Was die Kirche tut

Fernöstliche Meditationstechniken wie Zen, Yoga oder Transzendentale Meditation (TM), esoterische Heilungs- und Channelingtechniken wie Reiki erfreuen sich großer Beliebtheit. Wie reagiert die Kirche darauf? Mit Blick auf die einzelnen Bistümer muss man konstatieren: kaum bis gar nicht. Sektenbeauftragte und Exorzisten warnen zwar vor diesen Trends, zum Teil haben esoterisch-spirituelle Angebote aber bereits Einzug in katholische Bildungshäuser gehalten. Mit Blick auf die Weltkirche sowie das Lehramt kann man antworten: sowohl pointiert als auch differenziert. In verschiedenen Dokumenten und Stellungnahmen nahm die Kirche mehrfach wertvolle Unterscheidungen zwischen den jeweiligen Praktiken, Inhalten und Motiven dieser Angebote vor.

Die Glaubenskongregation veröffentlichte 1989 das sehr lesenswerte Schreiben „Orationis formas“ („Über einige Aspekte der christlichen Meditation“). Das unter Federführung von Joseph Kardinal Ratzinger entstandene Schreiben machte keinen Hehl daraus, dass sowohl meditative Übungen sowie Gebete nur wirklich dann als christlich betrachtet werden können, wenn diese den personalen christlichen Gott im Zentrum haben, sowie christuszentriert und gemeinschaftsorientiert bleiben.

Welche Ansichten vertritt das kirchliche Lehramt, wenn es um Heilungstechniken oder esoterisch-spirituelle Denkansätze geht? Zwar gibt es hierfür keine Dokumente der Glaubenskongregation, dennoch hat sich der Päpstliche Rat für die Kultur 2003 mit dem Dokument „Jesus Christ, the Bearer of the Water of Life. A Christian reflection on the New Age“ dem New Age gewidmet, sowie das Committee on Doctrine der US-amerikanischen Bischofskonferenz 2009 „Guidelines for evaluating Reiki as an alternative therapy“ erstellt. Letzteres Dokument bezieht sich auf die Instruktion „Ardens felicitatis“ („Über die Gebete um Heilung durch Gott“), die am 30. November 2000 von der Glaubenskongregation veröffentlicht wurde. Die US-Bischofskonferenz betonte in ihrem Dokument, dass Reiki zum einen weder mit der christlichen Lehre noch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar sei und es deshalb nicht erlaubt ist, dieses in katholischen Gesundheitseinrichtungen zu dulden oder anzubieten. Zum anderen erteilte sie grundsätzlich solchen „Heilungen“ eine klare Absage, die sich weder durch göttliche Gnade noch auf natürlichem Wege vollziehen, sowie scheinbar durch Bezahlung erlernbar und zu erwerben seien.

Die Kirche empfiehlt eine Wiederentdeckung des Sakraments der Krankensalbung sowie die Lektüre des im „Benediktionale“ des Rituale Romanum enthaltenen Ordo benedictionis infirmorum, der verschiedene Texte beinhaltet, in denen um Heilung gebetet wird.

 

Hier finden Sie Hilfe und Beratung:

Wer in den Bann gefährlicher Sekten, neuheidnischer Gruppen oder einer modernen Verschwörungstheorie geraten ist, darf von der katholischen Kirche Hilfe erwarten. Die erste und in der Regel nächste Anlaufstelle ist der örtliche Seelsorger. Besonders das Sakrament der Buße hat in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung.

Darüber hinaus unterhalten die Diözesen und Bischofskonferenzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Fachstellen, bei denen Betroffene weitere Informationen und Beratung erhalten.

Eine Übersicht mit den Kontaktdaten einzelner Ansprechpartner in Deutschland und dem europäischen Ausland finden Sie unter www.weltanschauungsfragen.de beim

Fachbereich Weltanschauungsfragen

Erzdiözese München und Freising

089/54 58 13 0

Dachauer Straße 5, V. Stock

80335 München

Die Fachreferate der österreichischen Diözesen haben ihre Informationen gemeinschaftlich unter

www.weltanschauungsfragen.at zusammengefasst. Sie sind erreichbar beim

Bereich Weltanschauungsfragen

Erzdiözese Wien

Stephansplatz 4, Stiege 7, 1. Stock

A-1010 Wien

In besonderen Fällen können Gläubige das Bedürfnis nach dem liturgischen Befreiungsdienst der Kirche verspüren. Beim sogenannten Großen Exorzismus handelt es sich um eine spezielle Gottesdienstform. Diese wird von einem besonders ausgebildeten und vom Bischof beauftragten Priester durchgeführt. Der Exorzismus geht mit einer seelsorglichen und medizinischen Begleitung sowie dem Empfang der Sakramente einher. Weitere Informationen und Kontakte vermitteln die Diözesen.

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