„Das ist moderne Sklaverei“

Rund 150 Millionen Kinder leiden weltweit unter Kinderarbeit. Von Carl-Heinz Pierk

Sklaverei
ARCHIV - Ein Kind zeigt seine Hände in der Goldmine Poushgin in Zorgho in Burkina Faso am 07.11.2009. Mit Henna versuchen die Kinder die Haut zu schützen, die durch das Arbeiten mit Quecksilber stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Foto: Jens Kalaene/dpa (zu dpa "Am 2. Dezemb... Foto: Jens Kalaene (dpa)

Kinderarbeit – ein Relikt aus alten Zeiten? Von wegen. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten rund 152 Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren unter Gegebenheiten, die als Kinderarbeit einzustufen sind, nahezu die Hälfte von ihnen unter ausbeuterischen und oft gesundheitsschädlichen und gefährlichen Bedingungen. In den Kobalt-Minen im Kongo ist Kinderarbeit Alltag – die jüngsten Kinder, die hier Rohstoffe aus der Erde kratzen, sind gerade einmal vier Jahre alt. Das seltene Metall Kobalt benötigt man, um Smartphone- und andere Akkus herzustellen. Über die Hälfte des heute weltweit verwendeten Kobalts stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, wo Ausbeutung in den Minen an der Tagesordnung ist. Die Arbeitsbedingungen sind oft unvorstellbar und der Einsatz von Kindern ist weit verbreitet. Für ihre harte körperliche Arbeit in den Kobalt-Minen verdienen die Kinder mitunter weniger als 10 Cent am Tag.

Ein kritisches Bewusstsein für diese Ausbeutung von Kindern soll der „Internationale Tag gegen Kinderarbeit“ schaffen, der von der Internationalen Arbeitsorganisation 2002 ins Leben gerufen wurde und jedes Jahr am 12. Juni stattfindet. Papst Franziskus sprach vergangenes Jahr aus diesem Anlass von einer „modernen Sklaverei“, die Millionen von Kindern ihrer Grundrechte beraube und sie großen Gefahren aussetze. Zu den „schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ zählen die Vereinten Nationen (ILO-Konvention Nr. 182 von 1999): Sklaverei und sklavenähnliche Abhängigkeiten, Zwangsarbeit einschließlich des Einsatzes von Kindersoldaten, Kinderprostitution und Kinderpornographie, kriminelle Tätigkeiten wie den Missbrauch von Kindern als Drogenkuriere sowie andere Formen der Arbeit, die die Sicherheit und Gesundheit der Kinder gefährden können. Fast alle Staaten der Welt haben sich auf das Ziel geeinigt, jegliche Form der Kinderarbeit, angefangen mit der gerade beschriebenen schlimmsten Form, bis zum Jahr 2025 vollständig abzuschaffen.

Die meisten Kinder arbeiten nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen in der Landwirtschaft (70,9 Prozent), in der Industrie (11,9 Prozent) und als Hilfskräfte im Dienstleistungsbereich (17,2 Prozent). Weitgehend im Verborgenen arbeiten geschätzte 15 Millionen Kinder und Jugendliche in privaten Haushalten – der Großteil von ihnen Mädchen. Viele von ihnen haben überlange Arbeitszeiten. Sie sind stark von ihren Arbeitgebern abhängig und kaum geschützt vor Gewalt oder sexuellen Übergriffen. Übrigens ist der überwiegende Teil der Kinder nicht angestellt: Über zwei Drittel arbeiten im Familienverbund mit, zum Beispiel bei der Feldarbeit, Tiere hüten oder im Familienbetrieb, in der Regel unbezahlt.

Ist Kinderarbeit Unrecht? Auf die provokative Frage antwortet Caritas international: „Alles abschaffen? Ja. Denn eine Welt ohne Kinderarbeit ist zweifelsohne wünschenswert. Und der Junge, der Teppiche webt und nach drei oder fünf Stunden dann in die Schule geht, soll ihm die Arbeit rundum verboten werden? Nein. Denn würde alle Kinderarbeit heute verboten, so wäre die Konsequenz, Millionen Kinder in die Illegalität zu treiben – und häufig in noch größere Armut und Abhängigkeit.“