Kolumne: „Fair-wandel“ dein Klima

Von Nicole Podlinski

Nicole Podlinski. Foto: privat
Nicole Podlinski. Foto: privat

Vor der großen Klimakonferenz in Paris, hat der Papst seine Enzyklika „Laudato si“ herausgegeben, um auf die Umweltzerstörung, den Klimawandel und deren katastrophale Auswirkungen auf die Armen hinzuweisen. So sagt er in der Enzyklika: „Die menschliche Umwelt und die natürliche Umwelt verschlechtern sich gemeinsam“ (48).

Papst Franziskus erklärt die Atmosphäre zu einem Gemeinschaftsgut und erläutert: „Das Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen und für alle“ (23). Er weiß um die völkerrechtlichen Konsequenzen, die dies für uns alle hat. Denn es ist christlicher Auftrag, dass wir Christen dieses Gemeinschaftsgut schützen und bewahren sollen, so wie die ganze Schöpfung.

Der Papst erläutert, dass wir in den Industrieländern in den letzten 200 Jahren die Atmosphäre stark belastet haben, mit „Auswirkungen auf die ärmsten Zonen der Erde, besonders in Afrika, wo der Temperaturanstieg, vereint mit der Dürre, verheerende Folgen für den Ertrag des Ackerbaus hat“ (51).

Papst Franziskus ist von den besten Wissenschaftlern beraten worden. Er weiß um Wirkungen des Klimawandels auf die Armen, von denen viele immer noch von kleinbäuerlicher Landwirtschaft leben. Die Auswirkungen des Klimawandels auf Pflanzenbau und Tierhaltung werden weltweit große Anpassungen erfordern. Die Ausbreitungsgebiete von Schädlingen, sowie Krankheiten von Pflanzen und Tieren nehmen zu. Gleichzeitig befürchtet man, dass die Ernten durch Wetterextremereignisse und veränderte Niederschlagsmuster abnehmen werden. Selbst die Inhaltsstoffe der Pflanzen könnten sich durch erhöhten Kohlendioxidgehalt in der Luft verschlechtern. So wird zum Beispiel auch befürchtet, dass der Proteingehalt mancher Pflanzen wie Weizen oder Reis sinkt.

Das ist fatal für jene, die hungern und sich immer am Rande dessen ernähren, was ein gesunder Körper braucht. Sie essen die gleiche Menge, aber ihr Körper kommt noch weniger in den Genuss der essenziellen Proteine, die zum Beispiel für Kinder so wichtig sind. Auch wer vor gut gefüllten Fleischtöpfen sitzt, den wird es früher oder später berühren, wenn die Anderen mehr leiden.

Die Menschheit hat sich das „Zwei-Grad-Ziel“ gesetzt und wir alle sollten helfen, es zu erreichen. So sind wir als Verbraucher in allen Sektoren wie Wohnen, Verkehr und auch im Nahrungsmittelverzehr gefordert, nicht mehr zu nehmen als wir brauchen. Jedoch müssen auch die Produktionsmodelle klimafreundlicher werden. So wird die Landwirtschaft nicht nur Betroffener dieser Herausforderungen im Klimawandel sein, sondern sie hat auch enorme Möglichkeiten, Kohlendioxid zu mindern und den Ausstoß noch schädlicherer Treibhausgase zu reduzieren. Der klimaschädliche Ausstoß von Methan wird auch durch Tierhaltung und das noch schädlichere Lachgas durch Düngung und Bodenbearbeitung beeinflusst. Gleichzeitig beobachten wir fortschreitende Entwaldung und den Verlust der Biodiversität.

Aber die Landwirtschaft hat auch ein enormes Potenzial, Kohlendioxid im riesigen Ökosystem Boden durch klimafreundlichere Anbaumethoden und Agroforstsysteme zu binden. Das ist zum Teil auch schon heute der Fall, jedoch können auch andere Treibhausgase durch exaktere Technologien zur Ausbringung von Düngemitteln entwickelt werden.

Wir müssen forschen für eine Landwirtschaft, die klimafreundlicher wird. In unserem eigenen Interesse und im Sinne der Armen ist es, bei allen Produktionsmodellen unsere Verantwortung wahrzunehmen und über alle Möglichkeiten nachzudenken.

Nach wie vor gilt, dass es gemeinsame, aber differenzierte Verantwortlichkeiten gibt, einfach weil – wie die Bischöfe von Bolivien gesagt haben – „die Länder, welche auf Kosten einer enormen Emission von Treibhausgas von einem hohen Grad an Industrialisierung profitiert haben, stärker dafür verantwortlich sind, zur Lösung der Probleme beizutragen, die sie verursacht haben“ (127).

Wir brauchen eine Diskussion über eine gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft, die ressourcenschonend und klimafreundlich produziert und auch das Tierwohl achtet. Und sie hat zusätzlich die Aufgabe, bezahlbare Lebensmittel zu produzieren. Welche Formen sind zukunftsfähig – im globalen Süden und bei uns? Eins ist klar, noch billiger werden diese Lebensmittel nicht. Aber nachhaltiger produziert, hoffentlich mehr in unserer Region. Auf jeden Fall mit dem neu ausgerichteten Fokus auf die klimatischen Herausforderungen und die Menschen, die weltweit und auch bei uns in der Landwirtschaft arbeiten.

Für Verbraucher und Bauern in Deutschland sind diese Aussagen des Papstes weder angenehm noch einfach umzusetzen, weil sie eine Änderung im Lebensstil und vielleicht auch in der Landwirtschaft verlangen.

Allerdings denke ich, sie werden uns am Ende besser schmecken, diese „Mittel zum Leben“, wenn wir wissen, dass sie die Armen nicht noch ärmer machen. Jetzt sind die Staatenlenker bei der großen Klimakonferenz in Paris gefragt, wir alle hoffen, dass sie einen Weg finden.

Die Autorin ist Bundesvorsitzende der katholischen Landvolkbewegung