Pressestimmen vom 19.09.2018

Wir alle sind gut darin zu kritisieren, zu meckern, über die EU zu schimpfen, über die Politik zu schimpfen, über jene zu schimpfen, die Pläne für die Zukunft machen: Es geht ja doch alles den Bach herunter, das schaffen wir nie … In dieser Atmosphäre des Misstrauens und der verbitterten Resignation hören die Menschen auf ihre niedersten Instinkte: Was meins ist ist meins, geh zurück in dein eigenes Land, hier bestimme ich. [...] Wir dürfen nicht nur zerstören, sondern müssen auch den Willen haben, etwas aufzubauen. […] Wenn Europa sich wieder bewusst wird, welchen Wert sein Zusammenhalt besitzt, und Frieden und Wohlstand aufbaut, dann kann es auch der schwierigen und schmerzhaften Frage der Migration begegnen. Sie ist keine Naturkatastrophe, sondern eine menschliche Flucht vor dem Hunger, die reguliert werden und der man mit Verstand und Entschlossenheit begegnen muss, ohne sich die Haare zu raufen und Türen und Fenster zu verriegeln in einem Anfall blinden Egoismus‘.

Die Angriffe gegen den Religionsunterricht sind ein Symptom für eine ideologische Borniertheit, die zu einem guten Teil dafür verantwortlich ist, dass nach 40 Jahren der Demokratie die Schule immer noch ein parteipolitisches Schlachtfeld ist. Die katholischen Schulen und Familien warnen, dass sie, wenn nötig, auf die Straße gehen werden, um das Grundrecht der Eltern auf die Wahl der Erziehung ihrer Kinder zu verteidigen. Jede Regierung müsste wissen, dass ein Bildungsgesetz, das langfristig bestehen soll, einen breiten politischen Konsens und die Beteiligung der wichtigsten Bildungsträger braucht. Die Kirche weiß, dass sie in einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft lebt, deren Gesetze sie achten muss und wo sie ihre Vorschläge respektvoll einbringen kann.

Ihr Beitrag zum Gemeinwohl steht heute in Spanien außer Frage, sowohl im Bereich von Erziehung und Bildung als auch im Hinblick auf ihr historisches und kulturelles Erbe. Daher ist es so überraschend, dass man sie unter dem Vorwand angeblicher Privilegien aus dem öffentlichen Raum verdrängen will.

Das Instrumentum Laboris der Synode 2018 enthält keine Reflexion darüber, warum Johannes Paul II. ein Magnet für Millionen von Jugendlichen war.

Es hatte gewiss etwas mit seinem Mitgefühl und seiner Klarheit über die Wahrheit zu tun. Der Priester Karol Wojtyla führte eine Jugendpastoral durch, in der es anspruchsvolle geistliche Begleitung gab – schon ein halbes Jahrhundert bevor „geistliche Begleitung“ in einigen katholischen Kreisen zum Leitsatz wurde:

„Diese Lehre ist ein wirkliches Ziel oder Ideal.“ Die Synode 2018 sollte die „Begleitung“ mit der Wahrheit verbinden, die frei macht. Das ist das Mindeste, was die Kirche in dieser Zeit der Läuterung verdient hat.

Wir nähern uns dem 40. Jahrestag der Wahl Johannes Pauls II., am kommenden 16. Oktober. [...] Im Kalender wird Johannes Paul von zwei Märtyrern begleitet. [...] So fällt der Geburtstag des seligen Jerzy Popie³uszko auf den 14. September, das Fest der Kreuzerhöhung, den Tag vor dem Geburtstag des seligen Pino Puglisi. Das Fest war für Johannes Paul so wichtig, dass er es für zwei seiner Enzykliken wählte: Laborem Exercens (1981) und Fides et Ratio (1998). Und sein Papstwappen – „M“ unter dem Kreuz – ist ein Bild für die Schmerzensreiche Mutter. Noch beeindruckender ist, dass auch ihre Gedenktage aufeinanderfolgen. Der Gedenktag des heiligen Johannes Paul ist der 22. Oktober, der Tag seiner Antrittspredigt als Papst: „Habt keine Angst!“ Der Gedenktag des seligen Jerzy ist der 19. Oktober, der Tag seiner Entführung und wohl auch seiner Ermordung, obwohl sein Leichnam erst 10 Tage später gefunden wurde.

Der Tag des Martyriums des seligen Pino war bereits ein Fest im allgemeinen Kalender, daher wurde ihm der 21. Oktober zugesprochen, der Tag seiner Taufe.

So bilden die drei zusammen – der Papst und seine Märtyrer – ein Art Oktober-Triduum, das die Botschaft von Veritatis splendor in Erinnerung ruft: Die Taufe macht uns fähig, Christus nachzufolgen, auch bis zur Schwelle des Martyriums. Die Seligen Pino und Jerzy belegen das.

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