Europa erklärt bei Bier und Brotzeit

Heimspiel für Manfred Weber: Im oberbayerischen Tegernsee hält die CSU eine Wahlkampfveranstaltung aus dem bayerischen Bilderbuch ab. Der Spitzenkandidat der Christdemokraten, Manfred Weber, bekennt sich dabei zu einem demokratischen und christlichen Europa. Von Stephan Baier
Manfred Weber plädiert für demokratisches Europa
Foto: Baier | „Bitte geht mit Europa fair um!“, ruft Manfred Weber bei Bier und Brezeln den nationalen Politikern von Tegernsee aus zu.

Draußen liegt hoher, blütenweißer Schnee, drinnen im Bräustüberl zu Tegernsee flitzen die Bedienungen im Dirndl herum. Blasmusik spielt, die Knödel dampfen, die Brotzeitbretteln sind übervoll. Wahlkampf in Bayern, wie aus dem CSU-Bilderbuch.

Weber will zum "Regierungschef Europas" werden

Der frühere Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber versucht die Stimmung – für Weber und für Europa – anzuheizen, die Schachtelsätze noch verschachtelter, die Gestik noch fahriger als früher. „28 nationale Regierungen von Rom bis München“, so Stoiber wörtlich, die müssten zusammenstehen, weil China die USA gerade überholt „einfach aufgrund der Menge“. Auf Amerika sei kein Verlass mehr, auch sitze „uns Putin vor der Nase“, und der sei kein Demokrat, argumentiert Stoiber für Europa.

Neben dem Altministerpräsidenten wirkt Manfred Weber – unmittelbar nach einemeinstündigen „Tagespost“-Interview – jugendlich frisch. Hatte er gegenüber dieser Zeitung eben erklärt, warum er ein Kommissionspräsident des Europäischen Parlaments, nicht ein Erfüllungsgehilfe der Regierungschefs sein wolle, ruft er jetzt kraftvoll in den Saal, er wolle „Europa endlich demokratisieren“. Er könne als erster Parlamentarier zum „Regierungschef Europas“ werden. Tatsächlich waren die bisherigen Kommissionspräsidenten meist vorher nationale Regierungschefs. Weber ist heute der starke Mann im Europäischen Parlament. Und er ist als Spitzenkandidat der größten Fraktion sowie der EU-weiten Christdemokratie der aussichtsreichste Bewerber für Junckers Nachfolge.

Die Kellnerinnen bringen Bier und Brezeln, während Weber Europa erklärt

Nimmermüde bringen die Kellnerinnen Bier und Brezeln, während Weber Europa erklärt. Sollte er Kommissionspräsident werden, dann werde er seine Richtlinienkompetenz nutzen und die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beenden! Applaus. Auch wolle er die Ressourcen bündeln, um den Kampf gegen die Volkskrankheit Krebs anzugehen. Im Interview wie im Bräustüberl: Manfred Weber kann zuhören, lange und interessiert. Und dann bezieht er Position, klar und überlegt. Keine Schachtelsätze, kein Brüsseler Bürokratendeutsch.

Ein „bekennender Europa-Skeptiker“ im Publikum meldet sich zu Wort: „Ihr verkauft euch so brutal schlecht!“ Mit „ihr“ meint er nicht die CSU, wie rasch klar wird, sondern die Vertreter der Europäischen Union. Der Vorwurf bringt den Spitzen-Europäer nicht einen Moment in Verlegenheit. „Bitte geht mit Europa fair um!“, ruft er den nationalen Politikern von Tegernsee aus zu. Er skizziert das „Raumschiff Brüssel“, das er den Menschen zurückgeben will, aber auch das Szenario eines auseinanderfallenden Europas.

Weber: "Stolz, dass Europa christlich geprägt ist"

„Wir Deutsche können uns nicht alleine durchsetzen gegen Russen, Chinesen und Amerikaner“, sagt Weber. Und wenn eine Marine Le Pen den französischen Markt abschotten würde, dann würde es „zappenduster in Bayern“. Kein Zweifel, im oberbayerischen Tegernsee hatte der Niederbayer Weber ein Heimspiel. Hier gibt es auch Applaus, als er ausruft: „Ich bin stolz, dass Europa christlich geprägt ist – ich will, dass es dabei bleibt.“

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DT

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