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Gewinn und Gemeinwohl

Was es heißt, ethisch Geld anzulegen. Ein Überblick über Modelle.

Börse in Frankfurt/Main
Ethische Aspekte stehen bei potenziellen Anlegern immer öfter hoch im Kurs. Zumal eine gewisse Nachhaltigkeit nicht eine hohe Rendite ausschließt. Foto: dpa

Die globale Klimakrise zwingt auch Stiftungen, ihr Handeln zu überprüfen. Die „Fridays-for-Future-Bewegung“ hat etwa das Thema Klimaschutz ganz oben auf die politische Agenda katapultiert. Dabei arbeiten die Umweltstiftungen bereits seit Jahren an dem Thema. So hat der Arbeitskreis Umwelt im Bundesverband Deutscher Stiftungen Handlungsempfehlungen und Erklärungen erarbeitet und veröffentlicht.

Stiftungen haben oft gute Zielsetzungen, hervorragende Projekte, bei denen es auch um Klimaschutz, Lebensstilfragen und soziale Gerechtigkeit geht.

Kapitalbildung, Spendenpolitik, Projektförderung

Im Zentrum stehen dabei Fragen der Kapitalbildung, Spendenpolitik und Projektförderung. Es gibt neben den konventionellen Kreditinstituten einen wachsenden Markt an alternativen und kirchlichen Banken, die ihre Bankgeschäfte nach ethischen und ökologischen Kriterien ausrichten.

Eine überzeugende Orientierungshilfe zu ethisch-nachhaltigem Investment haben 2015 das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und die Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht: „Ethisch-nachhaltig investieren“. Der Ratgeber soll die Finanzverantwortlichen in den kirchlichen Einrichtungen dabei unterstützen, ihre Gelder unter Berücksichtigung ethischer Kriterien anzulegen.

Die Orientierungshilfe soll zur Diskussion über diese Kriterien anregen und gibt praktische Hinweise zur Umsetzung einer ethisch orientierten Anlagepolitik. Ethische Maßstäbe sind demnach insbesondere der Schutz des menschlichen Lebens, die Einhaltung und Förderung der Menschenrechte, die Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern und die Bewahrung der natürlichen Umwelt.

Erstellt wurde die Orientierungshilfe auf Anregung der Gemeinsamen Konferenz von Finanzexperten aus den Diözesen, Kirchenbanken, Orden, Hilfswerken, Verbänden, des Deutschen Caritasverbandes und der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse.

Hundertprozentige Nachhaltigkeit gibt es nicht

Diese Orientierungshilfe ist hilfreich bei Entscheidungen, meint Ludger Woltering von der DKM Darlehnskasse Münster eG gegenüber dieser Zeitung: „Wichtig ist uns die Aussage, dass man niemals davon sprechen kann, zu hundert Prozent ethisch-nachhaltig zu agieren oder Geld anzulegen. Dafür ist einerseits die Perspektive zu unterschiedlich und zum anderen ist durch die ständige Neubewertung von Unternehmen oder auch Staaten eine gewisse Fluktuation vorhanden – das einzelne Anlagepapier oder die einzelne Aktie kann also durchaus im letzten Jahr aufgrund unserer Bewertungskriterien noch nachhaltig gewesen sein, in diesem Jahr allerdings nicht mehr.“ Die DKM Darlehnskasse Münster betreibt seit 1961 Bankgeschäfte für Kirche und Caritas im Bistum Münster und beschränkt ihren Kundenkreis als Direktbank auf Institutionen und Mitarbeiter kirchlich-karitativer Einrichtungen.

Das magische Dreieck der Kapitalanlage

Bevor ethisch-nachhaltige Kriterien im Anlageprozess aktiv werden, sind Voraussetzungen zu schaffen. Die Ermittlung des Finanzbedarfs und die Strukturierung des Anlagevermögens etwa. Sie finden ihren Ausdruck im sogenannten „magischen Dreieck“ der Kapitalanlage, das aus den drei Zielen Liquidität, Sicherheit und Rendite besteht. Dieses Dreieck ist nach Darstellung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen „Ausgangspunkt einer jeden verantwortungsbewussten Anlagepolitik. Die wichtigsten objektiven Anlagekriterien einer Vermögensanlage sind die Sicherheit, die Liquidität und die Rentabilität. Sie stehen in einem Verhältnis, welches man als magisches Dreieck der Geldanlage bezeichnet. Anhand dieser drei Kriterien kann man jede Anlageform beurteilen und einschätzen.“ Die drei zum Teil miteinander konkurrierenden Ziele müssen in ein Verhältnis zueinander gesetzt werden.

Kein Verzicht auf Rendite

Bei einem Verstoß gegen ein Kriterium darf etwa nicht in die Finanztitel betroffener Staaten und Unternehmen investiert werden. Zu den Ausschlusskriterien zählen zum Beispiel Abtreibung, Arbeitsrechtsverletzungen, embryonale Stammzellforschung oder Pornografie.

Übrigens arbeiten ethisch-nachhaltig wirtschaftende Unternehmen häufig rentabler, weil sie zum Beispiel sparsam mit den Ressourcen umgehen und ihren Mitarbeitern gute Arbeitsbedingungen bieten. Das wirkt sich positiv auf die Effektivität aus. Auf Rendite brauchen solche Investoren nicht zu verzichten.

Und wie bei jedem Kreditinstitut mit Sitz in Deutschland sind auch die Einlagen bei alternativen und kirchlichen Kreditinstituten durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt.