Würzburg

Kolumne: Geld, Glück und Klimaschutz

Wie viel Wirtschaftswachstum ist genug?

kolumne: Geld, Glück und Klimaschutz
Die Kolumne erscheint in Kooperation mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach.Der Autor arbeitet dort als Wissenschaftlicher Mitarbeiter.
kolumne: Geld, Glück und Klimaschutz
Die Kolumne erscheint in Kooperation mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach.Der ...

Klimaschutz ist derzeit in aller Munde und vielleicht auch bald im Grundgesetz. In den Debatten geht es auch um durch Verbote erzwungene Beschränkungen des Einzelnen. Doch beim Klimaschutz helfen Verzichtsbemühungen auf der Mikroebene des individuellen Lebensstils nicht viel, wenn sie nicht mit Maßnahmen auf der wirtschaftlichen Makroebene verbunden werden. Die aktuellen Debatten darüber, wie die Wirtschaft und ihr Wachstum klimaschonender zu gestalten sind, bieten auch neue Chancen für die Suche nach Antworten auf die Frage, wie die Wirtschaft zudem glücksförderlicher ausgerichtet werden kann.

 

Neuer Wohlstandsindikator

Neuseeland macht das vor, denn hier musste jüngst das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Wohlstandsindikator abdanken. Auf seinen Thron hat Premierministerin Jacinda Ardern jetzt ein „Wellbeing budget“ und damit die Lebensqualität ihrer Bürger als neuen Maßstab von Politik und Wirtschaft gesetzt. Und tatsächlich hat bereits 1974 der Wirtschaftswissenschaftler Richard Easterlin die Überzeugung der Standardökonomik erschüttert, dass mit steigendem BIP und damit einhergehenden Einkommenssteigerungen notwendigerweise auch das Glück zunehmen würde. Geld macht ab einem bestimmten Set Point nicht per se glücklich(er) – diese These haben die Economics of happiness längst empirisch weiter erhärtet.

Und wer kennt nicht die Ernüchterung, wenn die Glücksgefühle nach dem Kauf lang ersehnter Güter nur allzu schnell wieder verpuffen? Doch der derzeit oft stark moralisierend-paternalistisch konnotierte, aber doch unumgängliche Verweis auf die Notwendigkeit von Verzicht angesichts des Klimawandels lässt wohl auch nur bei den Wenigsten die Glücksgefühle sprießen. Vielleicht aber hilft dabei ein Perspektivwechsel, nämlich hin zur Suffizienz: der Genügsamkeit.

Wie viel Wirtschaftswachstum ist genug?

Auf ökonomischer Ebene muss Wachstum dann nicht per se verdammt, sondern vielmehr gefragt werden: Wie viel Wirtschaftswachstum ist genug? Wie gelingt, mit dem Soziologen Harald Welzer gesprochen, Transformation „by design“ statt „by disaster“? Für den Einzelnen bedeutet Suffizienz die Frage: Wie viel Geld, wie viel Konsum ist für mich genug? Es geht darum, mehr wertzuschätzen, was man schon hat, anstatt immer mehr zu wollen und damit doch nicht glücklicher zu werden. Auch die christliche Ethik kann zum Suffizienzdiskurs beitragen, und zwar mit der Kardinaltugend der Mäßigung. Christen fragen danach, wie viel Konsum genug ist für das Ziel, ein gottgefälliges Leben zu führen. Sie fallen dann nicht dem Konsumismus mit seinen Kollateralschäden anheim, der nur auf das Haben und nicht auf das Sein abzielt. Dabei geht es traditionell gesprochen auch um Dankespflichten gegenüber Gott. Statt ein Leben voller Dinge verheißt der Glaube an Jesus Christus ein Leben in Fülle. Der homo oeconomicus strebt nach Nutzenmaximierung, der homo christianus nach Liebesmaximierung, und das im besten Falle verbunden mit den wünschenswerten Nebenfolgen eines höheren Lebensglücks sowie der notwendigen Sensibilisierung für das Stöhnen der überlasteten Erde.