Washington

Katholischer US-Politologe: Tiefe politische Kluft in Amerika

Die Spaltung zwischen Demokraten und Republikanern habe sich unter der Präsidentschaft Donald Trumps noch vertieft, meint der Politologe Stephen Schneck. Eine Lösung sei nicht in Sicht.
Tiefe politische Kluft in Washington
Foto: Evan Vucci (AP) | Laut Stephen Schneck ist die Regierung von Präsident Trump eher darauf aus, die Spannungen noch weiter eskalieren zu lassen, als eine Lösung der politischen Krise zu suchen.

Für den amerikanische Politologen Stephen Schneck steht die Abtreibungsfrage in den USA stellvertretend für die tiefe Kluft zwischen Demokraten und Republikanern. „Diese Streitfrage ist die Bruchlinie, entlang derer sich die Politik in den USA aktuell bewegt“, erklärt Schneck im Gespräch mit der „Tagespost“.

Demokraten und Republikaner auf Abtreibungsfrage angewiesen

Dabei ist für den Politikwissenschaftler, der an der Catholic University of America in der Hauptstadt Washington, D.C. lehrt, klar: „Sowohl die Republikaner wie auch die Demokraten sind auf die Abtreibungsfrage angewiesen, um Spenden einzusammeln und ihre eifrigsten Unterstützer zu mobilisieren.“

Die Spaltung zwischen den beiden großen Parteien habe sich unter der Präsidentschaft Donald Trumps noch vertieft. Die Republikaner hätten sich beinahe ausnahmslos dem „Trumpismus“ hingegeben, während die Demokraten von einflussreichen, finanzstarken linken Lobbygruppen kontrolliert würden.

Extremer Kurs, der noch vor wenigen Jahren undenkbar war

„Republikaner, die vormals eine Belebung der Wirtschaft durch staatliche Schuldenaufnahme ablehnten oder gegen Zölle waren, und die stattdessen einem amerikanischen Internationalismus und einer schwachen Exekutive anhingen, haben eine 180-Grad-Wende vollzogen“, so Schneck. Auf der anderen Seite würden die Demokraten bei Themen wie Abtreibung, Gesundheitsvorsorge oder Vermögensverteilung einen derart extremen Kurs fahren, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Eine Lösung der politischen Krise sieht Schneck derzeit nicht in Sicht. „Offen gesagt ist die Regierung von Präsident Trump eher darauf aus, die Spannungen noch weiter eskalieren zu lassen.“ Denn die amerikanische Verfassung stärke in kritischen politischen Lagen die Macht des Präsidenten.

DT

Konservative in den USA hoffen seit Trumps Amtseinführung, dass das Gerichtsurteil „Roe vs. Wade“ zur Legalisierung von Abtreibungen rückgängig gemacht werde. Was Stephen Schneck dazu denkt, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 07. März 2019.

Weitere Artikel
Noch nie standen die Chancen so gut, das umstrittene Grundsatzurteil „Roe vs. Wade“ zu kippen. Wie wird die Rechtslage danach aussehen? Und was planen Abtreibungsbefürworter?
28.10.2021, 09  Uhr
Maximilian Lutz
Auf kurze Sicht wäre es eine Sache der einzelnen Bundesstaaten, Abtreibungen zu erlauben oder zu verbieten. Von Maximilian Lutz
06.03.2019, 12  Uhr
Themen & Autoren
Maximilian Lutz Die Republikaner Donald Trump Lobbyisten

Kirche

Dokument soll von flämischen Bischöfen zurückgezogen werden. Kardinal Eijk appelliert an den Vatikan, die flämischen Bischöfe aufzufordern, ihr Dokument zur Segnung homosexueller Paare ...
03.10.2022, 14 Uhr
Meldung
Glaube und Recht sind aufeinander verwiesen: Durch die Orientierung an Christus entsteht die Norm, Richtung und Maßstab des Lebens.
03.10.2022, 05 Uhr
Markus Graulich
Demoskopie, Zeitgeist und Expertokratie statt Schrift, Tradition und Lehramt: Wie der Orientierungstext des Synodalen Weges mit dem Konzil bricht.
03.10.2022, 13 Uhr
Martin Brüske
Eine im Sommer 1572 profanierte, heute noch unversehrte Hostie wird in El Escorial nahe Madrid jedes Jahr öffentlich verehrt.
03.10.2022, 07 Uhr
José García