Malawi ist anders

Malawi ist in gewisser Weise eine afrikanische Erfolgsstory. Das zeigten auch die Wahlen. Von Michael Gregory

Wahlen in Malawi
Die Beteiligung an der Präsidentenwahl war stark. Foto: dpa

Aus Europa richtet sich der Blick nach Afrika meist auf die großen Krisengebiete im Zentrum oder im Westen des Kontinents. Im Augenblick sind es der Ebola-Ausbruch im Kongo oder die wachsende Gefahr islamistischen Terrors im Niger. Dass es auch zahlreiche kleinere Länder gibt, deren Entwicklung positiv verläuft, wird von den Medien hierzulande dagegen selten in den Fokus genommen. So verfestigt sich der Eindruck von Afrika als Krisenkontinent und, mit Blick auf die Entwicklungszusammenarbeit, als Fass ohne Boden.

Malawi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt

Ein Land, über das andere Geschichten erzählt werden kann, ist Malawi. Der südostafrikanische Binnenstaat, in dem sich Amtsinhaber Peter Mutharika bei der Präsidentenwahl jetzt knapp eine zweite Amtszeit gesichert hat, kann in mancherlei Hinsicht als afrikanische Erfolgsstory gelten. Dabei sind es weniger wirtschaftliche Fortschritte, die aufhorchen lassen. Malawi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Im jährlichen Human Development Index der Vereinten Nationen (UNDP) rangiert es auf Rang 171 von 189. Mehr als 90 Prozent der knapp 18 Millionen Einwohner leben direkt oder indirekt von der Landwirtschaft, da das jüngst vom Tropensturm Idai heimgesuchte Land über keine nennenswerten Bodenschätze verfügt. Entlang des drittgrößten Sees Afrikas, dem Malawisee, lässt sich zwar vielseitig Landwirtschaft betreiben, aber die wirtschaftliche Produktivität ist stark abhängig von den labilen klimatischen Bedingungen. So sehen die malawischen Bauern der alljährlichen Regenzeit stets mit bangen Gefühlen entgegen: Fällt genug Regen oder gibt es, wie so oft, eine Dürre?

Die Stärken des Landes liegen eher woanders. Es ist vor allem seine friedliche Entwicklung, die das Land zu einem verlässlichen Partner in der Entwicklungszusammenarbeit macht. Das deutsche Grundgesetz spielte bei der Formulierung der malawischen Verfassung Pate. Von größeren Krisen blieb das Land seit seiner Unabhängigkeit von Großbritannien 1964 weitgehend verschont – im Gegensatz zu manchem Nachbarland, etwa Mosambik, wo bis in die neunziger Jahre ein blutiger Bürgerkrieg für Angst und Schrecken sorgte. Außerdem konnte die Lebenserwartung in den letzten Jahren auf fast 62 Jahre verbessert werden, was vor allem dem Einsatz von Aids-Medikamenten – Malawi war seit den 90er Jahren besonders stark von HIV / Aids betroffen – und Verbesserungen bei der Säuglings- und Kindersterblichkeit zu verdanken ist. Doch gerade in der Gesundheitsversorgung hätte die Entwicklung – der Bereich gehört auch zu den Schwerpunkten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Malawi – noch deutlich positiver verlaufen können. So kommt statistisch gesehen nur ein Arzt auf mehr als 51 000 Einwohner.

Gute Beziehungen zwischen den Religionen

Verbesserungen sind überdies auf dem Feld der Alphabetisierung zu verzeichnen. Jedoch profitieren von besseren schulischen Angeboten vor allem Jungen, deren Alphabetisierungsrate deutlich höher ist als bei den Mädchen. Ebenso gilt das Miteinander der Religionen in Malawi als vorbildlich. Das Land liegt an der Schnittstelle zwischen dem vielerorts muslimisch geprägten Osten Afrikas und dem eher christlichen Süden des Kontinents. Gut 13 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Islam, etwa 80 Prozent zu christlichen Kirchen. Nach Angaben des internationalen katholischen Hilfswerks Kirche in Not sind die Beziehungen zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften von gegenseitigem Respekt geprägt. So beteiligen sich etwa mehrere Gemeinschaften am „Malawi Electoral Support Network“.

Der Gruppe, die sich auch vor der diesjährigen Präsidentenwahl mit Fragen der Menschenrechte und der politischen Bildung befasst hat, gehören Vertreter des Interfaith Public Affairs Committee (Komitee für interreligiöse Öffentlichkeitsarbeit) an, der Muslimverbände Muslim Association of Malawi und Quadria Muslim Association of Malawi, des Islamic Information Bureau (Informationsstelle für den Islam) und der Catholic Commission for Justice and Peace (Katholische Kommission für Gerechtigkeit und Frieden). Anlässlich der Wahl hatten die Bischöfe katholische Frauen eingeladen, „sich verstärkt für Politikerinnen einzusetzen, die für die Transformation des Landes arbeiten“. Es sei wichtig, dass Katholikinnen den Frauen in der Politik die Unterstützung der katholischen Kirche zusicherten, berichtet die vatikanische Nachrichtenagentur Vatican News.

Die von Männern dominierte Politik Malawis gilt als besonders bestechlich

Eine für das afrikanische Land ungewöhnliche Bitte. Doch sie hat einen konkreten Hintergrund. Die von Männern dominierte Politik Malawis gilt als besonders bestechlich. Auch die Präsidentenwahl war von einer Korruptionsaffäre überschattet, in die der spätere Wahlsieger Mutharika verwickelt war.

Herausgefordert wurde er von Oppositionsführer Lazarus Chakwera, einem früheren protestantischen Pastor, der mit einem Ergebnis von 35,4 Prozent nur knapp hinter dem Amtsinhaber lag. Die ehemalige Präsidentin Joyce Banda war Mitte März von ihrer Kandidatur zurückgetreten. Auch gegen sie ermittelt die malawische Polizei wegen eines Korruptionsvorwurfs.