Rom: Keine Angst vor Harry Potter

Macht der Magie: Wem der „Osservatore Romano“ so seinen Segen gibt

Von Guido Horst

Auch der Vatikan gab nun seinen Segen – nicht so wie Papst Benedikt am Sonntag mit eingebundener Hand, sondern mit der Hauspostille des kleinen Kirchenstaats im Herzen Roms. Denn was in der italienischen Tagesausgabe des „Osservatore Romano“ steht, wird nun einmal im Stiefelstaat als Diktum des Vatikans gelesen. Auch wenn man weiß, dass die letzte Oberaufsicht über die Zeitung des Papstes bei Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone liegt – und sich niemand vorstellen kann, dass Benedikt XVI. die Hauptartikel selbst vor Andruck gegenliest. Also wem gab der Vatikan den Segen? Niemand geringerem als Harry Potter, der Romanfigur, die für Auflagen sorgt, von denen Verleger der Papst-Enzykliken nur träumen können. Genauer gesagt war es der soeben angelaufene Film „Harry Potter und der Halbblutprinz“, dem der Rezensent des „Osservatore“, Gaetano Vallini, vor einer Woche eine nicht enden wollende Würdigung widmete.

Keineswegs stelle Autorin Joanne Kathleen Rowling Magie und Hexerei als etwas Positives dar. Stattdessen werde die Linie zwischen Gut und Böse klar gezogen, der Zuschauer für das Gute eingenommen und die Gier von Lord Voldemort nach Unsterblichkeit als krampfhaft stigmatisiert. Der Film werbe nicht für Zauberkünste, sondern für positive Werte wie Freundschaft, Loyalität und Selbsthingabe.

Katholische Eltern – aufgepasst: Sollten irgendwann Kühle und Schlechtwetter die Ferien mit den Kindern verhageln, weist der „Osservatore Romano“ den Weg ins Kino. Dort wartet ein Harry Potter, bei dem man nicht fürchten muss, dass dunkle Mächte an den Seelchen nagen. Meint zumindest der „Osservatore Romano“. Und was in der Zeitung des Papstes steht, ist wohl keine schwarze Magie. Warum der Film dennoch kitschig bis peinlich ist, lesen sie heute in dieser Zeitung auf Seite 11.

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