Deutsch-polnische Beziehungen

Noch mehr tote Fische

Europa muss jetzt eins werden, mit der Ukraine und gegen Putins Russland. Wenn das nicht geschieht, werden noch mehr tote Fische auf den Flüssen Europas schwimmen. Ein Kommentar.
Fischsterben in der Oder
Foto: Patrick Pleul (dpa) | Ein toter Blei liegt am frühen Morgen im flachen Wasser vom deutsch-polnischen Grenzfluss Oder.

Deutsche und Polen sind Nachbarn. Unter Nachbarn ist es normal, dass es auch mal Streit gibt. Zumal es diesseits und jenseits der Oder unterschiedliche Mentalitäten gibt. In beiden Ländern weiß man aber auch, dass Deutschland und Polen Partner in Europa sind. Mögen Politiker und Journalisten diesen Aspekt der Nachbarschaft auch gelegentlich verdrängen - mit Polemik und mangelndem Einfühlungsvermögen. Jede Nachbarschaft lebt von Wahrheit. Zur deutsch-polnischen Wahrheit gehört es, dass die Deutschen in Bezug auf Russland lange Zeit naiv waren. Viele sind es immer noch. Warnungen aus Polen wurden ignoriert. Die Deutschen wollten billiges Gas. Das war arrogant und dumm.

Stereotype und Komplexe hinterfragen

Der Ukraine-Krieg hat die Rolle von Deutschland und Polen in der Europäischen Union verändert. Polen macht trotz der kontroversen Regierung eine gute Figur. Es leistet eine vorbildliche Flüchtlingshilfe. Es steht militärisch stabil an der Seite von England, Amerika und der Ukraine. Deutschland dagegen wirkt seit Monaten wie ein Clown. Nicht ernsthaft in Worten und Taten. Wie man mit hoher Inflation und wenig Energie durch den Herbst und Winter kommen will, ist völlig offen. 

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Weshalb einige polnische Hardliner gut beraten wären, ihre Stereotype und Komplexe gegenüber dem Nachbarn zu hinterfragen. Fakt ist: Deutschland ist längst nicht mehr so stark, wie die alte Generation denkt. Ob es überhaupt noch in der Lage ist, Europa seinen Willen aufzudrücken, darf bezweifelt werden. 

Ist das ein Grund, sich zu freuen? Vielleicht. Auf jeden Fall lohnt es sich, die Realität stärker zu beachten. In diesem Jahr gibt es so viele politische Veränderungen, Überraschungen. Sogar zwischen den deutschen Grünen und der PiS gibt es Brücken. Militärisch und ein bisschen auch ökologisch.  Die Zeit des alten Lagerdenkens scheint vorbei zu sein. Was aufhören muss, sind die Spaltungen in beiden Ländern. Europa muss jetzt eins werden. Eins mit der Ukraine. Eins gegen Putins Russland. Wenn das nicht geschieht, werden noch mehr tote Fische auf den Flüssen Europas schwimmen. Vergiftet durch Propaganda und Waffen.

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