Bischöfe fordern Finanzreform

Marx: Neoliberale Ideologie für Krise verantwortlich

Angesichts der Finanzkrise fordern die katholischen Bischöfe in Deutschland eine Reform der weltweiten Wirtschafts- und Finanzordnung. Sie riefen am Donnerstag zum Abschluss ihrer Frühjahrsvollversammlung in Hamburg dazu auf, die Krise als Chance zu sehen, um die Grundprinzipien der sozialen Marktwirtschaft auch global zur Geltung zu bringen. Die Vollversammlung hatte sich am Mittwoch in einem Studienhalbtag mit der Krise beschäftigt.

Die Bischöfe appellierten zugleich an die Politik, mit den zur Stützung der Wirtschaft aufgelegten Konjunkturpaketen auch die Interessen der künftigen Generationen und der Entwicklungsländer zu berücksichtigen. Die Belastungen der Krise durch Inflationsgefahr und wachsende Verschuldung dürften nicht voll an künftige Generationen weitergegeben werden. Vorrangig müsse deshalb in Bildung, Infrastruktur oder erneuerbare Energie investiert werden. Auch eine neue Abschottung der Märkte und ein Nachlassen im Kampf gegen Armut und Hunger dürfe nicht die Antwort sein, sagte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Er verwies darauf, dass durch die Krise Hunderttausende von Existenzen vernichtet würden und tausende Menschen verhungerten. Auch eine neue Verschuldungskrise der Entwicklungsländer sei zu befürchten.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, forderte klarere Regeln für Haftung und Transparenz der Unternehmen. Der Freiburger Erzbischof verteidigte den Einstieg des Staates bei mehreren Banken; der Staat müsse jedoch zugleich klare Richtlinien für einen Ausstieg verabschieden. Bei Beteiligungen an Firmen müsse klar sein, dass nur solche Unternehmen gestützt würden, die allein aufgrund der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten seien. Zollitsch warnte zugleich vor einem Misstrauen gegenüber Gewinnstreben und wirtschaftlicher Freiheit. „Auch wenn wir den Missbrauch der Freiheit nicht ausschließen können, dürfen wir sie aber deshalb nicht grundlegend beschränken.“ Notwendig sei ein Vertrauen darauf, dass „die Freiheit im Ganzen mehr Dynamik zum Guten als zum Schlechten auslöst“.

Marx, der Sozialexperte der Bischofskonferenz ist, machte insbesondere die Deregulierung der Finanzmärkte und eine neoliberale Ideologie für die Krise verantwortlich; er kritisierte die einseitige Konzentration auf Spekulationsgewinne. Bei der Bezahlung von Bankern und Managern seien falsche Anreize gesetzt worden, die allein auf kurzfristigen Erfolg zielten. Forderungen nach einer Begrenzung von Manager-Gehältern wollte der Münchner Erzbischof nicht zustimmen. Wichtiger sei, dass die Gehälter an den langfristigen Erfolg und das Wohl des gesamten Unternehmens gebunden seien. (DT/KNA)