„Dumpingpreise nicht hinnehmbar“

EU-Abgeordneter will verbindliche Standards für Textilbranche

Brüssel (DT/KNA) Der EU-Abgeordnete Arne Lietz (SPD) fordert mehr Transparenz in den Lieferketten von Textilunternehmen und verbindliche Regeln. Freiwillige Standards hätten sich als „unzureichend“ erwiesen, sagte der Europaabgeordnete der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Freitag in Brüssel. Seiner Meinung nach bedarf es zudem einer angemessenen Preisgestaltung für Textilien. „Die aktuellen Dumpingpreise sind mittel- und langfristig nicht mehr hinnehmbar.“ Die Frage sei auch, wo die Gewinne hingingen. „Wir tragen mit dafür Verantwortung, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Textilbranche fair entlohnt werden und unter guten Arbeitsbedingungen produzieren.“ Auch bei der öffentlichen Auftragsvergabe müsse auf nachhaltige und faire Lieferketten geachtet werden, fordert Lietz. Am kommenden Donnerstag (27. April) stimmt das EU-Parlament über den Initiativbericht „EU-Leitinitiative für die Bekleidungsbranche“ ab. Lietz, der sich im Entwicklungsausschuss des Parlaments engagiert, ist mitverantwortlich für den Bericht.

Die EU produziert fast keine Kleidung selbst. Die meisten Textilien werden in Schwellenländern hergestellt. Die Lieferketten der Textilindustrie zählen zu jenen mit dem höchsten Risiko für Menschenrechtsverstöße. Weltweit sind 75 Millionen Menschen an der Produktion von Bekleidung beteiligt. Drei Viertel sind Frauen. 2012 starben 1 100 Menschen, als eine Textilfabrik in Rana Plaza in Bangladesch einstürzte.

In Deutschland gibt es seit 2014 das Bündnis für nachhaltige Textilien. Produzenten und Händler wollen konkrete Verbesserungen der sozialen und ökologischen Standards in der Textil- und Bekleidungsindustrie erreichen. Eigenen Angaben zufolge hat das Bündnis 150 Mitglieder, darunter Kik, H&M und Primark. In anderen europäischen Ländern gibt es ähnliche Initiativen, etwa die Fair Wear Stiftung in den Niederlanden. Orientieren soll sich die EU-Leitinitiative an den im Februar von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgestellten Vorgaben.

Der Leiter des Fair Trade Advocacy Büros in Brüssel, Sergi Corbalan, begrüßt die Initiative des Europaparlaments. „Das ist ein Schritt nach vorne“, sagt er. Er hoffe, dass das Plenum ein starkes Signal an die Kommission sende und diese dann handele.