In der Krise wächst die Versuchung

Beim Dritten Unternehmertag in Dortmund stand Korruptionsvermeidung im Vordergrund

Korruptionsvermeidung ist gleichbedeutend mit Korruptionsbekämpfung – so lassen sich die Ergebnisse beim Dritten Unternehmertag in Dortmund am Donnerstagabend zusammenfassen. Oder wie es Peter von Blomberg, Jurist und stellvertretender Vorsitzender von Transparency International, formulierte: „Maßnahmen zur Prävention und wirksame Kontrollinstrumente in Unternehmen sind wesentlich bei der Bekämpfung von Korruption, also von unlauteren Mitteln zur Erreichung wirtschaftlicher Vorteile.“

Zum dritten Mal lud die Kommende Dortmund – zusammen mit der Bank für Kirche und Caritas im Erzbistum Paderborn – in den Westfälischen Industrieclub zum Dortmunder Unternehmertag ein. Unter dem Leitwort „Erfolgreich nachhaltig“ diente dieser Unternehmertag mit rund 70 Vertretern aus Industrie und Handwerk in Dortmund und anderen Orten des Erzbistums als Gesprächsforum und Ideenbörse. Der Direkter der Kommende, Prälat Peter Klasvogt, machte in seiner Einleitung deutlich, dass der inzwischen vielzitierte Begriff der „Nachhaltigkeit“ zu einem Synonym geworden sei für eine auch ethisch begründete Form des Wirtschaftens. „Nachhaltigkeit bedeutet zum Beispiel auch, dass man sich wirtschaftliche Vorteile eben nicht mit unlauteren Mitteln und zum Schaden anderer verschaffen darf.“

Im Mittelpunkt des Dritten Unternehmertags stand das Thema Korruptionsbekämpfung. Hintergrund waren Skandale vor allem um Großkonzerne wie Siemens. Klaus Moosmeyer, seit Dezember 2007 Compliance Operating Officer der Siemens AG, erläuterte, wie die Unternehmensleitung inzwischen gegengesteuert hat: durch Hinzuziehung externer Berater, durch Schulungen von Mitarbeitern, durch ein neues sogenanntes „compliance Programm“ – abgeleitet vom englischen Wort für „Einhaltung“. Dieses Programm soll dazu beitragen, die bessere Einhaltung bestimmter – auch ethischer – Regeln im Unternehmen zu gewährleisten. Moosmeyer machte deutlich, dass Siemens als Unternehmen zur Zeit einen „Kulturwandel“ durchlaufe. Es gehe darum, wieder Vertrauen in die Integrität des Unternehmens herzustellen. Vertrauen sei ein wesentliches Grundprinzip des Wirtschaftens – das zeige sich gerade jetzt in der Krise. „Wir wollen nicht einfach nur einen neuen Kriterienkatalog aufstellen. Wir achten auch auf die Umsetzung. Dabei geht auch um Schulungen von Personen, um sie für das Thema ,Schäden durch Korruption‘ zu sensibilisieren“, so Moosmeyer, der allerdings einräumte, dass Korruptionsgefahr in Zeiten der Wirtschaftskrise zunehme, weil der Druck auf Unternehmen im Kampf um Großaufträge wachse.

Peter von Blomberg von Transparency International ergänzte: „Korruption ist mehr als nur eine Randerscheinung unserer Wirtschaft, ist nicht nur ein Problem der großen Konzerne! Wir können uns deshalb unsere Doppelmoral im Hinblick auf Auslandskorruption in Ländern wie Italien und Regionen wie Afrika, auf die wir bisher mitleidig herabgesehen haben, künftig nicht mehr leisten.“

Der Jurist von Blomberg machte auch deutlich, dass Korruption bleibende Schäden anrichtet: „Denn sie beeinträchtigt nicht nur den Preis- und Qualitätswettbewerb innerhalb der Wirtschaft. Korruption beschädigt das Vertrauen der Öffentlichkeit in die ethische Verlässlichkeit von Unternehmen und damit auch von Politik und Verwaltung, solange sich diese als unfähig erweisen, solche Auswüchse zu bekämpfen.“ Korruption sei demnach ein ernstzunehmendes Problem für die Stabilität von Demokratie.

Von Blomberg sprach über wirksame „Kontrollinstrumente“ zur Korruptionsvermeidung. Dazu gehöre etwa das Vier-Augen-Prinzip. Entscheidungen sollten nicht von einzelnen Personen getroffen werden, sondern immer zu zweit. Wichtig sei auch die Aufteilung komplexer Geschäftsfelder in verschiedene Hände und das Prinzip der „Job Rotation“. Das heißt: der Wechsel von Personen in bestimmten Schlüssel-Positionen. Denn, so von Blomberg: „Je länger jemand in einer bestimmten Position ist, desto mehr steigt das Korruptionsrisiko.“ Ein weiteres wichtiges Element bei der Korruptionsvermeidung sei Transparenz. „Man muss sich immer fragen: Wie lässt sich die Heimlichkeit unterbinden? Wie kann ich Regeln aufstellen, um Transparenz zu schaffen? Das beginnt mit dem Gespräch beim Chef, der schriftlichen Dokumentation bestimmter Vorgänge. All das trägt dazu bei, Transparenz herzustellen, noch ehe die eigentliche Korruption beginnt. Transparenz ist das wohl wirksamste Instrument gegen Korruption.“ Von Blomberg räumte ein, dass gerade in einer Krisensituation die Versuchung groß sei, ursprünglich selbst gesetzte Regeln, nicht so genau zu nehmen. Hier gelte: Je klarer eine Unternehmensleitung ihre Null Toleranz-Politik gegenüber Korruption verfolgt, desto sicherer würden in der Krise auch die Kontrollmechanismen funktionieren.