Pressestimmen vom 05.09.2018

Italien und Frankreich müssen sich durch Verhandlungen über den Wiederaufbau des libyschen Staates einigen. Nachdem Macron im vergangenen Mai eine Konferenz in Paris abgehalten hat, an der nur einige, wenngleich wichtige Partner teilgenommen haben, so organisiert die italienische Regierung jetzt eine größere Konferenz auf Sizilien. Wenn es nicht zu spät ist, kann sie die erhoffte Wende herbeibringen. Man muss sich jedoch gemeinsam ernsthaft dafür einsetzen und alle einbeziehen, die ein Interesse an Libyen haben und zur Lösung beitragen können. [...] Keiner in Libyen ist allein in der Lage, den Krieg zu stoppen, weder innere noch äußere Kräfte. Und wenn man ihn nicht gemeinsam stoppt, wird dieser Krieg alle überrollen und sich zu einem Krebsgeschwür auswachsen, das böse Überraschungen bereithält, Metastasen an Orten, wo man heute noch keinen Befall sieht.

Die aufsehenerregende Entscheidung des Vatikandiplomaten, seinen Treueeid und das Berufsgeheimnis zu brechen, ist der x-te Angriff gegen Franziskus, organisiert ausgeführt durch dieselben Kreise, die vor einem Jahr versucht haben, zu einer Art dogmatischem „Impeachment“ zu gelangen, nach der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens „Amoris laetitiae“. Diese Strategie hat nicht funktioniert. Tatsächlich gehört Vigano zu den Unterzeichnern der sogenannten „Zurechtweisung“, und er ist in konservativen Kreisen sowohl in den Vereinigten Staaten als auch im Vatikan sehr gut vernetzt. Dies ist nicht einfach nur der Aufschrei eines Kirchenmannes, der all den Schmutz um sich herum nicht länger ertragen will, sondern eine ausgeklügelte Aktion, den Papst durch Druck zum Amtsverzicht zu bringen. Das belegt sowohl der Zeitpunkt als auch die Beteiligung eben jenes internationalen Netzwerkes von Medien, das seit Jahren die Anliegen jener propagiert (oft unter Pseudonymen), die das Ergebnis des Konklaves von 2013 verändern wollen. Und es wird auch belegt durch verschiedene Blogs, die das „Dossier“ Vigano veröffentlicht haben: Immer an vorderster Front zur Verteidigung der traditionellen Familie lassen sie die „Bombe“ unbesorgt in genau dem Moment platzen, in dem Franziskus mit einer großen Messe das Weltfamilientreffen abschließt.

Dies sind finstere Tage. Die Nachwirkungen aus Jahrzehnten sexuellen Missbrauchs durch Priester und der Vertuschungen gehen weiter, und viele Katholiken sind verwirrt und unsicher, wem und was sie glauben sollen. […] Eine verantwortungsbewusste Antwort auf die gegenwärtige Krise muss jedoch genaue Untersuchungen enthalten. Verschiedene Medien gehen dem nach, auf Bitte des Papstes. Was „Our Sunday Visitor“ betrifft, so stehen wir auf der Seite der Wahrheit, versuchen, sie zu erkennen und zu fördern wo und wann wir können. Wenn es Beweise gibt, die Erzbischof Viganos Aussagen stützen, dann müssen die Katholiken alle ideologischen Gründe beiseitelassen und gemeinsam Konsequenzen fordern. Einige Verantwortungsträger in der Kirche erinnern uns daran, dass unser Hauptaugenmerk jetzt auf den Missbrauchsopfern liegen muss. Das stimmt natürlich, und die Kirche sollte immer danach streben, den Opfern so zu dienen, dass es zu Heilung und Versöhnung führt. Um aber den Opfern wahre Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, müssen wir dafür sorgen, dass wir das ganze Versagen der Strukturen und Individuen verstehen, durch das sie überhaupt erst zu Opfern werden konnten.

Er zog eine Kombination aus pastoraler Flexibilität und Treue zum Lehramt vor. Das ist eine schwierige Position, wie wir in den letzten fünf Jahren schmerzlich gelernt haben. Vielleicht wäre Johannes Paul I. orientierungslos geworden – aber es sollte beachtet werden, dass seine Sprache sehr viel präziser war als die von Papst Franziskus. Vielleicht wäre er zu dem Papst geworden, als den moderate Liberale Franziskus gern gesehen hätten. Aber angesichts seines Gesundheitszustands hätten auch erstklassige Ärzte sich schwergetan, ihn am Leben zu erhalten. Können wir irgendetwas mit Sicherheit sagen? [...] Albino Luciani war ein vorbildlich heiligmäßiger Papst, einer der liebenswürdigsten Männer, die je auf dem Stuhl Petri saßen. Allein dieses Lächeln! Es wäre schön, in nicht allzu langer Zeit zwei Johannes Pauls im Heiligenkalender zu haben.

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