Würzburg

Kolumne: Passiven Vermögensaufbau stärken

Die Vorbehalte gegen Aktieninvestitionen sind jedoch hoch: Das vorhandene Risiko und die Komplexität der Finanzmärkte schrecken ab. Exchange Traded Funds sind eine Alternative.

kolumne: Passiven Vermögens- aufbau stärken
Der Autor ist stellvertretender Leiter der Abteilung Erwachsenenbildung im Bistum Fulda.Die Kolumne erscheint in Kooperation mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle.

Die Nullzinsen der EZB unter Mario Draghi sind für die deutschen Sparer eine Bewährungsprobe, die unter Christine Lagarde nicht enden wird. Besonders jüngere Sparer wären gut beraten, ihr Geld nicht auf einem zinslosen Sparbuch oder Girokonto versauern zu lassen. Der reale Kaufkraftverlust ist über die Jahre horrend; ein garantiertes Minus, das es zu vermeiden gilt. Die Vorbehalte gegen Aktieninvestitionen sind jedoch hoch: Das vorhandene Risiko und die Komplexität der Finanzmärkte schrecken ab. Zudem kommen oft unübersichtliche Investitionskosten hinzu: Die Bank und gerade ein aktiver Fondsmanager wollen gut bezahlt werden, was die Rendite schmälert. Passive Vermögensbildung wird deswegen immer beliebter, auch weil mittlerweile wissenschaftlich belegt ist, dass aktiv gemanagte Fonds zwar kurzfristig besser als der Markt abschneiden können, nicht aber über längere Zeiträume. In den letzten Jahren hat sich demgegenüber eine einfache Alternative etabliert: Exchange Traded Funds (ETF). Diese Finanzprodukte replizieren passiv die Auf- und Ab-Bewegung der Referenzindizes.

Breiter Weltindex mit 23 Industrieländern und über 1600 Firmen

So kann man etwa einen ETF auf den MSCI-World besparen, der einen breiten Weltindex mit 23 Industrieländern und über 1600 Firmen darstellt und der damit eine unkomplizierte Diversifikation erlaubt. Bei einer Gesamtkostenquote (TER) von meist unter 0,30% sind ETFs unschlagbar günstig – vor allem im Vergleich zu gemanagten Fonds. Und sie eignen sich gerade auch für Anleger, denen Einzelaktien zu risikoreich sind und die nicht jeden Tag ihr Depot im Blick haben wollen. Wer ob der teils hohen Volatilität weiß, dass er das dort investierte Geld längere Zeit nicht braucht, oder ohnehin für die Altersvorsorge verwenden will, ist gut beraten, gerade in schlechten Börsenzeiten weiter fleißig ETF-Anteile zu kaufen. Im Rückblick sind Krisen immer kürzer als die Phasen des Marktanstiegs. Von daher kann man ganz passiv mit kleinen Monats- oder Halbjahresbeträgen ein stattliches Vermögen ansparen, das zudem jederzeit verfügbar ist. Mittlerweile gibt es auch viele ethisch aufgestellte ETFs, die problematische Branchen wie etwa Waffenhersteller aus ihrem Portfolio heraushalten. Vor dem Hintergrund der aktuellen geld- und finanzpolitischen Entwicklungen und der zu erwartenden Rentenlücke muss auch vonseiten der Politik alles dafür getan werden, dass gerade Kleinanlegern, die für ihr Alter mit Aktien vorsorgen wollen, nicht noch mehr Steuerlast aufgebürdet wird.

Finanztransaktionssteuer träfe die Falschen

Der Vorstoß von Finanzminister Scholz, bis 2021 eine Finanztransaktionssteuer einzuführen, trifft aber ausgerechnet jene, die mit ihrem bereits versteuerten Nettoeinkommen die so notwendige private Vorsorge betreiben. Während etwa der Handel mit Derivaten, der bei der Finanzkrise eine große Rolle spielte, nicht von der Steuer betroffen ist, sollen ausgerechnet Aktientransaktionen ab 2021 mit mindestens 0,2 Prozent besteuert werden. Ein schwerer Fehler besonders in einem Land, dessen Aktienkultur so schwach ausgeprägt ist. Stattdessen sollte die Politik Anreize schaffen, um das Sparen in Form von Aktien und ETF-Fonds noch interessanter zu machen. Reine Symbolpolitik zu erneuten Ungunsten des deutschen Sparers in Form einer solchen Aktiensteuer ist hier der völlig falsche Ansatz.