Berlin

Konservative vernetzen

Klaus Kelle lädt alljährlich zum Treffen der Schwarmintelligenz ein. Im Interview erläutert er, wie er so der bürgerlichen Szene ein Forum bieten will.

Klaus Kelle
Der Tisch ist frei für neue Projekte: Klaus Kelle. Foto: pukall fotografie

Herr Kelle, Sie wollen ändern, was in Deutschland aus Ihrer Sicht falsch läuft und laden deshalb zu einem Netzwerktreffen nach Berlin ein: Glauben Sie, dass sich so wirklich etwas verändern lässt?

Davon bin ich zutiefst überzeugt. Ich mag dieses Land, ich mag auch, dass es bunt ist und vielfältig. Ich will keinen Obrigkeitsstaat. In vielen Bereichen würde ich mir mehr Freiheit wünschen. Aber was hierzulande derzeit abgeht, ist nicht mehr hinzunehmen. Ich möchte das verändern. Denn so, wie es jetzt läuft, geht es in eine schrecklich falsche Richtung.

Aber steht es wirklich so schlimm um Deutschland?

Natürlich, den meisten von uns geht es verhältnismäßig gut. Aber wie sind die Weichenstellungen für die Zukunft? Wollen wir ein Land, in dem die traditionelle Familie an den gesellschaftlichen Rand gedrückt wird? Hat uns jemand gefragt, ob wir 1,7 Millionen Menschen aus dem islamischen Kulturkreis einfach so durchwinken an den ehemaligen Grenzen, ohne zu wissen, wer da überhaupt kommt und mit welcher Motivation. Wollen wir 200 Lehrstühle an unseren Hochschulen für den unwissenschaftlichen Gender-Quatsch, der in unsere Gesellschaft unaufhaltsam einsickert mit vielen negativen Folgen. Ich jedenfalls nicht.

Aber was können Sie mit solchen Veranstaltungen verändern? Wollen Sie eine neue Partei gründen?

Ganz sicher nicht! Ich habe keine Motivation für so was, und ich will auch kein politisches Amt. Ich bin leidenschaftlicher Journalist und würde Ende August lieber mit meiner Familie im Garten sitzen und Eis essen. Aber das geht nicht. Ich will, dass die schweigende Mehrheit wieder eine Lobby bekommt. Und darum bringe ich Leute aus ganz Deutschland zusammen, die mithelfen wollen, dass sich etwas ändert. Nennen Sie es eine Bürgerbewegung…

Wie passen Christen da hinein?

Wir Christen in Deutschland sind immer noch sehr viele. Alle reden über die Austritte, ich möchte reden über die zwei Millionen Menschen, die an jedem Sonntag bei Wind und Wetter eine Heilige Messe oder einen evangelischen Gottesdienst besuchen. Die Bundesliga hat nicht so viele Zuschauer am Wochenende. Aber die Bundesliga läuft auf allen Kanälen. Die Stimme der Christen muss wieder gehört werden, und wenn sich die Politik nicht darum schert, dann müssen wir aufstehen aus unserer noch gemütlichen Komfortzone.

Was sollte Christen bewegen, zu Ihrem Treffen zu kommen?

Die schlimmen Fehlentwicklungen in der Familienpolitik. Es darf nicht sein, dass alleinerziehende Mütter das größte Armutsrisiko im Alter haben. Dass sich Frauen als „Heimchen am Herd“ schmähen lassen müssen, wenn sie sich ein, zwei Jahre selbst um die Erziehung ihrer Kinder kümmern. Nehmen Sie den Lebensschutz – da gibt es Baustellen, wohin man schaut. Wo ist unsere Lobby, wo sagt mal jemand, dass das menschliche Leben heilig ist und unantastbar ohne Wenn und Aber?

Wer spricht bei Ihrem Schwarmtreffen?

Die ehemalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder wird sprechen, Hubertus Knabe über die verpasste Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Und Hedwig von Beverfoerde, die über ihren unermüdlichen Kampf gegen Sexuelle Vielfalt für Kleinkinder berichtet. Joachim Steinhöfel spricht über seinen Kampf gegen Facebook-Zensur, Markus Krall über die drohende nächste Wirtschaftskrise und Michael Ragg über die Lage der Christen in China.


Informationen zum Treffen

Wer an der „4. Vollversammlung der Schwarmintelligenz am 24. August zwischen 11 und 18.30 Uhr in Berlin teilnehmen will, kann sich per Mail an folgender Adresse anmelden: kelle@denken-erwuenscht.com.Die Tagungsgebühr für die Veranstaltung beträgt 35 Euro.