Würzburg

Mehr Öffentlichkeit

Schon lange erwartet: Die deutschen Bistümer haben sich auf neue Richtlinien geeinigt, die ihre Finanzen transparenter machen sollen.

Kreuz aus Geldmünzen
Die Finanzverwaltung der Bistümer soll für die Öffentlichkeit leichter nachvollzogen werden können. Foto: KNA

Schon oft haben es die Bischöfe versprochen: Das kirchliche Finanzgebaren soll transparenter werden. Der Weg zu diesem Ziel, bei dem immerhin 27 Bistümer auf eine Linie gebracht werden müssen, hat einen langwierigen Diskussionsprozess erfordert. Erst jetzt, fünf Jahre nach dem Start einer „Offensive zur Transparenz in finanziellen Angelegenheiten“, gibt es mit dem Beschluss der Vollversammlung des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) eine verbindliche gemeinsame Linie. Nun besteht etwa für die Bistümer eine gewisse Veröffentlichungspflicht: Sie gilt für ihre Jahresabschlüsse sowie für die der Bischöflichen Stühle, der Domkapitel und der diözesanen Rechts- und Vermögensträger. Zur Feststellung des Zahlenwerkes ist die Anwendung der Regelungen des Handelsgesetzbuches (HGB) vereinbart. Sie bilden die rechtliche Grundlage für die Erstellung der Jahresabschlüsse. Diese werden künftig von externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit dem Ziel überprüft werden, einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk zu erhalten.

Für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, ist das „ein wichtiger Schritt zur Erlangung einer neuen Glaubwürdigkeit innerhalb und außerhalb der Kirche“.

Allerdings erfasst die Systematik des HGB die Situation in den Diözesen nicht umfassend. Sie gibt allerdings einen Rahmen vor, in dem der Aufwand der Bilanzierung von der Größe und Finanzkraft der Bistümer abhängig gemacht wird.

Auch bei dieser Entscheidung gilt jedoch der Grundsatz: Keine Regel ohne Ausnahme. Der VDD hat zwei Bistümern einen Sonderstatus eingeräumt.

Bistum Münster geht über Richtlinien hinaus

Das Bistum Rottenburg-Stuttgart verfolgt ein eigenes Modell, bei dem, „wo es zweckmäßig ist“, Elemente des HGB Anwendung finden. Die Prüfung der Zahlen erfolgt allerdings nicht extern, sondern durch eine eigene „Stabsstelle Revision“, die nach Angaben des Bistums allerdings weisungsunabhängig arbeiten soll.

Ebenfalls ohne umfassende externe Kontrollen kommt das Bistum Münster aus. Hier hat man sich für das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF) in Nordrhein-Westfalen entschieden. Es bildet auf der Grundlage kommunaler Vorschriften und in Anlehnung an das HGB die rechtliche Grundlage für die kommunalen Haushalte in dem Bundesland. „Das NKF geht deutlich über die Regelungen des HGB hinaus“, erläutert Bistumssprecher Stephan Kronenburg gegenüber der „Tagespost“. Eine Vergleichbarkeit mit der Bilanzierung der übrigen Diözesen sei sichergestellt.

Das NKF-System der Kommunen kenne keine externe Prüfung, sondern eine Innenrevision. Hierfür sei das Bistum breit aufgestellt. Auch sei die Nutzung der Innenrevision nicht etwa kostengünstiger als die Beauftragung eines externen Wirtschaftsprüfers, glaubt Kronenburg. In der öffentlichen Diskussion dürfte es allerdings umstritten bleiben, inwieweit interne Finanzkontrollen zur effektiven Erhöhung der Glaubwürdigkeit beitragen.

Bund Katholischer Unternehmer begrüßt die Entscheidung

Der Bund Katholischer Unternehmer hat die Entscheidung des VDD als einen wichtigen Schritt begrüßt. „Aus unserer Sicht als katholischer Unternehmerverband war es immer von zentraler Bedeutung, dass im kirchlichen Finanzsystem die beim wirtschaftlichen Handeln allgemein geltenden rechtlichen Maßstäbe Anwendung finden müssen“, erklärt der BKU-Vorsitzende Ulrich Hemel. Dazu gehören die notwendigen differenzierten Kontrollen, Überprüfungen und Zweitmeinungen, wie in anderen Bereichen üblich. Er hofft, dass sich jetzt schrittweise das System von „Checks & Balances“ durchgängig im kirchlichen Finanzwesen durchsetzt.