Kolumne: Ethische Geldanlage

Von Brigitta Herrmann

Brigitta Herrmann. Foto: Archiv
Brigitta Herrmann. Foto: Archiv

Was passiert gerade mit meinem Geld, dem Geld, das ich angelegt habe? Auf diese Frage sollten Christen und Christinnen eine Antwort geben können, denn es reicht nicht, sein Geld gewinnbringend anzulegen. Die aus christlicher Sicht bedeutsame Frage ist, womit erziele ich Gewinne? Papst Franziskus hat bereits zu Beginn seiner Amtszeit eindringlich vor der absoluten Autonomie der Märkte und der Finanzspekulation gewarnt. Diese führen – wie er in Evangelii gaudium darlegt – zur Ausgrenzung der Schwächsten in den Gesellschaften. Politiker fordert er auf, die Wirtschaft und das Finanzsystem so auszugestalten, dass sie den Menschen dienen. (Ev. gaudium 55–57) Die Würde jedes einzelnen Menschen muss im Mittelpunkt stehen, denn jeder Mensch ist nach dem Bild Gottes geschaffen.

Der Papst stellt klar, dass er alle Menschen liebt, Reiche und Arme, im Namen Christi habe er aber die Pflicht, daran zu erinnern, dass die Reichen den Armen helfen, sie achten und fördern müssen. Wirtschaft und Finanzleben müssen zu einer Ethik zugunsten des Menschen zurückkehren. (58)

Grundanliegen des Papstes in Evangelii gaudium ist, dass alle Menschen die Freude und das Licht des Evangeliums erfahren sollen. Wenn Menschen jedoch ausgegrenzt sind aus dem Wirtschaftssystem und wie Müll behandelt werden (53), können sie die Freude des Evangeliums nicht erleben.

„Das Geld muss dienen, nicht regieren“ fordert der Papst. (58) Dementsprechend sollten die Regierenden dafür sorgen, dass alle Bürger eine würdevolle Arbeit und Zugang zum Bildungs- und Gesundheitswesen haben. (205) Alle Christen sollten kreativ und wirksam daran mitarbeiten, dass die Armen in Würde leben können und niemand ausgeschlossen wird. (207)

Es scheine zwar in dem geltenden privatrechtlichen Erfolgsmodell wenig sinnvoll, zu investieren, damit die Schwachen oder die weniger Begabten es im Leben zu etwas bringen können. (209) Dennoch sind wir als Christen aufgefordert, uns ein Beispiel an Jesus zu nehmen, der sich mit den Geringsten identifiziert hat und uns ebenfalls um die Schwächsten der Erde zu kümmern. (209–210) Es kann zwar nicht jeder direkt armen Menschen in Entwicklungsländern helfen, aber mit der Überprüfung der eigenen Geldanlagen kann man zumindest sicherstellen, dass das eigene Geld keine weitere Beeinträchtigung der Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten von Armen verursacht. So hat Papst Franziskus am 11. Mai 2015 in einer Audienz dringend vor der Unterstützung der Waffenindustrie gewarnt, die am Krieg verdient und kein Interesse an einem friedlichen Zusammenleben hat. Falls bei den eigenen Geldanlagen Zweifel bestehen, ob beispielsweise durch eine Beteiligung an Fonds auch Waffenproduktion gefördert wird, empfiehlt es sich, schnellstmöglich bei der Bank oder Fondsgesellschaft nachzufragen und gegebenenfalls die eigenen Geldanlagen umzuschichten. Es gibt inzwischen eine große Auswahl an ethischen Anlagemöglichkeiten. Sie reichen von Investitionen in Umweltschutz und erneuerbare Energien über Anlagen bei den kirchlichen Orden für die Förderung ihrer Projekte in Entwicklungsländern über spezielle sozial und nachhaltig ausgerichtete Fonds bis hin zur Förderung von Mikrokrediten, mit denen Arme in Entwicklungsländern eine kleine Geschäftsidee in die Tat umsetzen können und mit den erwirtschafteten Gewinnen sowohl ihre Kredite zurückzahlen als auch ihre Kinder zur Schule schicken und das eigene Leben in die Hand nehmen können.

Viele Menschen nehmen mit ihren Geldanlagen bereits seit längerem Verantwortung wahr wie auch kirchliche Einrichtungen und Organisationen. Wenn diejenigen, die bisher noch nicht über ihre Geldanlagen nachgedacht haben, auch Verantwortung in diesem Bereich wahrnehmen, trägt das zur Erfüllung unseres christlichen Auftrages bei und dazu, dass die Freude des Evangeliums in der Welt spürbarer wird.

Die Autorin ist Professorin für Globalisierung, Entwicklungspolitik und Ethik an der Cologne Business School und Mitglied des ZdK