Glosse: Wir versprechen nichts

Die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry lässt den Gerüchten über eine Parteigründung jetzt Fakten folgen. Sie bekennt sich zur „Blauen Partei“. Begleitend dazu wollen Petry und ihre Mitstreiter ein Bürgerforum „Blaue Wende“ ins Leben rufen, „in dem man sich mit und ohne Parteibuch unabhängig von der Farbe engagieren kann“. Ab November sollten öffentliche Veranstaltungen angeboten werden, „erst in Sachsen und dann bundesweit“. Die AfD-Spitze hält es für ausgeschlossen, dass sich die Partei von Frauke Petry zu einer ernsthaften Konkurrenz mausern könnte. Er sehe im Moment keine Marktlücke für diese Partei, sagte der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion Alexander Gauland. „Das hat schon Bernd Lucke lernen müssen – zwischen CDU, FDP und uns ist kein Platz für eine weitere Partei.“

„Blaue Partei“? Da erinnern wir uns an Toni Geller, zwischen 1952 und 1995 einer der Stars der politischen Büttenredner Kölns. Der am 17. Januar 2012 in Köln verstorbene Geller begeisterte vor allem in der Type des Politikers der „Blauen Partei“. 1962 trat Toni Geller erstmals als Führer der hochprozentigen „Blauen Partei“ auf, den er sogar einmal im Mainzer Karneval verkörperte. 1982 konnte man erstmals auch im Fernsehen miterleben, was auch zu seiner Rolle gehörte: Bei einer Musikeinspielung der Kapelle riss er sich den Hut vom Kopf und setzte ihn beim letzten Ton schlagartig wieder auf. Das war zufällig entstanden, entwickelte sich aber mit der Zeit zu einem Markenzeichen. Bei seinen Auftritten trug Geller stets eine blaue Schärpe, gekleidet mit einem grauen Anzug nebst passender Melone.

Sein Slogan lautete: „Wir von der Blauen Partei versprechen nichts. Aber das halten wir auch.“ Eine treffende Parole der Petry-„Blauen“. Carl-Heinz Pierk

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