In Skandal verwickelt

Kinderschutzbund und katholisches Kinderheim räumen Beteiligung an Gelsenkirchener Jugendamtsskandal ein

Wuppertal/Gelsenkirchen (DT/KNA) Im Gelsenkirchener Jugendamtsskandal hat die katholische St. Augustinus Heime Gesellschaft nun doch eine Beteiligung der von ihr geführten Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung St. Josef eingeräumt. Die Heimleiterin sei vorerst von ihren Aufgaben entbunden worden, teilte die Gesellschaft am Mittwoch in Gelsenkirchen mit. Auch der Gelsenkirchener Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) gab eine Mitwirkung zu, wie der NRW-Landesverband in Wuppertal mitteilte.

Der Gelsenkirchener Jugendamtsleiter Alfons Wissmann und sein Stellvertreter Thomas Frings stehen im Verdacht, sich mit der von ihnen in Ungarn gegründeten Einrichtung „Neustart“ bereichert zu haben. Die Behörde soll laut der ARD-Sendung „Monitor“ gezielt immer mehr Jugendliche in das katholische St.-Josef-Heim in Gelsenkirchen geschickt haben. Als Gegenleistung habe das Heim Jugendliche von anderen Jugendämtern nach Ungarn geschickt. Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt laut einem Sprecher in der Sache, bislang aber noch gegen Unbekannt und damit gegen keine konkrete Person. Laut St. Augustinus gab es zwischen der Leiterin von St. Josef und der Firma „Neustart“ Verbindungen. In einem der Gesellschaft bislang nicht bekannten Info-Flyer werde die Jugendhilfeeinrichtung als „deutscher Kooperationspartner“ und die Leiterin als Ansprechpartnerin bezeichnet. Die Erstellung des Flyers und die Verbindung zu „Neustart“ sei ohne Wissen der Organe der St. Augustinus Heime Gesellschaft erfolgt.

Zunächst hatte diese erklärt, dass kein Zusammenhang zwischen Auslandsaufenthalten von Jugendlichen und der Belegung im Kinderheim existiere. Der Heimträger bat den Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Aufsichtsbehörde um Unterstützung bei der Aufarbeitung. Auch der Kinderschutzbund Gelsenkirchen war laut Landesverband an der Unterbringung von jungen Menschen bei „Neustart“ in Ungarn beteiligt. Um welche Kosten es geht, werde geprüft. Der stellvertretende Jugendamtsleiter Frings sei aufgefordert worden, sein Amt als Vizevorsitzender im DKSB-Ortsverband ruhen zu lassen, bis die Sachlage eindeutig geklärt ist. Ob und in welchem Umfang er persönliche Interessen bei seiner Arbeit für den Kinderschutzbund verfolgt habe, werde ebenfalls geprüft. Der Kinderschutzbund schloss nach eigenen Angaben bereits am 15. Dezember 2004 einen Leistungsvertrag mit der „Neustart“-Einrichtung. Danach verpflichtete sich der DKSB, für alle betreuten Kinder im Ausland eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Der Vertrag offenbart auch eine Schlüsselrolle des St.-Josef-Heims. Darin heißt es, dass „Neustart“ „nach den fachlichen Vorgaben“ der für die Hilfeplanung verantwortlichen Heimmitarbeiter arbeite. Deren Letztverantwortlichkeit und Weisungsbefugnis sei von „Neustart“ zu akzeptieren. Gegenüber dem WDR erklärte das Jugendamt Gladbeck: „Unser Ansprechpartner“ bei der Unterbringung von Jugendlichen in dem ungarischen Heim „war St. Josef“.