Würzburg

Sollen wir alle flüchtenden Afghanen aufnehmen? – Das fragt sich ein französischer Sicherheitsexperte

Immer lauter wird die Forderung, alle flüchtenden Afghanen aufzunehmen – auch in Frankreich. Aurélien Marq betrachtet dies im "Causeur" im Lichte der 99 Prozent der afghanischen Bevölkerung, die für die Einführung der Scharia sind.
Afghanische Flüchtlinge an der iranischen Grenze
Foto: Iranian Red Crescent (ZUMA Press Wire) | Laut der Statistik des Pew Research Center im Jahr 2013, sind 99 Prozent der muslimischen Afghanen dafür, „dass die Scharia offizielles Gesetz des Landes“ werde.

In der französischen Zeitschrift Causeur stellt sich Aurélien Marq, als hoher Beamter zuständig für Fragen der inneren Sicherheit, die Frage, ob Frankreich künftige afghanische Migranten aufnehmen solle: „Gibt es unter ihnen gute Menschen, die einfach nur leben wollen, ohne jemandem Leid anzutun, und die unser Mitleid und unsere Gastfreundschaft verdienen? Ja, sicher. Gibt es unter ihnen Menschen, gegenüber denen wir die Pflicht haben sie aufzunehmen? Ja, selbstverständlich, angefangen bei unseren ehemaligen Hilfskräften“. 

Die meisten Afghanen sind für die Scharia als offizielles Gesetz

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Dennoch gibt er zu bedenken, dass das Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center im Jahr 2013 festgestellt hatte, dass 99 Prozent der muslimischen Afghanen dafür waren, „dass die Scharia offizielles Gesetz des Landes“ werde, 85 Prozent unter ihnen waren für die Steinigung von Frauen, die Ehebruch begingen, und 79 Prozent meinten, dass Islam-Abtrünnige getötet werden müssten.

Unter denen, die vor den Taliban flüchten, gebe es – laut Marq – „nicht nur verwestlichte Einwohner von Kabul, sondern auch Personen, die nicht einen Augenblick lang die Absicht haben, sich uns anzupassen, wenn wir sie aufnehmen, sondern die vielmehr wild entschlossen sind, ihre Lebensgewohnheiten fortzusetzen“. Wie etwa die Anhänger der „widerlichen Tradition des ‚Bacha bazi‘, bei der Jugendliche oder noch Jüngere als Sexsklaven gehalten werden. Erinnert sei daran, dass die Taliban diese Praktik verboten hatten: zwischen den Islamisten, die die Vergewaltigung und Zwangsverheiratungen von jungen Mädchen praktizieren, und ihren Feinden, die die Vergewaltigung und Sexsklaverei von Jungen praktizieren, ist man dennoch meilenweit entfernt vom gutmenschlichen Hollywood-Kliché, demzufolge wir mit offenen Armen all die netten Menschen aufnehmen sollten, die vor den Bösen flüchten. Auffälligerweise sind die Massen der ‚Flüchtlinge‘, die man uns zeigt, erneut keine Familien, sondern Gruppen junger Männer im kampffähigen Alter, die ihre Familien hinter sich lassen“.

Die Flüchtlinge müssten gezwungen werden, sich zu assimilieren

Allein die Tatsache, dass sie den neuen Herrschern des Landes entfliehen wollen, mache aus ihnen noch keine guten Menschen, bemerkt Marq. Natürlich dürfe man auch nicht jene 99 Prozent vergessen, „die die Scharia befürworten und keine große Meinungsverschiedenheit im Hinblick auf die Taliban haben, die sich aber angesichts unserer offenen Grenzen sagen, dass die finanziellen Beihilfen und der Komfort in einem Land der Kuffar [Ungläubige], das zur Plünderung angeboten wird, durchaus wert sind, ein bisschen Unglauben zu ertragen“.

Was soll also getan werden, fragt sich Marq. Man dürfe sich zunächst nicht fragen, „wie viele afghanische Flüchtlinge wir aufnehmen müssen oder wollen, und wie man sie anschließend integriert“. Wir müssten uns hingegen zunächst die Frage stellen, „welchen Grad von Zwang wir bereit sind, auf diejenigen auszuüben, die wir aufnehmen, um sie dazu zu zwingen, sich zu assimilieren – denn unsere Zivilisationen sind zu tiefgreifend anders, als dass einzig die Integration genüge“. Die Erkenntnis bei der Beantwortung dieser Fragen sei tragisch, meint Marq: „Unsere Fähigkeit Zwang auszuüben, um zur Assimilation zu verpflichten, ist hoffnungslos gering geworden: Wir sind – juristisch, intellektuell und moralisch – unbewaffnet, wir sind von den Regierenden entwaffnet worden, deren Priorität der Erkauf des ‚sozialen Friedens‘ und der Stimmen der schreienden Minderheiten ist, und wir haben uns selbst entwaffnet“.

Der Westen sollte sich Respekt verschaffen

Marq fragt sich weiter, ob wir wirklich bereit seien, Gendarmen auf die schießen zu lassen, die sich der französischen Laizität – also der Trennung zwischen Religion und Staat – verweigerten. Um diese den afghanischen Migranten aufzuerlegen? Sie kämen aus einer „kriegerischen, gewalttätigen Kultur, die zutiefst mit dem religiösen Gesetz verknüpft ist“. In ihrer Welt respektiere man nur diejenigen, die verstünden, sich Respekt zu verschaffen: „Sind wir zu dem nötigen Grad an Brutalität und Kampfgeist bereit, um bei ihnen durchzusetzen, uns zu respektieren“?
Hier liege unser Fehler. Wir könnten, so schreibt Marq weiter, afghanischen Migranten Asyl geben, „wenn wir fähig wären, jene unter ihnen zu bändigen, die es ablehnen, unseren Gesetzen zu gehorchen und unsere Gebräuche anzunehmen. Doch darauf haben wir im Namen der ‚Toleranz‘ und der ‚Öffnung gegenüber anderen‘ verzichtet. Unsere Regierenden und die gesamte Kaste der Gutmenschen jammern angesichts der Leiden der Afghanen und zücken die Schulter vor denen der Franzosen. Diejenigen, die wollen, dass wir unsere Pforten für jedermann öffnen, der vor den Taliban flieht, wollen auch, dass wir unsere Pforten der Ideologie der Taliban öffnen“.

Was soll also getan werden? Wir müssten uns, nach Ansicht des Autors, „moralisch, intellektuell und juristisch erneut ausrüsten“. Wir müssten „wagen, unser Land zurückzuerobern und überall unsere Gesetze und unsere Lebensweise respektieren zu lassen“. Und wir müssten „nur die aufnehmen, bei denen wir die Assimilation durchsetzen können, und die anderen ablehnen“. Das Asylrecht bedeute nicht, „den Wölfen die Türen zum Schafstall zu öffnen, noch nicht einmal den verwundeten Wölfen“. DT/ks

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