Pressestimmen vom 04.07.2018

Die zunehmenden Widersprüche in Europa können nicht mehr gesteuert und Unterschiede nicht mehr toleriert werden, wenn der größere Rahmen der westlichen Welt, in den die Europäische Union eingebettet ist, verschwindet.

Die zunehmenden Widersprüche in Europa können nicht mehr gesteuert und Unterschiede nicht mehr toleriert werden, wenn der größere Rahmen der westlichen Welt, in den die Europäische Union eingebettet ist, verschwindet. Das Ende der westlichen Welt und die Krise der internationalen liberalen Ordnung drohen den Zusammenhalt der Institution – der Europäischen Union – zu sprengen, die mehr als jede andere für eine Welt steht, die an den Idealen einer liberalen und demokratischen Ordnung inspiriert ist. Eine Welt, in der die nationale Souveränität wieder zählt und als schützenswert gilt, entspricht nicht dem Maß der Europäischen Union, die auf die langfristige Überwindung der nationalen Souveränität nicht nur einen Großteil ihrer politischen Rhetorik aufgebaut, sondern für die sie sich auch mit mühevollen, aber konkreten politischen Maßnahmen eingesetzt hat. Und sie ist dabei, das Spiel zu verlieren, auch wenn das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Andrés Manuel López Obrador, kurz AMLO genannt, hat erwartungsgemäß seinen Wahlkampf auf der Schiene der Korruptionsbekämpfung geführt. Die wahre Prüfung wird jedoch dann kommen, wenn er mit dem verworrenen Knoten konfrontiert wird, der die mexikanische Staatsmacht auf allen Ebenen mit den Drogenkartellen verbindet. Was wird er tun gegen den Drogenkrieg, der schon so viele Menschenleben gefordert hat? Zu diesem Thema war er nicht gerade klar, was konkrete Maßnahmen betrifft, aber gerade hier hat er eine Chance, einen echten Wandel herbeizuführen. Hoffen wir, dass er es tun wird. Eines ist sicher: Mexiko kann so nicht weitermachen. Hoffen wir, dass AMLOs Mut nicht versagen wird, denn er wird ihn brauchen, und alle müssen hoffen und beten, dass AMLO anders sein wird: Die Mexikaner brauchen das. Was sie nicht brauchen ist ein weiterer gescheiterter Populist. Auf der Website der Mexikanischen Bischofskonferenz gibt es derzeit noch keine Reaktion auf AMLOs Wahlsieg. Die Bischöfe sprechen vom „Aufbau eines besseren Mexiko für alle“. Das ist ziemlich unverbindlich, aber die Frage ist, wie sie sich AMLO gegenüber positionieren werden und er sich gegenüber ihnen. Interessant ist auch, wie AMLO mit dem Papst zurechtkommen wird, denn zumindest oberflächlich betrachtet haben sie viel gemeinsam, wenn es um die Armen und Ausgegrenzten geht. (...)

Der Besuch des Papstes (...) gehört zu einer langen Reihe von Gesten, die vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil undenkbar gewesen wären. Abgesehen von den Fortschritten auf theologischer Ebene ist es sehr wichtig, dass der Horizont der vollen Einheit nicht nur als utopisches Ideal betrachtet wird, sondern als realistisches Ziel, die Erfüllung des Gebets Jesu beim Letzten Abendmahl. Franziskus betont sehr stark die Bedeutung der konkreten Ökumene, der Zusammenarbeit etwa bei der Verteidigung der Würde des Menschen oder der Wahrung der Schöpfung. Nicht zu vergessen die „Ökumene des Blutes“, das Zeugnis des Martyriums, das viele Christen gemeinsam ablegen, unabhängig von ihrer Konfession. In Genf hat der Bischof von Rom jedoch darum gebeten, einen weiteren Schritt zu gehen: gemeinsam evangelisieren. (...).

Das Rahmenwerk der Sendung der Kirche in der Welt liegt in den acht Seligpreisungen (Mt 5), in denen wir sehen, dass nicht die gesellschaftliche Macht von Politikern unseren Hunger nach Gerechtigkeit und Frieden stillen wird. Vielmehr werden die, die arm sind vor Gott, die Trauernden, und die, die reinen Herzens sind, das Reich Gottes schauen. Das muss die Kirche der Menschheit verkündigen, auch wenn sie die Probleme ernst nimmt, denen die Trump-Regierung gegenübersteht. Gleichzeitig muss die Kirche jede Politik oder Ideologie verurteilen, die die Entwicklung eines gerechten und friedlichen Lebens für alle Menschen gefährden. Die Kirche muss ihrem göttlichen Auftrag treu bleiben: die Verkündigung des Evangeliums unter der Führung des Heiligen Geistes. Sie muss die Gewissen aller Menschen wecken, und das mindert nicht den Beitrag, den der Staat zu den Rechten seiner Bürger leistet. (...) Die Vorstellungen des Staates von moralischen Prinzipien können subjektiv sein (...). Die Kirche ist überzeugt, dass moralische Prinzipien unveränderliche, objektive Wahrheiten sind.

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