Glosse: Limburg, Hamburg, Berlin

Erinnern Sie sich noch? Limburger Diözesanzentrum Sankt Nikolaus, vulgo: „Bischofswohnung“? Hexenverbrennung, Kreuzzüge, Kostenexplosion? Badewanne? Genau, das meine ich: Tebartz-van Elst. Nicht, das wir hier jetzt noch das „Happy End in Hamburg“ (Der Spiegel) thematisieren wollten, die „spektakuläre“ (Tagesschau.de) Elbphilharmonie, ein „wahrhaft erstaunliches Bauwerk“ (Die Zeit), das nach nur zehnjähriger Bauzeit (für den Tempel in Jerusalem brauchte man „sechsundvierzig Jahre“, Joh 2, 20) durch die souveräne öffentliche Hand zum „kulturellen Leuchtturm für alle Bürger“ (Die Welt) und bereits liebevoll „Elphi“ getauft wurde. Nein, nein – das lassen wir mal. Reden wir nicht darüber. Staunen wir stattdessen lieber noch ein wenig. Darüber, dass die Qualitätspresse die Tatsachen recht wohlwollend zur Kenntnis nimmt. Baukosten von 77 (geplant) auf 789 (tatsächlich) Millionen Euro mehr als verzehnfacht. Frische Steuergelder „von allen Bürgern“, nicht irgendwelche jahrhundertealte bischöfliche Fonds, von denen nie jemand etwas erfahren hätte. Derart buddhistische Gelassenheit in der medialen Rezeption wünschte man sich, wenn ein Diakon mal wieder ein Extragetränk zum Mittagessen bestellt hat. Das Empörungspotenzial scheint angesichts der zahllosen Fälle kirchlicher Misswirtschaft völlig erschöpft. Man kann sich ja auch nicht um alles kümmern! Aber was soll's: Limburg, Hamburg. Peanuts. Schließlich kostet uns – soweit wir „Bürger“ sind, die Steuern zahlen – der für 3017 geplante Berliner Flughafen jeden Monat ein Limburger Diözesanzentrum mehr als geplant. Seit vier Jahren. Also: Ich hör jetzt mal auf, bevor wir der Wahrheit zu nahe kommen. Josef Bordat

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Kirche

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