Kritik an europäischer Afrika-Politik

Im Gespräch mit der "Tagespost" kritisiert Asfa-Wossen Asserate, Großneffe des äthiopischen Kaisers Haile Selassie, die Afrika-Strategie der EU und fordet mehr Einsatz, um den Bürgern in Afrika ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen.
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Foto: Uwe Anspach (dpa) | Asfa-Wossen Asserate, Jahrgang 1948, studierte in Deutschland, während in Äthiopien die Revolution ausgebrochen ist. Bis zum Sturz des Mengistu-Regimes 1991 konnte er seine Heimat nicht besuchen.

Asfa-Wossen Asserate hat die europäische Afrika-Politik kritisiert. Der äthiopische Prinz, der in Frankfurt am Main lebt, erklärt im Gespräch mit der „Tagespost“, die momentane Strategie der Europäischen Union, mit afrikanischen Potentaten Fluchtpartnerschaften einzugehen, sei der falsche Weg. „Sie sind doch diejenigen, die uns die afrikanischen Flüchtlinge in Massen zutreiben“, so Asserate, der die Angst vieler Deutscher vor großen Migrationswellen verstehen kann. Die afrikanischen Gewaltherrscher, mit denen die EU nun paktiere, ermöglichten ihrer Bevölkerung in der eigenen Heimat kein menschenwürdiges Dasein. Daher seien sie „die größten Exporteure der Massenmigration“. Europa gebe jetzt Milliarden aus, um die Fluchtursachen zu bekämpfen, „aber immer mit diesen Potentaten. Das ist der falsche Ansatz“, so der letzte Großneffe des äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Die diktatorischen Gewaltherrscher in vielen afrikanischen Ländern, die Asserate als „das Grundübel Afrikas“ bezeichnet, lasse Europa in Ruhe, „weil man bloß Alliierte gegen den Terrorismus sucht“. Zudem kritisiert er, dass nur etwa ein Drittel der europäischen Entwicklungshilfe die richtigen Adressaten erreiche. Asserate fordert stattdessen eine gemeinsame europäische Afrikapolitik. „Nur eine gemeinsame europäische Afrikapolitik könnte Nein sagen zu afrikanischen Gewaltherrschern.“ Man müsse den Bürgern in ihrer Heimat ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen. „Die Zeit wäre reif dafür“, so Asserate.

Das komplette Interview lesen Sie in der Ausgabe der "Tagespost" vom 11. Januar.

DT/mlu

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