Würzburg

Porträt der Woche: Kristina Frank

Im kommenden Jahr wird in München ein neuer Oberbürgermeister gewählt. In der mittlerweile grün dominierten Stadt setzt die CSU nun auf eine 38-jährige Hoffnungsträgerin.

CSU-Politikerin Kristina Frank
Die 38-jährige Juristin Kristina Frank ist die Hoffnung der CSU auf das Oberbürgermeisteramt in München.

Kristina Frank ist die große Hoffnung der CSU für das Amt der Münchner Oberbürgermeisterin bei der Kommunalwahl 2020. Vordergründig wird ihr nachgesagt, ein Aushängeschild des von Parteichef Markus Söder vorgegebenen „jünger, weiblicher, moderner“ zu sein. Bei genauerem Hinsehen verkörpert sie womöglich sogar ein Update des einst so unbekümmerten bayerischen Konservatismus. Für die Union hat es weder für eine Koalition mit den Grünen in Bremen gereicht, noch kam Ursula von der Leyen in Brüssel in den Genuss grüner Unterstützung. Das Verhältnis der Ökopartei zu den CSU-Innenpolitikern Seehofer und Herrmann darf als zerrüttet betrachtet werden.

Weltläufig im Dirndl

Gute Erfolgsaussichten für die CSU, mit München eine der grünen Hochburgen Bayerns zu gewinnen, stellen sich wohl anders dar. Und trotzdem werden der Kommunalreferentin Kristina Frank, 38 Jahre alt, Juristin, geborene Münchnerin, ehemals in einer internationalen Großkanzlei tätig, sowie später Staatsanwältin und Richterin, gute Chancen beschieden. Als größtes Pfand wird dabei Franks Vita gehandelt, eine Mischung aus Bodenständigkeit, Weltgewandtheit und beruflichem Aufstieg.

Wäre Frank keine CSU-Politikerin geworden, sie würde ebenso gut in das bürgerliche Großstadtmilieu passen, das inzwischen bevorzugt grün wählt. Diese Mischung aus Tradition und Kosmopolitismus bietet ein recht unkonventionelles Identifikationspotenzial: Frank kann auf sehr vielen Hochzeiten mittanzen, ohne sich verstellen zu müssen – von Obermenzing, wo sie zur Schule ging, bis Jakarta und Sydney, wo sie Teile ihres Referendariats absolvierte.

Leben und Raum zum Leben lassen

Aber Frank trifft noch einen anderen Nerv: Wenn sie die Ehe als konservatives Lebensmodell auch für Homosexuelle fordert und zugleich beteuert, „ich liebe die Kirche und mein Dirndl“, erinnert das natürlich an Stoibers „Laptop und Lederhose“ oder die Straußsche „Spitze des Fortschritts“. Das machte die Christsozialen unberechenbar für Gegner und sympathisch für das bayerische Wahlvolk, welches stets lieber lebte und leben ließ, anstatt verbissen auf Prinzipien zu reiten.

Als Bewährungsprobe für ihre Fähigkeit, Grundsätzlichem aus dem Weg zu gehen und Konflikte tatkräftig zu lösen, könnte sich das Thema Stadtentwicklung erweisen. Im von Grünen dominierten Zentrum platzt München aus allen Nähten, im Umland, wo die CSU gewinnt, wehren sich viele Bewohner gegen expansive Urbanisierung. Wenn sie mit modernen Konzepten für die Metropolregion punkten will, muss sie zeigen, dass sie solche Pulverfässer geschickter entschärfen kann, als es die Grünen so meisterhaft beherrschen.