Pressestimmen vom 13. Dezember

Obwohl die CDU auch weiterhin Deutschlands führende Partei ist und Wahlen gewinnen kann, so hat sie schon lange ein Identitätsproblem.

Obwohl die CDU auch weiterhin Deutschlands führende Partei ist und Wahlen gewinnen kann, so hat sie schon lange ein Identitätsproblem. Der katholisch orientierte Konservativismus des Parteigründers Konrad Adenauer, der Deutschland in den 1950er Jahren dominiert hat, ist weniger gangbar in einem Land, in dem der Katholizismus selbst sich schon lange in einer Krise befindet. Das ist in den 1980er Jahren deutlich geworden, als Helmut Kohls pragmatischer Ansatz über die Traditionalisten um Franz-Josef Strauß siegte. Merkels ... technokratischer Führungsstil mit seiner Übertünchung ideologischer Spaltungen hat sich unter den deutschen Wählern über die Jahre als erfolgreich erwiesen, aber er hat das Problem nicht gelöst. Unklar ist auch, wie eine konservative katholische Führungspersönlichkeit in der größeren Öffentlichkeit ankommen wird. Das letzte Mal wurde dies 1980 getestet, als die CDU Franz-Josef Strauß als Kanzlerkandidaten unterstützt hat. Strauß' enorme Popularität in Bayern hat sich auf das restliche Deutschland nicht übertragen, und die Partei wurde deutlich geschlagen. Die CDU war nicht scharf darauf, das Experiment zu wiederholen. Das Deutschland von 1980 war ein anderes Land als heute, mit einer damals noch sehr lebendigen katholischen Kultur. Die heutige katholische Kirche in Deutschland ist reich und mächtig, aber die Kirchen sind leer. Für die CDU würde die Wahl einer Vorsitzenden mit stark katholischem Profil anstelle eines Kulturkatholiken nach Art von Helmut Kohl einen Aufbruch darstellen.

Hat diese Ansprache den psychologischen Schock ausgelöst, der die aufständischen Gelbwesten zum Nachgeben bringen kann? Die ersten Reaktionen auf die Ansprache zeigen, dass noch nichts gewonnen ist. Die unmittelbare Antwort des linksextremen Politikers Jean-Luc Mélenchon war ein Aufruf, die Bewegung nicht nur fortzusetzen, sondern sie sogar zu erweitern, im Hinblick auf die Versammlung am Samstag. Der Wortführer der Revolte in Frankreich hat damit eine große Verantwortung übernommen, denn er weiß sehr wohl, dass diese Forderung mit einer Form der Gewalt verbunden ist, die das Ausmaß eines Aufstands angenommen hat. Darf man das Risiko eingehen, die Ausbreitung eines Brandes zu fördern, bei dem man sich fragen muss, ob die Ordnungskräfte zukünftig in der Lage sein werden, die Ausschreitungen zu stoppen?

Der Verzicht auf die Angabe der Religionszugehörigkeit im Personalausweis wird die religiöse Diskriminierung von Ägyptern nicht beenden, da er ihre religiöse Identität nicht aufhebt. Die Mehrheit der Ägypter trägt religionsspezifische Namen oder Nachnamen, die ihre religiöse Identität deutlich machen. Der Verzicht auf die Angabe der Religionszugehörigkeit im Personalausweis macht daher nicht die Religion [...] unkenntlich, sondern es wäre eine Geste, durch die der Staat deutlich machen würde, dass die Religion für die ägyptische Staatsbürgerschaft keine Rolle spielt: Für den Staat ist die Identität als Ägypter allem anderen übergeordnet. Er würde die Botschaft enthalten, dass die religiöse Identität bei der Behandlung von Menschen keine Rolle spielt [...].

„Christliches Mexiko, Guadalupe im Herzen“ ist das Wort, das die Identität unseres Volkes zusammenfasst, das leider unzählige schreckliche Dinge erlebt hat infolge der Missachtung der Werte des Evangeliums. „Es gibt viele Politiker, die sich zum Katholizismus bekennen, aber oft eine mangelnde Kohärenz mit den ethischen und religiösen Überzeugungen der katholischen Lehre an den Tag legen“, sagt Papst Franziskus zu uns, denn die Kohärenz ist der Schlüssel, um in Harmonie mit uns selbst und im Frieden mit den anderen zu leben.

Und dieses wesentliche Prinzip muss von allen befolgt werden, von unseren Politikern bis hin zur gesellschaftlichen Basis. Jetzt zu Beginn einer neuen Legislaturperiode bietet das Fest Unserer Lieben Frau von Guadalupe uns die Möglichkeit, auf zwei grundlegenden Ebenen zu arbeiten: auf religiöser und auf sozialer Ebene, um Streitigkeiten beizulegen und darüber nachzudenken, wie wir alle Mexiko brüderlich dienen können, jeder in seinem Bereich. [...]

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