

Ich weiß, dass es mit Blick auf die Rendite- oder Performance-Erwartungen problematisch ist zu sagen: Sind nachhaltige Anlagen ertragreicher oder weniger ertragreich als andere? Zu dieser Frage gibt es verschiedene Untersuchungen mit unterschiedlichen Ergebnissen. Es lässt sich letztendlich nicht nachweisen, dass nachhaltige Anlagen zugleich profitabler sind. Aber auch das Gegenteil lässt sich nicht beweisen, und wir haben diese Erfahrung auch nicht gemacht, dass nachhaltige Anlagen weniger Gewinn als andere bringen.

Wie lässt sich die Positionierung einer Kirchenbank angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise umschreiben? Ist Ihr Haus – gerade aufgrund der von Ihnen praktizierten Nachhaltigkeit – besser aufgestellt?

Es lässt sich, glaube ich, sagen, dass wir durch das Prinzip der Nachhaltigkeit profitiert haben. Wir haben zum Beispiel nie in den US-amerikanischen Markt investiert – weil in den Vereinigten Staaten die Todesstrafe praktiziert wird und dies mit unseren ethischen Grundsätzen nicht vereinbar ist. Deshalb war dieser Markt für uns tabu, was sich jetzt als richtig erweist. Und so gibt es verschiedene Beispiele, die uns dazu veranlasst haben, in bestimmte – risikoreichere – Anlagen nicht zu investieren. Ich glaube auch, dass wir durch unseren Nachhaltigkeitsansatz sehr viel stärker sensibilisiert für bestimmte Produkte sind, die auf Dauer gefährlich werden können und wir am Ende lieber die Finger von solchen Produkten lassen. Angesichts der Krise denke ich schon, dass uns das ein Stück weit geschützt hat, weil wir eben nicht alles gemacht haben, was in den letzten Jahren auf dem Markt der Möglichkeiten möglich war.

Lässt sich also sagen, dass Nachhaltigkeit zu größerer Stabilität in der Wirtschaft führt – ein Gesichtspunkt, der gerade in ökonomisch unsicheren Zeiten an Bedeutung gewinnt?

Ja, durchaus. Ein Beispiel: Zu unseren Nachhaltigkeitskriterien gehört der Umweltschutz in Unternehmen oder die Frage: Erfüllt ein Unternehmen bestimmte soziale Standards? Das sind Gesichtspunkte, die wir im Blick haben, wenn wir unseren Kunden empfehlen, Anteile an einem Unternehmen zu kaufen oder nicht. Und wenn eine Unternehmensführung auf diese Aspekte sehr viel Wert legt, zeigt dies, dass ihr Planungshorizont langfristiger ausgerichtet ist. Er ist fundierter als bei Unternehmen, die nur kurzfristige Gewinnabschöpfung im Blick haben. Und es hat sich jetzt gezeigt, dass die Jagd nach schneller Rendite, diese Gier, ein entscheidender Auslöser der Krise war.