Vatikanstadt

Orbán beim Papst: Treffen „mit Humor und Wärme“

Ukrainekrieg, Flüchtlingsaufnahme, Familienpolitik: Darüber spricht Ungarns Ministerpräsident bei seiner Privataudienz mit Papst Franziskus. Besonders beim Thema Familie herrscht „großes Einvernehmen“.
Viktor Orbàn beim Papst
Foto: IMAGO/Vatican Media (www.imago-images.de) | Für Orbàn war es der erste offizielle Besuch beim Papst im Vatikan. Auch der Fidesz-Vorsitzende betonte im Anschluss an das Treffen, dass der Ukrainekrieg und die Aufnahme von Flüchtlingen eine wesentliche Rolle ...

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán ist heute im Vatikan von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen worden. Wie die „Tagespost“ aus Teilnehmerkreisen erfuhr, sprach Orbán, der erst vor gut einer Woche für eine zweite Amtszeit als Ungarns Regierungschef gewählt wurde, mit dem Papst ausführlich über den Krieg in der Ukraine – insbesondere auch über die Hunderttausende von Flüchtlingen, die Ungarn seit Kriegsbeginn aufgenommen hat. Das Thema Migration ist für Franziskus bekanntlich seit Beginn seines Pontifikats ein Kernanliegen.

Treffen "lang und herzlich"

Das Treffen zwischen Orbán und dem Papst soll „lang und herzlich“ gewesen sein, die Atmosphäre „mit Humor und Wärme erfüllt“, hieß es weiter aus vatikanischen Kreisen. Neben dem Krieg sei auch das Thema Familie zur Sprache gekommen, sowie die ungarischen Gesetze zum Schutz von Kindern und Jugendlichen an Schulen. Diese hatten im vergangenen Jahr für eine Kontroverse innerhalb der EU gesorgt. Die Gesetze seien LGBT-feindlich, so der international erhobene Vorwurf. Wie die „Tagespost“ aus gut informierten Quellen erfuhr, habe das Treffen noch einmal deutlich werden lassen, dass zwischen Papst Franziskus und Ministerpräsident Orbán hinsichtlich der ungarischen Kinder- und Familienpolitik „großes Einvernehmen“ bestehe. 

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Für Orbán war es der erste offizielle Besuch beim Papst im Vatikan. Auch der Fidesz-Vorsitzende betonte im Anschluss an das Treffen, dass der Ukrainekrieg und die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Nachbarland in der Unterhaltung eine wesentliche Rolle gespielt hätten. Der ungarischen Nachrichtenagentur MTI sagte Orbán, sein Land sei an der „größten humanitären Operation aller Zeiten“ beteiligt, und dies finde „auf der ganzen Welt Anerkennung und Respekt“.

Orbán lädt Papst nach Ungarn ein

Zum Thema Familie erklärte der Ministerpräsident: Ungarn und den Vatikan verbinde der Blick auf die Familie als „die wichtigste Gemeinschaft unserer Zeit“. Das Land könne auf den Papst zählen, wenn es darum gehe, die Familie als „wichtigste menschliche Gemeinschaft“ zu schützen und zu stärken.

Laut MTI habe Orbán das Katholikenoberhaupt auch offiziell zu einem Besuch in Ungarn eingeladen – und eine „ermutigende positive Antwort“ erhalten. Der Papst war zuletzt im September 2021 in Ungarn zu Gast. Im Rahmen des einwöchigen internationalen Eucharistischen Kongresses hielt er sich für einige Stunden in der Hauptstadt Budapest auf. Dabei traf er auch mit Orbán, dessen Stellvertreter Zsolt Semjen und dem damaligen Staatspräsidenten Janos Ader zu Gesprächen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zusammen.  DT/mlu

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